27.02.2012 18:26

Augsburg (kna). Bischof Dr. Konrad Zdarsa erläutert im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) seine Pläne.

KNA: Herr Bischof, wie gehen Sie mit den Widerständen gegen Ihre Vorgaben um?

Zdarsa: Zunächst bedaure ich, dass es durch eine Indiskretion zu Vorabveröffentlichungen und in der Folge zu Missverständnissen gekommen ist. Bei der Frage, wie wir die Seelsorge in der Diözese künftig gestalten, geht es mir nicht vordergründig um Fusionen der Gemeinden im technischen Sinne. Mein Hauptanliegen ist, dass wir zu größerer Einheit zusammenwachsen. Wenn diesem Ziel eine Fusion dient, sollte dem nichts im Wege stehen. Solche Prozesse dürfen und sollen ihre Zeit haben, und es geht dabei auch nicht darum, lokale Besonderheiten zu beseitigen.

KNA: Wo sehen Sie die stärksten Vorbehalte?

Zdarsa: Die richten sich nach meiner Wahrnehmung gegen den Begriff "zentraler Eucharistieort". Dabei wird er schon länger in den Augsburger Pfarreiengemeinschaften verwendet. Es muss jeweils einen Ort geben, an dem verlässlich und zur selben Zeit jeden Sonn- und Feiertag die Feier der Eucharistie gewährleistet ist. Angesichts unserer derzeitigen personellen Besetzung heißt das aber überhaupt nicht, dass jetzt ab einem Stichtag nur noch an diesem Ort eine Messe stattfindet, zu der sich dann alle in Bewegung setzen sollen. Ich habe allerdings eine Vision, mit der ich auch nicht hinter dem Berg halten will.

KNA: Und die wäre?

Zdarsa: Dass Gemeinden aus mehreren Orten sich längerfristig zu bestimmten gemeinsamen Feiern zusammentun, etwa während der Kar- und Ostertage, an Fronleichnam oder zu einer traditionellen Wallfahrt. Dass diese Feiern gemeinsam vorbereitet und auch begangen werden. Ich halte das geradezu für ein Seelsorgsprogramm in einer Pfarreiengemeinschaft. Das geschieht an einigen Orten auch schon, wovon ich mich überzeugen konnte.

KNA: Warum das strikte Nein zu Wort-Gottes-Feiern am Sonntag?

Zdarsa: Zunächst einmal will ich klarstellen, dass Wortgottesdienste ihren eigenen Wert für das Glaubensleben haben. Die Betrachtung der Heiligen Schrift, Gebet und Lobpreis, Andachten aller Art können nur empfohlen werden. Ich habe aber Anlass zur Sorge, dass das Bewusstsein für die zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier am Sonntag verloren zu gehen droht. Wenn sich priesterlose Wort-Gottes-Feiern am Sonntag etablieren, besteht die Gefahr einer Genügsamkeit. Man gewöhnt sich an den Notbehelf und empfindet ihn gar nicht mehr als Mangel. Eine solche Fehlentwicklung darf ich als Bischof nicht zulassen.

KNA: Die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger geht in Deutschland seit Jahren zurück. Wie wollen Sie diesen Trend wenden?

Zdarsa: Es muss wieder bewusst werden, dass die Kirche und jeder einzelne Gläubige aus der Eucharistie lebt. Das ist unsere Quelle, die wir nicht verschütten, verunreinigen oder versiegen lassen dürfen. So müssen wir Priester uns fragen, in welcher Haltung wir uns auf die Liturgie vorbereiten und sie begehen. Lassen wir wirklich Christus darin zum Zug kommen? Die Sehnsucht nach der Eucharistie wird wachsen, wenn wir sie wieder tiefer feiern. Dann richtet sich natürlich die Frage an jeden einzelnen in seinem Gewissen, was er bereit ist einzusetzen, um den Sonntag mit der Feier des größten Geheimnisses unseres Glaubens zu begehen. Wer diesen persönlichen Anruf wirklich vernimmt, wird seine Befindlichkeiten auch mal zurückstellen, etwa wenn das für ihn bedeutet, einen längeren Weg als bisher auf sich zu nehmen.

KNA: Warum wollen Sie die Pfarrgemeinderäte abschaffen?

Zdarsa: Das ist ein Fehlschluss, vielleicht liegt das am Wort Pastoralrat, das ich bevorzuge. Auf der kleinsten Ebene der Gemeinde wie auch in Pfarreiengemeinschaften muss es auch künftig feststehende Gruppen geben, die sich miteinander und mit dem Pfarrer über ihren Vertreter im Pastoralrat beratschlagen, was zu tun ist, damit der Glaube lebendig bleibt.

KNA: Aber warum muss der Pfarrer einem solchen Gremium vorstehen?

Zdarsa: Das entspricht zunächst dem Kirchenrecht. Aber auch für die Pfarrgemeinderäte galt bisher schon, dass ihre Beschlüsse keine Gültigkeit erlangen konnten, wenn ihnen der Pfarrer nicht beipflichtete. Man könnte sich die Rollenteilung zwischen Vorsitz und Moderator, der weiterhin ein Laie sein soll, vielleicht nach Art von Präsidentschaft und Geschäftsführung vorstellen - auch wenn es das nicht ganz trifft.

KNA: Wie kommen die Gremien zustande - durch Wahl oder Berufung?

Zdarsa: Da sollten wir von den bewährten Verfahren nicht abweichen. Es hat schon immer beide Formen gegeben, gewählte und berufene Mitglieder. Darüber hinaus können zu bestimmten Sitzungen oder Konferenzen Personen geladen werden, die zu dem dort verhandelten Thema etwas Wichtiges beizutragen haben.

KNA: Was setzen Sie Skepsis und Resignation entgegen, die es in Ihrem Bistum auch gibt, um eine Aufbruchsstimmung zu befördern?

Zdarsa: Auf dem Weltjugendtag in Madrid wurde ich von einem Mann gefragt, was ich denn tun wolle, damit es in Augsburg besser wird. Ich habe ihm damals eine andere Antwort gegeben. Heute würde ich ihm sagen: Das ist das Dilemma, dass sie Veränderungen nur von einem anderen erwarten. Es ist vielmehr so: Sie müssen besser werden, ich muss besser werden, wir alle müssen besser werden, dann wird Es besser werden. Es geht darum, die Dinge mit gutem Willen zu sehen, in einen wirklich respektvollen Dialog einzutreten und die Chance zu ergreifen, die sich damit bietet. Ich sehe keinen anderen Weg.