Ständiger Diakonat

11.10.2014 15:00

Augsburg (pba). Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat heute Vormittag durch Handauflegung und Gebet fünf verheiratete Männer im Hohen Dom zu Augsburg zu Diakonen geweiht. Franz-Xaver Bauer aus Vilgertshofen-Stadl, Andreas Martin aus Balderschwang, Anton Seemüller aus Gessertshausen-Deubach, Georg Seidenspinner aus Reichling und Albert Vögele aus Hurlach erklärten sich gegenüber Bischof Konrad bereit, ihr ganzes Leben an Jesus Christus auszurichten, besonders im Dienst an den Notleidenden und Kranken.

Bischof Konrad mit den fünf neuen Diakonen (v.l.) Albert Vögele, Franz-Xaver Bauer, Georg Seidenspinner, Andreas Martin und Anton Seemüller. (Fotos: pba/Nicolas Schnall)

In seiner Predigte erinnerte der Bischof daran, dass der „Dienst als Diakon alles andere als ein rein innerkirchlicher Dienst“ sei. Denn schon Jesus habe seine Jünger gesandt, das Evangelium dort zu verkünden, wo es noch nicht angekommen oder in Vergessenheit geraten ist, so der Bischof.

„In Ihnen müssen die Menschen wahre Jünger Christi erkennen, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen“, schrieb Bischof Konrad den fünf neuen Diakonen ins Stammbuch. „Sie versehen den Dienst helfender Liebe.“

Als geweihte Diener Gottes gelte es für die neuen Diakone „im Dienst des Wortes, des Altares und der Liebe für alle da zu sein“. Sie spenden in Zukunft unter anderem die Taufe, assistieren der Eheschließung und segnen sie und überbringen den Sterbenden die Sterbesakramente. Jeder Einzelne müsse danach streben, in persona Christi zu leben und Zeugnis zu geben, um dadurch mit allen Gläubigen gemeinsam die Erfahrung zu machen, wie schön es ist, dem Herrn zu dienen, betonte der Bischof.

Am Weihegottesdienst nahm neben zahlreichen Domkapitularen, Priestern, Diakonen sowie Verwandten und Freunden der Neugeweihten auch der emeritierte Bischof von Feldkirch (Vorarlberg), Elmar Fischer, teil. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Kirchenchor St. Martin aus Waltenhofen, Alphornbläsern aus Balderschwang und von Peter Bader, dem Kirchenmusiker der Ulrichsbasilika.

Kurzporträts zu den neuen Diakonen:

Franz-Xaver Bauer (55) aus der Pfarrei St. Johannes Baptist, Vilgertshofen-Stadl,

ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als Elektroinstallateur bei einem Stromerzeuger setzt er sich neben der Technik als Betriebsrat auch für seine Kollegen ein. Als aktiver Feuerwehrmann habe er häufig „die Erfahrung gemacht, wie der Glaube gerade in schwierigen Lebenssituationen neu Hoffnung und Hilfe geben kann“. Viele Gespräche mit verschiedenen Menschen bestärkten ihn darin, den Weg zur Diakonenweihe zu gehen. Seine Zweifel an dieser Berufung zerstreuten sich während einer dreitägigen Wanderung bei Gebet und Meditation. Geblieben sei die Zusage Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Mit der Aufnahme in den Diakonatskreis begann für ihn ein neuer Weg mit vielfältigen Erfahrungen und Menschen. „Diese ermutigen mich die Frohe Botschaft Christi zu verkünden, zum einen in der Liturgie, zum andern durch mein Leben im Alltag, bei den Mitmenschen mit ihren Nöten und Freuden“, so Bauer.

Andreas Martin (35) aus der Pfarrei St. Anton, Balderschwang, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Vor seiner Zeit im Allgäu war er als hauptberuflicher Kirchenmusiker fast zehn Jahre in einer Pfarreiengemeinschaft im Rheinland tätig. Durch seine Arbeit reifte in ihm der Wunsch, sich ganz in den Auftrag des Herrn zu stellen. „Immer wieder brachte mich Gott vor Situationen und Aufgaben und schickte mir Menschen, die mir den geplanten und eingeschlagenen Weg stets neu aufzeigten und mich letztendlich näher zu ihm führten“, blickt Martin auf seinen Berufungsweg zurück. So machte er die ersten Ausbildungsschritte noch in der Diözese Trier, ehe er seinen Weg in der Diözese Augsburg fortsetzte. „Dienet dem Herrn mit Freuden“, heißt es in Psalm 100. Ein Psalmwort, das ihn schon seit langem in besonderer Weise angesprochen habe. Als künftiger Diakon setze er deshalb sein ganzes Vertrauen darauf, dass ihn Gott durch das Weihesakrament in besonderer Weise in Dienst nimmt.

