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Ulrichswoche

Ulrich geht auf Reisen nach Nördlingen: „Heute ist ein Tag der Gnade“

(Foto: Nicolas Schnall / pba)
(Foto: Nicolas Schnall / pba)
05.07.2018

Augsburg/Nördlingen (pba). Kurz vor 10 Uhr. Es war ruhig in der historischen Altstadt Nördlingens, ein gewöhnlicher Donnerstagvormittag. Doch ein Blick in die bis auf den letzten Platz gefüllte Salvatorkirche legte etwas anderes nahe: Für die Gläubigen aus den Pfarreiengemeinschaften im Ries war es ein außergewöhnlicher Tag. Für Stadtpfarrer Benjamin Beck war es heute sogar „ein Tag der Gnade“, wie er bei der Begrüßung von Bischof Dr. Konrad Zdarsa und der Gläubigen vor dem Portal der Stadtpfarrkirche mehrfach wiederholte: „Weil der Schrein unseres Bistumspatrons erstmalig nach Jahrhunderten nach Nördlingen gekommen ist“, „weil sich so viele Menschen für den Wallfahrtstag stark gemacht haben“ und „weil sich so viele Pilger und Wallfahrtsgruppen auf den Weg gemacht haben“.

Gemeinsam mit Bischof Konrad, Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier, Dekan Jürgen Eichler, einer großen Ministrantenschar und mit dem Ulrichsschrein in ihrer Mitte feierten sie zu Beginn des Wallfahrtstages ein feierliches Pontifikalamt. Der Schrein wurde beim Einzug in die Kirche von Mitgliedern des Trachtenvereins aus Oettingen vor den Altar getragen, wo er bis zur abschließenden Vesper zur Verehrung stehen blieb. Tagsüber war für die Wallfahrer aus dem Ries einiges geboten: Zeiten für Gebet und Stille; durch die Pfarreiengemeinschaften Oettingen, Nördlingen, Wallerstein und Fremdingen gestaltete Gebetsimpulse; ein Krankensegnungsgottesdienst sowie ein Gottesdienst für Kindergartenkinder und Grundschüler, bei dem die Kleinen dem Heiligen ganz nah kommen konnten.

Noch auf dem Kirchvorplatz äußerte Bischof Konrad den Wunsch, dass dieser Wallfahrtstag dazu diene, „in eine tiefere Beziehung mit Christus zu führen“. Denn die Heiligen seien es, die unseren Blick auf den Himmel lenkten. Als geeignetes Beispiel stellte er in seiner Predigt den Wallfahrern das Leben des Bistumspatrons vor Augen, der nun schon im vierten Jahr in Folge im Rahmen der Ulrichswoche die Stadt Augsburg verließ: „Die Übertragung seiner Reliquien an seine ehemaligen Wirkungsstätten Ottobeuren, Benediktbeuern, Kempten und Nördlingen soll möglichst vielen Gläubigen in unserem Bistum dazu dienen, im Nachdenken über sein Vorbild auf die Fürsprache des Heiligen Jesus Christus zu begegnen.“ Zugleich gelte es unserem Herrn Dank zu sagen für das Gute, das er mit dem Wirken des Heiligen an unseren Vorfahren im Glauben und unserem Bistum getan hat, so Bischof Konrad.

Um eine Erneuerung der Kirche und des Glaubens durch Christus ging es Prälat Dr. Bertram Meier in der abschließenden Vesper. „Alles auf Christus gründen, alles auf ihn ausrichten“, rief er den Gläubigen zu. Für ihn sei die jetzige Zeit der Kirche auch weniger eine Krise als vielmehr eine Chance. Dabei nahm er ganz besonders die vielen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in den Blick, die für sich entdeckt haben, was ihre Mission ist. „Ohne Laien könnten wir Priester einpacken. Laien sind weder Dilettanten noch Lückenbüßer, wenn die Pfarrer fehlen. Laien haben eine eigene Berufung.“ Mit dem Dank an alle, die sich für das kirchliche Leben einsetzen, verband Prälat Meier eine Bitte: „Stellen Sie ihre Kompassnadel auf Jesus Christus. Gründen Sie Ihre Spiritualität auf ihn.“ Eine Spiritualität, die nur dann fruchtbar werde, wenn sie in Gemeinschaft praktiziert werde. „Es braucht Kooperation statt Konkurrenz, Zusammenhalt statt Eigeninteresse.“    

Ein letzter Beweis für Stadtpfarrer Beck, dass heute wirklich ein Tag der Gnade war: Verabschiedet wurde der Ulrichsschrein nach der Vesper durch die Nördlinger Knabenkapelle, die weit über die mittelalterlichen Stadtmauern hinaus bekannten Botschafter der Stadt. Sie wurden von Seiten der Stadtvertreter eigens für diesen festlichen Anlass entsandt.