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Kirche und Musik

„Spielt zum Ruhm seines Namens!“

In keiner anderen Region in Deutschland finden sich so viele Blasmusikkapellen wie in Bayerisch-Schwaben. Entscheidenden Anteil daran hat der Allgäu-Schwäbische Musikbund, der seit 100 Jahren diese besondere Musikform fördert. Anlässlich des Jubiläums des Dachverbands feierte Bischof Bertram einen Pontifikalgottesdienst in Ottobeuren – und sah in der Musik die unmittelbarste Berührung zwischen Gott und der Seele.

"Spielt zum Ruhm seines Namens": Pontifikalgottesdienst zum Jubiläum des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds in Ottobeuren (Fotos: Julian Schmidt / pba)

In seiner gemäß musikalischer Tradition mit Allegra, Andante und Vivace eingeteilten Predigt sah der Bischof im Eröffnungsvers des dritten Sonntags in der Osterzeit eine passende Überschrift für den Festtag: „Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde! Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis! Halleluja.“ Dabei sei dieses aus den Psalmen stammende Jubellied Gottes in seiner christlichen Tonart zunächst auf taube Ohren gestoßen: „In der damaligen Zeit war das durchaus lebensgefährlich. Petrus aber konnte nicht anders, weil er vom Geist Gottes ergriffen war und eine solche Freude in sich verspürte, da Jesus wahrhaftig den Tod bezwungen hatte und ihm schon mehrere Male leibhaftig erschienen war.“

Diese Begeisterung der frühen Christenheit sei auch etwas, dass Blasmusik und Kirche bis heute eine: Beide lebten von Menschen, die begeistert sind. So wäre es auch für die Kirche ein arger Verlust, wenn sie die frohe Botschaft ohne musikalische Begleitung verkünden müsste: „Schon in der Bibel finden wir etliche Stellen, in denen ausdrücklich zum Singen und Spielen aufgerufen wird. Denken wir beispielsweise an den Psalm 150, der gerade jetzt in der Osterzeit oft gelesen wird, und in dem es heißt: „Lobt Gott mit dem Schall des Widderhorns, lobt ihn mit Harfe und Leier! Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte! Lobt ihn mit tönenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln!“ (Ps 150) Das klingt doch wie eine Aufzählung der verschiedenen Instrumentengruppen eines Orchesters. Alle zusammen sollen sie zur Ehre Gottes spielen!“

Bischof Bertram entzündete im Gottesdienst auch eine Jubiläumskerze des Musikbunds

Umgekehrt sei aber auch die Blasmusik in Bayerisch-Schwaben eng mit dem kirchlichen Festkalender und Brauchtum verbunden, ja mehr noch: Ein erheblicher Teil der musikalischen Literatur ließe sich auf Menschen zurückführen, die aus ihrem christlichen Glauben heraus ihre Werke komponierten: „Kirche und Blasmusik haben demnach eine Gemeinsamkeit, insofern beide einer inneren Freude entspringen, die sie auf ihre je eigene Weise weitertragen möchten.“ Diese Freude gelte es indes nicht zu verlieren – weder in der Kirche trotz aller Widrigkeiten in Geschichte und Gegenwart noch in den Blaskapellen. Vor allem aber bräuchte es bei Beiden auch Beständigkeit, sei es nun im Gebet oder im Probenbesuch.

Der Lohn für diese Mühen sei etwa die Ergriffenheit, die viele Musiker bisweilen beim Spielen bereits gespürt haben dürften: „Das mag uns eine leise Ahnung davon geben, wie schön es erst bei Gott sein wird, der uns aber auch in diesem Leben bereits unsichtbar umgibt. Etwas poetischer formulierte es die Schriftstellerin Bettina von Arnim: ‚Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist die Musik.‘“ Den Herrn durch die Musik ehren, könne soweit auch ein bewusster Akt sein: Spielend beten oder betend spielen sei nicht nur möglich, sondern erfüllend in und mit der Hoffnung: „Möge SEINE Freude in uns bleiben und zum Grundton unseres Lebens werden!“

Zum musikalischen Programm nach dem Gottesdienst gehörten auch dutzende Alphornbläser vor der Basilika.

Im Anschluss an den Festgottesdienst in der Basilika, der von der Blasmusikgesellschaft Ottobeuren e.V. sowie der Alphorngrube des Musikbunds musikalisch gestaltet wurde, fand vor der Kirche bei anfänglich noch strahlendem Wetter noch ein Konzert eines großen Gemeinschaftschors mit Musikerinnen und Musikern aus dem gesamten Verbandsgebiet statt. Der Gottesdienst war damit der Auftakt zu einer mehrmonatigen Veranstaltungsreihe zum Festjahr; ein weiterer Festgottesdienst wird dabei am 27. September um 11 Uhr vor dem Festspielhaus Füssen gefeiert.

Der Allgäu-Schwäbische Musikbund wurde 1926 als Zusammenschluss mehrerer Allgäuer Blasmusikgruppen gegründet und erweiterte sich 1950 nach Norden zu seinem heutigen Verbandsgebiet, das den gesamten Regierungsbezirk Schwaben umfasst. Der Musikbund zählt heute fast 40.000 aktive und 48.000 Fördermitglieder und gehört damit zu den größten und bedeutendsten Verbänden in der Region überhaupt. Zu seinen Aufgaben gehört neben der Förderung, Unterstützung und Koordinierung der Blasmusik auch die Ausrichtung von Wertungsspielen und Musikwettbewerben in der Region.

Der Präsident des Musikbunds Franz Josef Pschierer in der Basilika.
Musik und Tracht sind oft aufs engste verbunden.
Der Gottesdienst wurde von der Blasmusikgesellschaft Ottobeuren musikalisch gestaltet.