Haus Sankt Ulrich

Ausstellung von Lilian Moreno Sánchez

26.11.2019 12:12

Die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez verwendet in ihren vielschichtigen Werken immer wieder versatzstückhaft christliche Figuren und Symbole. Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier hat sich gestern im Haus St. Ulrich bei der Vernissage zur Ausstellung "Was ist der Mensch..." beeindruckt von ihrer „Leidenschaft für die Menschlichkeit“ gezeigt.

Angeregte Gespräche mit der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez (Mitte) bei der Vernissage im Haus St. Ulrich. (Foto: Julian Schmidt / pba)

Die Bilder von Lilian Moreno Sánchez seien im buchstäblichen Sinne vielschichtig, meinte Domdekan Meier. Ihre oft im Siebdruck hergestellten Werke bezögen Motive aus unterschiedlichsten Gebieten ein und inkorporierten auch Textilien und Stoffe. Textilien, Fotoaufnahmen, alte Ikonographien oder Messgewänder aus der Zeit um 1900 würden übereinandergelegt. Schon aufgrund dieser Technik lasse ihre Kunst keine eindeutige Interpretation zu.

Ein Grundmotiv der Ausstellung mit 29 Bildern, die noch bis zum 30. April 2020 zu besichtigen sind, sei der Kontrast zwischen idealisierter Heiligkeit und harter Realität. Der Diözesanadministrator machte dies an einer Darstellung des Erzengels Gabriel fest, die Besucherinnen und Besucher als erstes im Haus anträfen. Dem Verkündigungsengel gegenüber finden sich Tierknochen, die die angedeutete biblische Geschichte mit der „Realität des Leidens“ kontrastieren. Ähnliche Gegenüberstellungen fänden sich immer wieder. Die Künstlerin wolle die menschliche Realität hinter der idealisierten Geschichte zeigen, in all ihrer manchmal leidenserfüllten Härte. Mitunter in das Bild eingefügte Röntgenaufnahmen symbolisierten diesen Aspekt deutlich: Sie zeigten den Durch-Blick, der Wirklichkeit durchdringt und oftmals schmerzlich Verborgenes enthüllt.

Der Diözesanadministrator verwies auch auf den im Obergeschoss des Hauses ausgestellten Zyklus „Lema“. Der Name sei dem Aramäischen entlehnt und bedeute „Warum“. Damit beziehe es sich auf das Klagewort des sterbenden Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Es sei kein Zufall, dass der Zyklus ähnlich wie ein Kreuzweg 14 Werke aufweise. In „Lema“ verarbeite die Künstlerin die dunklen Jahre der chilenischen Militärdiktatur, in der viele Frauen ihre Männer verloren. Sieben dieser Frauen seien jeweils zwei der Bilder gewidmet.

Wer die Wirklichkeit oder auch nur die Kirche glorifizieren wolle, werde durch ihre Bilder in die Realität zurückgeführt, so der Diözesanadministrator weiter. Wer aber im Gegenteil die Realität immer nur negativ als Leidensweg sähe, werde durch die Schönheit und Ästhetik der Kunst von Frau Sánchez daran erinnert: „Über aller Wirklichkeit steht auch schon die Verklärung“.

Lilian Moreno Sánchez wurde 1968 in Buin unweit der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile geboren. Über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kam sie 1995 nach München, wo sie unter Professor Gerd Winner ihr Diplom als Meisterschülerin an der Akademie der Bildenden Künste machte. In über dreißig Ausstellungen konnte sie bislang ihr Werk präsentieren, unter anderem 2004 in der Ulrichsbasilika sowie 2005 im Augsburger Diözesanmuseum. Sie lebt und arbeitet in Augsburg und München.