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Diakonenweihe in der Basilika St. Ulrich und Afra

„Wir brauchen Schatzträger mit Herz“

Augsburg (pba). Ein Tag der Freude für das Bistum: Vier junge Männer sind an diesem Samstag durch Bischof Dr. Bertram Meier in der bis auf den letzten Platz gefüllten Basilika St. Ulrich und Afra zu Diakonen geweiht worden. Jonas Eger (Kempten), Alexander Grotz (Thierhaupten), Fabian Hotter (Hochaltingen) und Daniel Ulbrich (Gomaringen) empfingen durch Handauflegung und Gebet die Weihe. Neben den Familien, Freunden und Bekannten der Weihekandidaten begrüßte Bischof Bertram zu Beginn der knapp zweistündigen Feier mehr als 100 Ministrantinnen und Ministranten.

Diakonenweihe in der Basilika St. Ulrich und Afra: (Fotos: Nicolas Schnall / pba)

Der Bischof begann seine Predigt mit einem Rückblick auf seine eigenen Weihen und deutete das Bild, ausgestreckt mit dem Gesicht zur Erde auf dem Boden zu liegen, als zentrales Symbol für die Verfügbarkeit des Diakons. Er betonte, dass dieser Moment „unter die Haut“ gehe und die Wahrheit über den Platz des Diakons offenbare: „Nicht hoch hinaus, sondern unten am Boden.“ Anstatt vermeintliche Stärke zu demonstrieren, rief der Bischof dazu auf, sich die eigene Zerbrechlichkeit einzugestehen. Er verdeutlichte dies mit dem Pauluswort: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen.“

Gleichsam warnte Bischof Bertram vor klerikaler Selbstdarstellung und Machtstreben. Er mahnte, Gott möge die Kirche vor den „Machern“ und Strategen bewahren, die alles im Griff haben wollen. Die Diakone sollten nicht „religiöse Routiniers oder Funktionär“ sein, sondern „Schatzträger mit Herz“, in denen das Evangelium Jesu Christi strahlt. Das Ziel des Dienstes sei es allein, Jesus und seine Botschaft zum Leuchten zu bringen, anstatt die eigene Person oder Machtinteressen in den Vordergrund zu rücken.

Kritisch setzte sich der Bischof mit dem Thema Macht in der Kirche und dessen Missbrauch auseinander und griff dabei Impulse des innerkirchlichen Reformprozesses auf. Er forderte dazu auf, Machtstrukturen nicht „wegzuspiritualisieren“ oder hinter frommen Floskeln zu kaschieren. Da der Weg in der Regel vom Diakon zum Dienstvorgesetzten führe, sei Transparenz unerlässlich, um Missbrauch vorzubeugen. Er plädierte für das radikale Kontrastprogramm Jesu statt der eigenen Profilierung auf Kosten seines Nächsten: „Wahre Größe zeigt sich darin, dass ich andere in meiner Umgebung groß werden lasse. Das ist nicht Schwäche, sondern Stärke“, ist Bischof Bertram überzeugt. Autorität in der Kirche dürfe sich niemals auf Herrschaft gründen, sondern allein auf die Nachfolge Jesu, der gekommen ist, um zu dienen.

Bezugnehmend auf das Evangelium konkretisierte der Bischof die „Dienstanweisung“ für die Neugeweihten: Sie seien gerufen, dorthin zu gehen, wo Menschen übersehen oder abgeschrieben werden. Er stellte die provokante Frage, ob die Sorge um die Armen nur „grundsätzlich“ bestehe oder tatsächlich im Alltag gelebt werde. Mit Verweis auf Papst Franziskus forderte er die Kandidaten auf, an die Ränder zu gehen, denn so stand es auf einer Spruchkarte der Schweizer Caritas: „Wo die am Rande sind, da ist die Mitte.“

Zusammengefasst: Das Dienstamt der Kirche diene dazu, damit die Kirche ihrer Sendung in der Welt treu bleibe und die Leute wissen zu lassen: „Mensch, es geht auch anders!“ Bischof Bertram ermutigte die vier Männer, nicht liegen zu bleiben, sondern Jesu Spuren zu folgen, denn das sei der Weg: „Sich nicht bedienen lassen, sondern selbst dienen: Das ist die Dienstanweisung für einen Diakon.“

 

Kurz vorgestellt

Derzeit befinden sich die neuen Diakone im zweijährigen Pastoralpraktikum in verschiedenen Pfarreiengemeinschaften des Bistums und werden hier in Kurzporträts vorgestellt.

 

Der Dienst des Diakons

Bei der Diakonenweihe versprechen die Kandidaten, ihr Leben in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen. Aufgaben des Diakons sind unter anderem, die Taufe zu spenden, dem Bischof und den Priestern bei Feier der Eucharistie zu helfen, der Eheschließung zu assistieren und das Brautpaar zu segnen, das Evangelium zu verkünden und zu predigen, den Begräbnissen vorzustehen sowie sich caritativen Diensten zu widmen.