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Seelsorge in besonderen Lebenslagen

Psychologische Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen stellen Gesamttätigkeitsbericht 2017 vor

15.05.2018

Augsburg (pba). Die Psychologischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) im Bistum Augsburg haben ihren Gesamttätigkeitsbericht für das Jahr 2017 veröffentlicht und heute vor Medienvertretern vorgestellt. Auf den 56 Seiten des Tätigkeitsberichts findet sich das Engagement der 25 EFL-Beratungsstellen in Zahlen und Fakten. Im vergangenen Jahr waren die Beraterinnen und Berater in 26.700 Stunden für 6.669 ratsuchende Menschen da - darunter 1.733 Paare. Unter den Klienten befanden sich 62 Prozent Frauen und 38 Prozent Männer. „In den insgesamt 25 EFL Beratungsstellen im Bistum Augsburg konnte somit der unverändert hohe Beratungsbedarf gedeckt werden“, betonte Diplom-Theologe Klaus Cuppok, stellvertretender Leiter der Psychologischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen im Bistum Augsburg.

Paare und Einzelpersonen, die die Beratungsstellen aufsuchten, kämen in der Regel mit einem Bündel an Problemen, betonte Pfarrer Cuppok. „Das beinhaltet bei Paaren Schwierigkeiten in der Kommunikation und fehlende konstruktive Konfliktlösestrategien, Verletzungen und Enttäuschungen aus der Paargeschichte, Entfremdung und Auseinanderleben, Angst vor oder Wunsch nach Trennung.“ Die Berater würden regelmäßig mit Überforderungs- und Erschöpfungssyndromen aufgrund Mehrfachbelastung in Familie und Beruf konfrontiert, zum Beispiel durch Pflege von Angehörigen, Mobbing am Arbeitsplatz, finanzielle Schwierigkeiten. Klienten seien neben Bindungsstörungen und Angst vor verbindlichen Bindungen zunehmend mit psychischen Erkrankungen belastet, so Cuppok in Vertretung der erkrankten Abteilungsleiterin Helga Kramer-Niederhauser.

Der Ehe,- Familien- und Lebensberater verwies zudem auf das Ergebnis einer bundesweiten Evaluationsstudie der institutionellen Paarberatung in katholischer Trägerschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Roesler von der Katholischen Hochschule Freiburg. Das Ergebnis: Paarberatung der EFL sei so wirksam wie Paartherapie im internationalen Vergleich und trage deutlich zur Reduzierung der individuellen depressiven Belastung bei, fasst Pfarrer Cuppok zusammen.

Da die Angebote der Beratungsstellen allen Menschen unabhängig von Konfession, Weltanschauung und Familienstand offenstehen, übernimmt die EFL-Beratung für Seelsorgeamtsleiter Prälat Dr. Bertram Meier „eine politisch nicht zu unterschätzende gesellschaftliche Aufgabe“. Zugleich bringen Menschen, die zur Eheberatung kommen, auch existentielle und religiöse Themen zur Sprache: „Fragen des Lebenssinns, nach Schuld und Versöhnung zählen ebenso dazu wie nach Gottesbildern, die für die Selbsteinschätzung und das Handeln relevant sind.“ So biete die Beratung auch einen Raum, um die Bedeutung des Ehesakramentes zu bedenken. Die Beratung könne Wege aufzuzeigen, „wie das Sakrament der Ehe konkret gelebt werden kann in der Spannung zwischen Veränderung und Wachstum, aber auch zwischen Höhepunkten und Abstürzen“. Eine wichtige Frage sei für ihn deshalb, wie mit Brüchen umzugehen ist. „Wie können wir helfen, dass Zerbrechlichkeit und Gebrochenheit in den Beziehungen geheilt werden? Beziehung stiften, Beziehung wiederherstellen, Wunden heilen helfen“, beschrieb Prälat Meier eine für ihn zentrale theologische Grundoption der kirchlichen Beratungstätigkeit.

Wie sich kirchliche Beratungsarbeit im Spannungsfeld zwischen Seelsorge und Psychotherapie bewegt, erläuterte Pfarrer Martin Uhl, Leiter der EFL Memmingen, am Beispiel zweier Beratungsverläufe zu Angst- und Zwangsstörung: „Psychologen und Psychotherapeuten wird in kirchlichen Kreisen immer noch sehr reserviert begegnet. Dabei sind religiöse Menschen genauso von Ängsten, Zwängen und innerer Not betroffen.“ Die Sorge, in ihrem Glauben infrage gestellt zu werden, halte sie jedoch häufig davon ab, sich an entsprechende Fachleute zu wenden. Hier leiste die EFL als psychologischer Fachdienst der Seelsorge eine wichtige Brückenfunktion, bekräftigte Uhl. In der EFL fänden sie eine erste Anlaufstelle und bekämen geeignete Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. „Getreu dem seelsorgerlichen Motto: Aus Worten können Wege werden.“

Den Gesamttätigkeitsbericht 2017 finden Sie auf den Seiten der Psychologischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diözese Augsburg.