Diözesanmuseum

Sonderausstellung „1521“ eröffnet

27.08.2021 12:08

Augsburg (pba). 1914, 1933, 1945 oder 1989 – diese Jahreszahlen sind uns allen als besonders geschichtsträchtige Jahre geläufig. Das Diözesanmuseum St. Afra nimmt nun ein solches „Wendejahr“ aus der frühen Neuzeit in den Blick: „1521“ ist der Titel der Sonderausstellung, die vom 28. August bis zum 28. November gezeigt wird.

Flaschenschiff mit dem Modell einer spätmittelalterlichen flämischen Karacke (um 1980). Der Weltumsegler Ferdinand Magellan ist mit einem ähnlichen Schiff gefahren (Foto: Michael Röber)

Das Jahr 1521 war nicht nur für die Stadt Augsburg, in der Jakob Fugger unter anderem die Sozialsiedlung „Fuggerei“ stiftete, bedeutsam: Magellans Weltumsegelung durch alle drei Weltmeere, die spanische Eroberung des Aztekenreiches, Luthers Exkommunikation, seine Bibel-Übersetzung ins Deutsche und die osmanische Eroberung Belgrads waren andere Ereignisse, die bis heute nachwirken und den Gang der globalen Geschichte anhaltend prägten.

Aus diesem Anlass weitet das Diözesanmuseum St. Afra in seiner Jubiläumsausstellung den Blick auf den weltgeschichtlichen Kontext in jenem denkwürdigen Stiftungsjahr, in dem Jakob Fugger neben der Fuggerei auch die Grablege für seine Brüder und sich selbst im Chor der ehemaligen Karmelitenkirche St. Anna und die Predigerstelle in seiner Pfarrkirche St. Moritz stiftete. Denn die großen Augsburger Handelsfamilien der Fugger und Welser waren Global Player mit erheblichem Einfluss auf die wirtschaftlichen, politischen, religiösen und kulturellen Vorgänge ihrer Zeit.

Museumsleiterin Melanie Thierbach führt durch die Ausstellung. Im Hintergrund die Nachbildung eines Federschmucks, wie er wohl von aztekischen Priestern getragen wurde (Foto: Julian Schmidt / pba)

Die Ausstellung bietet Einblicke in diverse Seefahrten und ihre Handelsgüter, in den Kulturaustausch mit Azteken und Osmanen sowie in die Ideenwelt Martin Luthers. Navigationsinstrumente und Gewürze, Papageien und Federbilder, Flugschriften und Waffen sind einige der Exponate, durch die diese globalen Verflechtungen in vielfältiger Weise anschaulich werden.

Die globalen Verflechtungen mit der freien Reichsstadt Augsburg waren dabei mannigfach und vielschichtig. Die Ausstellung zeigt auch die Voraussetzungen, die das Hauptereignis vorbereiteten, und stellt ferner dessen Nachwirkungen dar. So gab es zum Beispiel bereits vor Magellans Weltumsegelung Seefahrten nach Asien mit dem Ziel, die in Europa begehrten Gewürze zu erwerben. Italienische, Nürnberger und Augsburger Handelshäuser hatten bereits 1505/06 eine Expedition unter der portugiesischen Krone nach Indien finanziert, wo sie eigenen Handel treiben durften.

Diese spätmittelalterliche Kasel soll Martin Luther angeblich bei seiner Romreise 1511 getragen haben (Foto: Julian Schmidt / pba)

Martin Luther war bereits 1518 nach Augsburg vorgeladen worden, wo er beim Reichstag vor dem päpstlichen Legaten Cajetan seine Lehren widerrufen sollte. Es waren nicht zuletzt die zahlreichen Buchdrucker in der Reichsstadt, die zu der schnellen Ausbreitung seiner Thesen und Lehren beitrugen.

„1521“ ist für Bischof Dr. Bertram Meier eine „großartige“ Ausstellung: „Die Ausstellung bietet die Gelegenheit, einzutauchen in jene Epoche um das Jahr 1521 herum. Die damaligen Ereignisse schlossen uns Kenntnisse über fremde Kulturen und Kontinente auf, sie provozierten neue religiöse Standortbestimmungen, schließlich standen sie an der Wiege der Neuzeit, unserer Jetzt-Zeit.“

Das Diözesanmuseum St. Afra setzt neben den eindrucksvollen Exponaten verstärkt auf digitale Formate in Form eines interaktiven Multi-Touch-Tisches, der von der Langner’schen Stiftung gefördert wurde. Hier können Besucherinnen und Besucher interaktiv auf den Spuren Magellans um die Welt segeln.

Der Fuggersche Stiftungs-Administrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt bedient den Multi-Touch-Tisch im Diözesanmuseum (Foto: Julian Schmidt / pba)

Darüber hinaus wird zum ersten Mal ein 3D-Objekt in der Ausstellung gezeigt. In Kooperation mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena entstand ein hochauflösendes dreidimensionales Digitalisat vom Erdglobus des Johannes Schöner aus dem Jahr 1515, den das Publikum digital drehen und von allen Seiten ansehen kann.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint ein bebilderter Katalog, der im Museumsshop und online erhältlich ist.

Führungen

Es werden begleitend Führungen durch die Sonderausstellung angeboten. Aufgrund der aktuellen Situation bittet das Museum um vorherige Anmeldung telefonisch unter 0821 3166 8831 oder per Mail an museum.st.afra@bistum-augsburg.de. Es gelten die aktuellen Bestimmungen zum Infektionsschutz.

Öffnungszeiten

Dienstag - Samstag 10.00-17.00 Uhr
Sonntag und Feiertage 12.00-18.00 Uhr

Alle Informationen rund um die Sonderausstellung gibt es auf den Seiten des Diözesanmuseums unter www.museum-st-afra.de.