Fronleichnam

Seeprozession auf dem Staffelsee

16.06.2022 12:35

Sie gehört sicherlich zu den eindrucksvollsten Fronleichnamsprozessionen hierzulande: Nach dem Pontifikalamt in St. Michael in Seehausen mit Weihbischof Florian Wörner und Pfarrer Thomas Renftle konnte die Pfarrei erstmals seit drei Jahren wieder ihre traditionelle Seeprozession auf dem Staffelsee abhalten - durch ein nahendes Unwetter allerdings verkürzt.

Prozessionsschiff mit Weihbischof Wörner und der Monstranz (Foto: José López)

Musikalisch-festlich umrahmt von Kirchenchor und Blaskapelle Seehausen begaben sich die Zelebranten und die Gläubigen im Anschluss an die Heilige Messe mit dem Allerheiligsten in der Monstranz zur Prozession durch Seehausen zum ersten Altar im Dorf. Dann ging es auf dem Staffelsee mit dem festlich geschmückten Prozessionsschiff und den anderen Mitbetern verteilt auf Ruderboote und dem großen motorisierten Fahrgastschiff „Staffelsee“ zum zweiten Altar an der „Jakobs-Insel“.

Angekommen an der Insel Wörth, dem christlichen Ursprung der Staffelseeregion mit einem Benediktiner-Kloster zur Zeit des Heiligen Bonifatius um 750, entschieden die Verantwortlichen angesichts herannahender Gewitterwolken, die Boote nicht wie geplant zu verlassen, um zum dritten Altar auf der Inselkirche St. Simpert zu pilgern. Stattdessen wurde die Prozession zügig zurück zum Festland geführt. Noch vor dem eigentlichen Wolkenbruch konnten alle Beteiligten wohlbehalten nach St. Michael zurückkehren und die Feier dort fortsetzen.

In seiner Predigt beschäftigte sich Weihbischof Florian mit der zuvor angeklungenen Frage eines Beteiligten: „Wozu der ganze Aufwand? Wozu all die Arbeit, um diese aufwändige Prozession abhalten zu können?". Der Weihbischof betonte, den ganzen Aufwand nur allein deswegen zu betreiben, um Ihm, unserem großen Gott, alle nur denkbare Ehre zu erweisen, Ihm für seine Liebe und Barmherzigkeit zu danken, um ein klein wenig von dem zurückzugeben, was Er uns in Anbetracht seiner Unendlichkeit geschenkt habe. „Wir glauben an einen Gott, der die Liebe ist, und das ist eine Botschaft, die die Welt braucht, dringender denn je“, so Wörner.

Mit dem feierlichen eucharistischen Segen zum Schluss war klar, dass die Seeprozession 2022 jedem Gläubigen eindrücklich in Erinnerung bleiben wird, allein weil alle wohlbehalten im Gotteshaus Schutz und Segen für ihr Leben erfahren durften.

Die Insel Wörth wurde bereits von den Kelten als Kultstätte genutzt. Römische Soldaten brachten vermutlich den Glauben an Jesus Christus in die Region. Schon im 7. Jahrhundert wurde dort eine Steinkirche errichtet. Zur Zeit des Heiligen Bonifatius (um 750), der oft hier weilte, sollen 25 Benediktinermönche in einer Klosteranlage auf der Insel gelebt haben. Dort wurde das berühmte „Wessobrunner Gebet“ geschrieben. Etwa 800 Jahre lang bestand die Pfarrkirche auf der Insel Wörth, die über einen Holzsteg von der Halbinsel Burg über die St. Jakobs-Insel zum Gotteshaus führte. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche aufs Festland verlegt. Seit 1935 hält die Pfarrei die Erinnerung an ihren christlichen Ursprung auf der Insel Wörth mit der Seeprozession wach.

Text: Susanne Baronky