Gebetswoche für die Einheit der Christen

Diözesanadministrator lädt zur „ökumenischen Weinprobe“ ein

24.01.2020 09:10

Augsburg (pba). Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Bayern, hat gestern Abend in der evangelischen St. Ulrichskirche zu einer „ökumenischen Weinprobe“ eingeladen. In seiner Predigt aus Anlass des Gottesdienstes zur weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen bezog er sich auf das Evangelium von der Hochzeit zu Kana. Dabei „verkostete“ er sechs unterschiedliche „Weine“, die seiner Ansicht nach symbolisch für gelingende Ökumene unabdingbar seien.  

Mit Leidenschaft für die Einheit der Christen: Prälat Dr. Bertram Meier beim ökumenischen Gottesdienst zur weltweiten Gebetswoche. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Zunächst sprach Prälat Meier von einem Rebensaft, der für die Aufmerksamkeit in der Begegnung mit dem anderen steht. Für uns Christen gelte es zuallererst, die ökumenische Not wahrzunehmen. „So schmerzhaft solche Wahrnehmungen sind, wir müssen einander im ökumenischen Gespräch klaren Wein eingießen. Nur wer die Not wahrnimmt, kann auch das Notwendige erkennen“, so der Diözesanadministrator. Dies beinhalte für ihn, dem Gebet und der Gemeinschaft im Heiligen Geist Raum zu geben. „Gemeinsam vor Gott schweigen und hören, sprechen und beten, darin liegt das Herz aller ökumenischen Begegnungen“, so umschrieb Prälat Meier den einfachen, schlichten Wein.

Dann entschied er sich für einen herben Wein. Dieser zeige sich für den Prediger in der Versuchung, die Bedürfnisse des Menschen, die eigenen Ideen zum Prinzip für das Handeln Gottes zu machen. „Für unsere Suche nach der Einheit der Christen heißt das: Niemand von uns kann eigenmächtig festsetzen, wann der Moment der vollen Einheit gekommen ist“, bekräftigt der Diözesanadministrator. Die ökumenischen Uhren dürften weder nach dem Maß unserer Ungeduld und Sehnsucht noch nach unseren Bremsmanövern und Verzögerungstaktiken ausgerichtet werden. „Engagierte Gelassenheit“ und „gelassenes Engagement“ seien zwar schöne Formeln für den Fortgang der Ökumene, aber „wie wenig Meinungsverschiedenheit und Missverständnis reichen schon aus, um uns ungeduldig und ungenießbar werden zu lassen“, fragte er die anwesenden Gottesdienstbesucher.

Daher empfahl Prälat Meier zwischendurch einen starken, kräftigen Trunk, nämlich ökumenisch zu handeln: sich auf ein gemeinsames Tun einzulassen, wo immer es möglich ist. „Ökumenisch handeln heißt, nicht theologische Drahtseilakte und liturgische Seiltänze veranstalten, sondern gemeinsam den Dienst der Wasserträger von Kana auf sich nehmen.“ Diese würden in ein Geheimnis eingeweiht, das den bloßen „Feinschmeckern“ und „Abschmeckern“ der Ökumene vorenthalten bleibt: „Sie dürfen ein Wunder schauen, wo der Oberkellner nur guten Wein schmeckt. Und sie wissen, woher der Wein der Freude, der die Einheit wahrt, hergekommen ist: von Christus, dem Gast, der im Stillen zum Gastgeber wurde.“

Für Prälat Meier geht es also um mehr: Jesus hat in Kana seine Herrlichkeit geoffenbart. „Funktioniert nicht auch so Ökumene? Geschieht Einung nicht vor allem dadurch, dass wir schauen auf das, was gut läuft, gut tut und gut ist? Auf das, was uns schon geschenkt ist, auf das, was herrlich ist im Miteinander unter uns Christen?“ Es sei eine alltägliche Erfahrung, dass vom bloßen Starren auf das Negative, vom Bleiben in der Sturheit, vom Stieren auf die Mängel und Fehler bei sich und bei anderen das Wachstum des Guten nicht gefördert werde. Einung unter uns Christen könne nicht im verbiesterten Klagen über die menschlichen Unhöflichkeiten geschehen, sondern allein im gemeinsamen Staunen über die göttlichen Herrlichkeiten. „Das ist die wahrhaft ökumenische Geschenktheorie, sich zu freuen am gegenseitigen Nehmen und Geben, über alle konfessionellen Grenzen hinweg.“

Zum Abschluss seiner Predigt schenkte er noch einen bitteren Wein ein, ohne den das ökumenische Miteinander überhaupt nicht funktioniere: „Für die ökumenische Bewegung bedeutet die Weisheit des Kreuzes oft genug einen Wermutstropfen, ein Durchleiden, eben nicht in Bewegung sein, sondern sich ohnmächtig fixiert und festgenagelt zu fühlen“, so Prälat Meier. Heute hätten viele den Eindruck, dass ökumenisch nichts mehr geht, dass wir auf der Stelle treten und alles stagniert. Denen gibt der Diözesanadministrator als Ermutigung mit auf den Weg: „Es gibt aber auch ein Bleiben, das mit Treue zu tun hat, mit Treue zur Wahrheit aus Liebe. Gerade in der Ökumene dürften wir nicht von freundlichen Lügen leben, weil uns zur Wahrheit die Liebe fehlt. „Nur im Zeichen des Kreuzes wird die Sache der Ökumene weitergehen“, betonte der Prälat.

Der evangelische Regionalbischof Axel Piper, der dem ökumenischen Gottesdienst vorstand, erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass noch ein Stück des Weges vor uns liege. Diesen gelte es noch vertrauensvoller und selbstverständlicher miteinander zu gehen, sagte er zu denen, die sich an diesem Abend zum Gebet für die Einheit der Christen im Gottesdienst versammelten und ihren Glauben gemeinsam bekannten.

Während der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Januar setzen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener christlicher Kirchen gemeinsam ein Zeichen der Ökumene. Der internationale Entwurf für die Liturgie wurde in diesem Jahr von Christen aus Malta erarbeitet und steht unter dem Leitwort aus der Apostelgeschichte „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“.