Priesterweihe

Bischof Bertram weiht vier Diakone zu Priestern und „Mitarbeitern der Liebe“

27.06.2021 18:15

Augsburg (pba). Vier neue Priester für das Bistum Augsburg: Bischof Dr. Bertram Meier hat an diesem Sonntag Jürgen Massinger (Ronsberg), Stefan Hermann Riedel (Kempten), Michael Hans Schmid (Feldhausen) und Roland Weber (Türkheim) in einem feierlichen Pontifikalgottesdienst im Augsburger Dom die Priesterweihe gespendet. Zudem machte sich Bischof Bertram stark für eine geschwisterliche Kirche und ermutigte in seiner Predigt die Neupriester, Frauen noch mehr einzubinden.

Die vier neuen Priester spenden den ersten feierlichen Segen. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Ausgehend vom Evangelium von der Heilung der an Blutungen leidenden Frau durch Jesus ermutigte der Bischof die Weihekandidaten, ihre Augen nicht vor dem Leid dieser Zeit zu verschließen: Verblutende und ausgeblutete Menschen gebe es auch heute. Die Pandemie lasse nicht nur körperliche, sondern auch seelische Leiden zurück. Deshalb seine Bitte: „Feiern Sie mit Freude Ihre Primiz, spenden Sie als Neupriester den Segen, auf den viele Gläubige warten; aber lassen Sie es dabei nicht bewenden! Ich weihe Sie nicht zu Funktionären und Altardienern, sondern zu ‚cooperatores caritatis‛ zu ‚Mitarbeitern der Liebe‛ Gottes.“

Diese Liebe habe die ganze Person im Blick. Denn so wie Jesus nicht nur von Blutungen heile, durchbreche er Tabus, Vorurteile und Diskriminierungen. Jesus nehme die Frau ernst, so der Bischof. „Ich wünsche mir von Ihnen, liebe Brüder, dass Sie als Priester eine geschwisterliche Kirche fördern und selbst mit gutem Beispiel vorangehen.“ Sie mögen zuallererst Bruder und Mensch bleiben – nicht nur in der Familie, sondern in der Gemeinschaft der Kirche, in der Gemeinde, in der Sie leben und arbeiten werden. „Bringen Sie fähige Frauen ins Spiel! Lassen Sie sich von ihnen beraten! Nehmen Sie ihre Meinung ernst! Es wird Sie weiterbringen.“

Bischof Bertram weiter: „Macht ernst mit der kooperativen Pastoral! Die pastoralen Berufsgruppen kennen kein Oben und Unten. Sie ziehen an einem Strang – auf Augenhöhe.“ Gleichzeitig sensibilisierte er dafür, die gesunde Balance zu halten zwischen Nähe und Distanz. „Seid achtsam, damit Ihr keine Grenze überschreitet. Bindet Frauen ein, nicht nur als Assistentinnen, sondern als Schwestern, partnerschaftlich, ebenbürtig, beratend, korrigierend, inspirierend.“ Dies schmälere nicht die priesterliche Autorität, es vertiefe und stärke sie. „Wir werden nicht schwächer, im Gegenteil: Wir werden geistlich stärker.“

Beispielhaft stellte er den Weihekandidaten in diesem Zusammenhang die heilige Kirchenlehrerin Katharina von Siena mit ihrem Kirchenbild und Eucharistieverständnis sowie ihre Kirchenkritik vor Augen. Das Blut, ohne dass es keine Erlösung gebe, sei dabei der rote Faden. Es stehe „nicht nur für das Opfer, sondern auch und vor allem für das Leben.“ Katharina sei kein mittelalterliches Vorbild moderner Feministinnen gewesen. Aber mit der sanften Gewalt einer Frau und mit ihrer anschaulichen Sprache, die nicht nur direkt, sondern auch charmant sein konnte, habe sie Anstöße gegeben, um die Theologie aus den Fesseln rein maskuliner Begrifflichkeiten zu lösen. Von Katharina könnten wir schließlich auch lernen, was Kritik an der Kirche heißt, so Bischof Bertram. Sie ermutige uns, unsere Liebe zur Kirche immer mehr zu vertiefen und auf das Wesentliche hin freizulegen. Ihrer liebenden Leidenschaft für das Wohl der Kirche sei es zu verdanken gewesen, dass Katharina gehört wurde.

Für die Zeit nach den priesterlichen „Flitterwochen“ hatte der Bischof auch noch einen Tipp hinsichtlich möglicher Kritik an der eigenen Person parat: „Nehmen Sie auch solche Worte an, die den Ohren nicht schmeicheln. Blocken Sie nicht ab! Lassen Sie sich nicht entmutigen! Aus eigener Erfahrung weiß ich: Gut gemeinte Kritik, ehrlich und konstruktiv, hat mich schon oft weitergebracht.“

Während der Weiheliturgie, die musikalisch vom Karl-Kraft-Chor der Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkantor Julian Müller-Henneberg sowie von einem Bläserensemble und Domorganistin Claudia Waßner gestaltet wurde, traten die vier Diakone vor Bischof Bertram und versprachen ihm ihre Bereitschaft zum priesterlichen Dienst. Nach Handauflegung und Weihegebet bekamen sie die priesterlichen Gewänder angelegt, es wurden ihnen die Hände gesalbt sowie Hostienschale und Kelch überreicht. Zum Schluss spendeten die Neupriester den versammelten Festgästen den feierlichen Primizsegen.

Live-Aufzeichnung der Priesterweihe 2021

Video: Predigt von Bischof Bertram Meier