Weltkirche

Werkstattbericht über Amazonas-Synode

05.11.2019 11:17

Augsburg (pba). Dr. Paulo Süss ist Priester des Bistums Augsburg und war als ausgewiesener Brasilien-Kenner Teilnehmer der Amazonas-Synode in Rom. Auf Einladung der Abteilung Weltkirche hat er gestern Abend über seine Erfahrungen bei der Kirchenversammlung referiert. Rund 80 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zu seinem Vortrag ins Haus St. Ulrich.

Dr. Paulo Süss spricht über seine Erfahrungen bei der Amazonas-Synode. (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier stellte in seinen einleitenden Gedanken die besondere Bedeutung der Synode fest. Kirche müsse immer synodal gedacht werden, sei es im Amazonasbecken oder in Deutschland. Gerade die Themen der aktuellen Amazonas-Synode seien auch für die Augsburger Kirche relevant, etwa in Bezug auf den Klimawandel und das Sterben des Regenwaldes. Bei einem Besuch vor einigen Jahren habe er sich selber von der Dringlichkeit der Situation in Brasilien überzeugen können. Den Kontakt mit landlos gewordenen Indigenen bezeichnete er als „entscheidende und tiefgehende Erfahrung“.

Prälat Meier warnte indes vor überschnellen Bewertungen der Arbeit der Synode und riet zu Geduld. Die pastoralen Herausforderungen des Amazonasbeckens könnten kaum direkt auf die Lage der europäischen Kirche übertragen werden. „Warten wir ab, was Papst Franziskus aus den Vorschlägen der Synode macht“, sagte der Diözesanadministrator und riet den Anwesenden: „Haben wir keine Angst vor dem Heiligen Geist!“

Prälat Dr. Meier überreichte Dr. Süss als Dank einen Geschenkkorb.

Beim anschließenden Werkstattbericht erzählte Dr. Süss von der Arbeitsweise der Synode und wie er als Experte in die Entscheidungsfindung mit eingebunden war. Noch nie zuvor habe es bei einer Synode solch eine Einbindung von Laien und Geistlichen vor Ort gegeben. Auch die offene Diskussionskultur habe er als neu und motivierend empfunden. Gleichzeitig bedauerte Dr. Süss die etwas einseitige Fixierung der Medien auf die Themen Zölibat und Frauenordination, wo doch nichts weniger als die Zukunft des Planeten Erde auf der Tagesordnung stand. „Der Planet Erde wird mit oder ohne Zölibat untergehen“, sagte er.

Die Kernfrage der pastoralen Situation im Amazonasbecken sei für ihn der Zugang der Gemeinden zur Eucharistie. Der Priestermangel und die weiten Wege führten dazu, dass manche Gemeinden oft über Monate oder sogar Jahre keinen Priester sähen. Durch die Vernachlässigung der Menschen im Amazonasgebiet öffne die Kirche die Flanken für Sekten, ökologische Zerstörung und Drogenmissbrauch.

Wenn die Kirche im Amazonasgebiet präsenter und lokaler werden wolle, so führe an der Inkulturation eines bislang sehr europäisch geprägten Gottesdienstes kein Weg vorbei. Auch zumindest der Diakonat von Frauen und die Priesterweihe verheirateter Männer müssten erwogen werden. Erstere würden ohnehin schon oft die priesterlosen Gemeinden tragen und sogar leiten. Die Kirche müsse neue Wege beschreiten, doch könnten diese nur gemeinsam gegangen werden: „Aufbruch bedeutet nicht unbedingt Umbruch.“

Nach dem Bericht wurde im Publikum lebhaft diskutiert.

Dr. Paulo Süss wurde 1938 in Köln geboren und empfing 1964 in Augsburg die Priesterweihe. 1966 wurde er zur Mission in Brasilien freigestellt. Bis 1976 engagierte er sich vor allem in der seelsorgerischen Betreuung der indigenen Minderheiten des Amazonasbeckens. 1976-1979 setzte er sein Studium in Belgien und Deutschland fort und promovierte über die Volksreligiosität in Brasilien. Von 1979 an war er vier Jahre lang Generalsekretär des Brasilianischen Eingeborenenmissionsrates, dem er nach wie vor als theologischer Berater zur Seite steht. 1987-2001 leitete er in São Paulo den von ihm mitbegründeten Postgraduierten-Studiengang in Missionswissenschaft. Darüber hinaus war Dr. Süss von 1996-2004 zunächst Vizepräsident und dann Präsident der Internationalen Gesellschaft für Missionswissenschaft.