Anton Seemüller (53) aus der Pfarrei St. Martinus, Willishausen, ist verheiratet und hat drei Kinder.Entgegen allen geäußerten Vermutungen ereilte mich der Ruf Gottes nicht plötzlich beim Geldzählen“, betonte der gelernte Bankkaufmann. Bereits als Jugendlicher habe er sich bei der Wasserwacht und später auch beim Bayerischen Roten Kreuz und dem Katastrophenschutz dafür eingesetzt, um Menschen in Not zu helfen. „Bei Einsätzen spürte ich immer wieder, dass mir die Grundlagen für eine dringend nötige seelische Betreuung der Opfer fehlten“, beschreibt er einen wichtigen Impuls für seine Entscheidung, Diakon zu werden. Nach einigen beruflich bedingten Ortswechseln zog es ihn schließlich nach Deubach, das zur Pfarrei St. Martinus gehört. Durch die Taufen und Erstkommunionvorbereitung der Kinder wuchsen er und seine Frau in die Gemeinde hinein. Durch seine Tätigkeiten als Pfarrgemeinderat, Lektor und Wortgotteshelfer entstand so in ihm der starke Wunsch, sich intensiver mit dem Glauben zu beschäftigen.

Georg Seidenspinner (49) aus der Pfarrei St. Nikolaus, Reichling, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Die Fragen nach Gott, Glauben und Kirche wurden bei ihm mit der Zeit immer lauter, so dass der Flugkapitän sich auf die Suche nach Antworten machte. „Es ist vielleicht auch der besondere Blick auf die Schöpfung, der mich Gott näher brachte und den ich letztlich auch meinem Beruf verdanke“, beschreibt er. Im Cockpit spüre er die Nähe Gottes besonders als eine Kraft, die alles von Menschen gemachte bei weitem übersteigt. Aber er sei sich auch der Verantwortung bewusst, in seinem Leben einen Beitrag zu leisten, dass auch kommende Generationen derartiges erleben können. Sein besonderer Wunsch ist es, die Frohe Botschaft auch dorthin zu bringen, wo sie in unserer lauten und schnelllebigen Welt, kaum noch gehört wird. Dazu sei er bereit, „sich von Gott als sein Werkzeug in den Dienst nehmen zu lassen, und mit seiner Hilfe die Freude des Evangeliums weiterzugeben“, so Seidenspinner.

Albert Vögele (52) aus der Pfarrei St. Laurentius, Hurlach, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Aufgewachsen in der Landwirtschaft war es für ihn schon stets eine Selbstverständlichkeit, mitanzupacken und mitzuhelfen, egal wo, wann und was zu tun war. Schon früh fand er neben seiner Familie in der Kirche eine zweite Heimat, speziell im Dienst als Ministrant. Nach seiner Schreinerlehre, den Gesellenjahren und bestandener Meisterprüfung war es für ihn immer sehr wichtig, sich weiterzubilden, um Verantwortung und Leitungsaufgaben für die Mitarbeiter und den Betrieb zu übernehmen. „Dienst und Verantwortung prägen meinen Umgang mit den Menschen in der Gemeinde, in den Gremien, in den Verbänden und in meinem Beruf als Hausmeister einer Schule“, schildert er sein gesellschaftliches und berufliches Engagement. Große Freude und Zufriedenheit bereite ihm auch das Gerufen werden und das Gerufen sein durch Gott und die Menschen. Denn es sei schön, „ich helfe Dir gerne“, als Antwort geben zu können.

Berufsbild „Ständiger Diakon“

Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat entschieden, den Ständigen Diakonat, der in der frühen Kirche eine wesentliche Rolle erfüllte, wieder einzuführen. Als Geistlicher kann der Diakon seinen Dienst im Auftrag des Bischofs zusätzlich zu seinem Beruf oder hauptberuflich ausüben.

In der Regel sind Diakone in der Pfarrgemeinde oder Pfarreiengemeinschaft eingesetzt, sie können aber auch im überpfarrlichen oder kategorialen Bereich tätig werden.

In der Diözese Augsburg gab es im vergangenen Jahr (2013) 72 Diakone mit Zivilberuf, 53 hauptberufliche Diakone und 36 Diakone im Ruhestand.