Porträtreihe: "Unsere Dekane"

Thomas Renftle: Der Förster im Wald Gottes

20.09.2019 11:00

(Weiler-Simmerberg) Beinahe wäre Thomas Renftle tatsächlich Förster geworden. Als er sich dazu entschloss, ins Priesterseminar einzutreten, war er bereits an der Hochschule Weihenstephan für das Forstwissenschaftsstudium eingeschrieben. Eine „Nacht und Nebel-Aktion“, wie der Lindauer Dekan sein Berufungserlebnis umschreibt, stellte schließlich die Weichen hin zum Priesterberuf.

Dekan Thomas Renftle. (Foto: Simone Zwikirsch / pba)

Ganz auf seinen „Wald“ verzichten muss Dekan Renftle in seiner Pfarrei in Weiler-Simmerberg nicht. Verlässt er das fast 300 Jahre alte Pfarrhaus durch die Glastür in seinem Büro, steht er schon mitten drin in seinem „Naherholungsgebiet“, dem weitläufigen Pfarrgarten. „Wenn ich mich entspannen will, kommt dann auch mal sowas dabei raus“, sagt der 45-Jährige und zeigt auf einen Stapel Reisigbündel, der ordentlich neben dem alten Holzschuppen aufgetürmt ist. „Ich bin einfach ein Landtyp, der solche Arbeiten gerne macht. Dabei tanke ich Kraft“, fügt er hinzu.

Obwohl das Dekanat Lindau mit elf Pfarreiengemeinschaften und Pfarreien vergleichsweise klein ist, bleibt Renftle bei seinen vielen Terminen als Dekan wenig freie Zeit, um seinem Garten die Pflege zu schenken, die er bräuchte. Umso mehr pflegt er dafür den Kontakt und die Gemeinschaft mit allen zehn leitenden Pfarrern in seinem Dekanat. „Was mich dabei als Dekan sehr bewegt, ist die apostolische Gemeinschaft, also das Presbyterium“, betont er. „Darum ist es mir ein großes Anliegen, dass die Priester sich untereinander als eine von Jesus gesendete Gemeinschaft verstehen.“ Die monatliche Dekanatskonferenz sei deshalb ein starker Motor für das geistliche Leben im Dekanat und zugleich eine willkommene Möglichkeit, sich auf den Ursprung der eigenen Berufung zurückzubesinnen: „Jesus hat ja auch nicht zwölf Apostel zusammengerufen, um ständig mit jedem Einzelgespräche zu führen.“  Er habe sie deshalb versammelt, um sie zu ermutigen, in Gemeinschaft mit ihren Glaubensfragen zu ringen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. „Nur, wenn wir diesen Auftrag Jesu wieder bewusst leben, können die Zukunftsfragen der Kirche gelöst werden“, ist sich Dekan Renftle sicher.

Von der Zukunft in die Vergangenheit. Thomas Renftle ist in Mussenhausen im Unterallgäu geboren und im schwäbischen Thannhausen aufgewachsen. Dort habe es der damalige Gemeindereferent Gerhard Rummel geschafft, ihn für Kirche und vor allem für die Liturgie zu faszinieren. Immer wieder liebäugelte Renftle mit dem Priesterberuf, informierte sich im Augsburger Priesterseminar, aber so richtig dafür entscheiden konnte er sich lange nicht. Bis eines Abends, es lief gerade „Wetten, dass?“ im Fernsehen, das Telefon läutete. Am anderen Ende der Leitung saß der Regens des Priesterseminars und fragte den jungen Renftle, ob er Interesse daran hätte, auf Probe ein paar Tage dort mit zu leben. „Dieser Anruf hat mich damals berührt“, erinnert sich der Dekan an diese Nacht- und Nebelaktion, die seinen Weg als Priester vorzeichnete.

2001 wurde Thomas Renftle von Bischof Viktor Josef Dammertz zum Priester geweiht. Darauf folgten Kaplanstellen in Schrobenhausen und Oberstdorf. Seine erste eigene Pfarrei, die er leitete, war Huglfing. Nach einer weiteren Station in Kaufbeuren führte Renftles Weg 2014 ins Westallgäu in die Pfarreiengemeinschaft Weiler. Ein Jahr später wurde er zum Dekan des Dekanats Lindau ernannt. An den Menschen hier in seinem Dekanat schätzt er vor allem den „starken Willen und die Bereitschaft, Gott Gott sein zu lassen“. Mit dieser Kombination seien sie für ihn ein Motor, der ihn immer wieder antreibe. „Leute, die gerne glauben wollen und Gott ernst nehmen, das macht mir Freude“, sagt er. Die Menschen hier im Westallgäu passen zum geistlichen Anliegen des Dekans, die Herrschaft Gottes in der Kirche wieder aufleben zu lassen. „Wir haben uns Gott oft genug so zurechtgeschustert, wie es uns passt. Oft genug muss er so funktionieren wie wir es wollen“,  beklagt er den vorherrschenden Zeitgeist. „Wir müssen wieder mehr auf Gott horchen, was ER will. Denn er wird seinen Willen nie gegen uns einsetzen“, ist sich Renftle sicher. Weil viele Menschen das hier ähnlich sehen, fühlt er sich wohl bei ihnen im Dekanat Lindau. Trotzdem zieht es ihn hin und wieder ganz alleine in die Ferne. Wohin? Natürlich in den Wald, in den Bayerischen Wald, wo er besonders die Reizarmut ohne Sehenswürdigkeiten und andere Ablenkung liebt. „Stundenlanges Radeln im Wald, das hat was“.

Text: Simone Zwikirsch
September 2019

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