Rechtliches

Sedisvakanz: Wichtige Fragen und Antworten

04.07.2019 12:02

Mit der Annahme des Rücktrittsgesuchs durch Papst Franziskus am 4. Juli ist der Bischofsstuhl in Augsburg vakant. Das Augsburger Domkapitel hat am 8. Juli Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier zum Diözesanadministrator gewählt. In einem Grußwort unter dem Titel "Das Miteinander stärken" hat sich der Diözesanadministrator Ende Juli an die Gläubigen im Bistum gewandt. Für die Zeit der Sedisvakanz sind die Gläubigen im Bistum dazu eingeladen, um einen guten neuen Bischof zu beten. Das Verfahren für die Ernennung eines neuen Diözesanbischofs ist genau geregelt. Es wird entsprechend der kirchen- und staatskirchenrechtlichen Vorgaben erfolgen.

Wie bekommt das Bistum Augsburg einen neuen Bischof?

In den allermeisten Bistümern der römisch-katholischen Kirche gilt bei Bischofsernennungen allein die Bestimmung des Codex Iuris Canonici: „Der Papst ernennt die Bischöfe frei oder bestätigt die rechtmäßig Gewählten“ (c. 377 § 1 CIC/1983). Anders sieht es dort aus, wo durch Staatskirchenverträge, sogenannte Konkordate, abweichende Regelungen vereinbart worden sind, wie etwa im Freistaat Bayern. Schon im Jahr 1817 hatten der Heilige Stuhl und das Königreich Bayern ein Konkordat geschlossen, um relevante Materien im Staat-Kirche-Verhältnis zu regeln. Dazu gehörte nach damaligem Verständnis auch die Frage der Bischofsernennungen. Mit dem Ende des Königreichs Bayern war jedoch die Fortgeltung des Konkordats strittig. So kam es schließlich am 29. März 1924 zu einem neuerlichen Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Bayern, in welchem freilich mit erheblichen Veränderungen gegenüber den Bestimmungen des Konkordats aus dem Jahr 1817 auch die Bischofsernennungen eine bis heute gültige Regelung gefunden haben.

Das Bayerische Konkordat von 1924 bestimmt: „In der Ernennung der Erzbischöfe und Bischöfe hat der Hl. Stuhl volle Freiheit. Bei Erledigung eines erzbischöflichen oder bischöflichen Sitzes wird das beteiligte Kapitel dem Hl. Stuhle unmittelbar eine Liste von Kandidaten unterbreiten, die für das bischöfliche Amt würdig und für die Leitung der erledigten Diözese geeignet sind; unter diesen wie auch unter den von den bayerischen Bischöfen und Kapiteln je in ihren entsprechenden Triennallisten Bezeichneten behält sich der Hl. Stuhl freie Auswahl vor. Vor der Publikation der Bulle wird dieser in offiziöser Weise mit der Bayerischen Regierung in Verbindung treten, um sich zu versichern, daß gegen den Kandidaten Erinnerungen politischer Natur nicht obwalten“ (Art. 14 § 1 Bayer. Konkordat vom 29.3.1924).

 

Wer übernimmt im Falle der Sedisvakanz die Leitung des Bistums?

Durch den Tod des Diözesanbischofs, durch den vom Papst angenommenen Amtsverzicht oder durch Versetzung oder Absetzung wird ein Bischöflicher Stuhl vakant. Man spricht auch von Sedisvakanz. Durch Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren war Bischof Dr. Konrad Zdarsa durch das Kirchenrecht gehalten, dem Heiligen Vater seinen Rücktritt vom Amt des Diözesanbischofs des Bistums Augsburg anzubieten (vgl. c. 401 § 1 CIC/1983). Erst mit der Annahme dieses Amtsverzichts durch den Heiligen Vater zu einem konkreten Termin tritt die Sedisvakanz ein.

Um die Leitung des Bistums bis zur Ernennung eines neuen Diözesanbischofs zu gewährleisten, gilt folgende Regelung: Zunächst geht bis zur Wahl eines Diözesanadministrators die Leitung des Bistums auf den (dienstältesten) Weihbischof über. Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger hat daher dafür zu sorgen, dass innerhalb von acht Tagen nach Eintreten der Sedisvakanz vom Konsultorenkollegium des Bistums Augsburg ein Diözesanadministrator gewählt wird. In den Bistümern auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland üben die Aufgaben des Konsultorenkollegiums die jeweiligen Domkapitel aus.

 

Welche Qualifikationen benötigt ein Bischof?

Als Mindestanforderung formuliert der Codex Iuris Canonici folgende Voraussetzungen.

„Hinsichtlich der Eignung der Kandidaten für das Bischofsamt wird gefordert, dass der Betreffende

1° sich auszeichnet durch festen Glauben, gute Sitten, Frömmigkeit, Seeleneifer, Lebensweisheit, Klugheit sowie menschliche Tugenden und die übrigen Eigenschaften besitzt, die ihn für die Wahrnehmung des Amtes, um das es geht, geeignet machen;

2° einen guten Ruf hat;

3° wenigstens fünfunddreißig Jahre alt ist;

4° wenigstens seit fünf Jahren Priester ist;

5° den Doktorgrad oder wenigstens den Grad des Lizentiaten in der Heiligen Schrift, in der Theologie oder im kanonischen Recht an einer vom Apostolischen Stuhl anerkannten Hochschuleinrichtung erworben hat oder wenigstens in diesen Disziplinen wirklich erfahren ist." (c. 378 § 1 CIC/1983)

Freilich finden daneben noch weitere Aspekte Berücksichtigung, insbesondere auch spezifische Anforderungen für das konkrete Bistum und die dort zu bewältigenden Aufgaben. Die umfänglichen Quinquennalberichte, welche jeder Bischof beim ad-limina-Besuch in Rom regelmäßig abzugeben hat, und die Einschätzung des Apostolischen Nuntius bieten der Kongregation für die Bischöfe und dem Heiligen Vater in Rom eine detaillierte Grundlage zur Beurteilung der jeweiligen kirchlichen Verhältnisse vor Ort.

 

Wie wird ein geeigneter Kandidat gefunden?

Es zählt zu den Aufgaben des Apostolischen Nuntius, sich über besonders geeignet erscheinende Kandidaten für den vakanten Bischofsstuhl profund zu informieren. In einem sogenannten Informativprozess werden verschiedenste Personen – Priester und Laien (männlichen und weiblichen Geschlechts) –, welche den Kandidaten näher kennen, schriftlich zu ihm befragt. Diese Befragung ist streng vertraulich. Die Ergebnisse dieser Befragungen werden mit einer eigenen Dreier-Liste des Apostolischen Nuntius an die Kongregation für die Bischöfe weitergeleitet und dort zusammen mit den übrigen eingereichten Listen geprüft.

In einem weiteren Schritt werden insbesondere die Kongregation für den Klerus und die Kongregation für die Glaubenslehre angefragt, ob gegen mögliche Kandidaten Einwände bestehen.

Erst im Anschluss an diese Prüfungsverfahren werden die Ergebnisse der Vollversammlung der Kongregation für die Bischöfe vorgelegt, welche einen Personalvorschlag abstimmt, der dem Heiligen Vater zur Entscheidung vorgelegt wird.

 

Zustimmung des Kandidaten

Gemäß den Bestimmungen des Bayerischen Konkordats wird vor der Ernennung eines geeigneten Kandidaten der Kontakt zur Bayerischen Landesregierung aufgenommen und angefragt, ob sie aus politischen Gründen Einwände gegen die Ernennung des Betreffenden geltend machen will.

Schließlich ist auch der Kandidat selbst zu befragen, ob er bereit ist, das Amt des Diözesanbischofs im Bistum Augsburg zu übernehmen.

Nach erfolgreichem Abschluss dieser letzten Hürde, wird Papst Franziskus die Ernennung des 66. Nachfolgers des Bischofs Ulrich auf dem Augsburger Bischofsstuhl vornehmen. Zeitgleich wird diese Personalentscheidung dann um 12 Uhr in Rom und im Bistum Augsburg bekanntgegeben werden.

 

Wie wird der neue Bischof in sein Amt eingesetzt?

Der neu berufene Diözesanbischof muss „in kanonischer Form von seiner Diözese Besitz ergreifen“ (c. 382 § 2 CIC/1983). Dies geschieht im Rahmen einer Eucharistiefeier zu seiner Amtseinführung, bei welcher der neu berufene Bischof sein päpstliches Ernennungsschreiben dem Augsburger Domkapitel vorlegt. Falls der neu Berufene die Bischofsweihe bereits empfangen hat, hat er diesen Akt innerhalb von zwei Monaten nach Erhalt des Apostolischen Schreibens zu vollziehen. Andernfalls verlängert sich die Frist auf vier Monate, da für die Bischofsweihe weitere Vorbereitungen zu treffen sind (vgl. c. 382 §§ 2-3 CIC/1983).

Erst jetzt endet die Sedisvakanz und das Bistum Augsburg hat wieder einen Diözesanbischof. Besonders sinnfällig wird dies, wenn er dann bei der Messfeier zu seiner Amtseinführung mit Hirtenstab und Mitra ausgestattet auf dem Bischofsstuhl im Hohen Dom zu Augsburg Platz nehmen wird.