Familienwallfahrt

Letzter Tag: Basilika, Bondone und Busabfahrt

13.06.2022 08:09

Ein echter kultureller und kirchengeschichtlicher Höhepunkt wartete am fünften Tag, dem Freitag, auf all jene Mädchen, Buben, Mütter, Väter und Großeltern aus der Diözese Augsburg, die bei der Familienwallfahrt der Diözese im Hotel „Il Castello“ untergebracht waren: Sie besichtigten, aufgeteilt in altersgemäße Gruppen, die Basilika di San Francesco.

Thomas Freidel, Minoriten-Bruder in Assisi und Direktor des Basilika-Museums, führt mit großem Sachverstand durch die Basilika (Fotos: Johannes Müller / Katholische SonntagsZeitung)

Schon zwei Jahre nach dem Tod des großen Heiligen, der hier begraben ist, wurde 1228 mit dem Bau der heute weltberühmten Kirche begonnen. Krönung des Tages oder gar der ganzen Reise war der Abschlussgottesdienst am Freitagabend, über den die Katholische SonntagsZeitung mit einem ausführlichen Rückblick auf die Wallfahrt in der Ausgabe vom 18./19. Juni berichtet.

Die Basilika, die beim Erdbeben 1997 sehr schwer beschädigt wurde und deren Restaurierung unermessliche Kulturschätze der ganzen Menschheit rettete, teilt sich auf in Unter- und Oberkirche sowie die in der Barockzeit entstandene Krypta. Im angrenzenden Franziskaner-Konvent leben heute 55 Mönche aus aller Welt. Einer von ihnen: der aus dem Bistum Speyer stammende Franziskaner-Minorit Thomas Freidel. Er wirkt als Pilgerseelsorger und Direktor des Basilika-Museums, so dass den Augsburger Gästen eine überaus kompetente Führung zuteilwurde. Bruder Thomas ermöglichte außerdem unserer Zeitung das sonst streng verbotene Fotografieren.

Die älteste und vermutlich realistischste Darstellung des heiligen Franziskus neben der Gottesmutter Maria, dem Jesuskind und Engeln. Sie stammt von Giottos Lehrer Cimabue und ist noch ganz der historischen Malerei verpflichtet.

Dass jährlich rund fünf Millionen Menschen die Basilika besuchen wollen, liegt nicht zuletzt an den weltbekannten Bildern des Giotto di Bondone und seiner Schule. 28 Szenen aus dem Leben des Franziskus markieren mit ihrer Lebendigkeit einen Meilenstein in der Entwicklung der Malerei. Wie Bruder Thomas („Behalten Sie es für sich!“) verriet, war Meister Giotto vermutlich in der Unterkirche öfter eigenhändig am Werk als im oberen Teil des Prachtbaus. Die dortigen Werke werden gemeinhin ihm zugeschrieben, wurden aber wohl überwiegend von Malern aus seiner Umgebung ausgeführt.

Gar nicht von Bondone, sondern von seinem Lehrer Cimabue stammt die wohl berühmteste Darstellung des „Poverello“ in der Unterkirche: Sie zeigt ihn neben der Gottesmutter mit dem Jesuskind, umgeben von Engeln, und kommt vermutlich dem wirklichen Franziskus, wie ihn auch eine zeitgenössische Biographie schildert, am nächsten.

Im Anschluss an die Führung wartete noch ein freier Nachmittag auf die Pilger, bevor am Abend in der Basilika der Abschlussgottesdienst die 450 Reisenden vereint. Pater Robert Haas, der die Musik „Fra Francesco“ komponiert hat, konnte erkrankt nicht mitreisen. Noch vor dem Schluss-Höhepunkt wagte Diözesanfamilienseelsorger und Gesamtleiter Christian Öxler auf Bitte der begleitenden Journalisten ein Resümee. Ob er denn vor sechs Monaten gedacht habe, dass es die Wallfahrt überhaupt geben werde? „Sicher war ich mir nicht, gehofft habe ich es schon!“

Christian Öxler, Gesamtleiter der Wallfahrt und Diözesanfamilienseelsorger, ist sehr zufrieden mit dem Verlauf.

Mit Ablauf, Teilnehmerzahl und Ereignissen in Assisi war Öxler sehr zufrieden. „Ich will jetzt nicht anmaßend sein, aber ich würde als Schulnote tatsächlich eine 1 setzen. Allein die Stimmung, die wir mitkriegen, ist großartig. Es ist alles reibungsfrei gegangen, mit einer gewissen Anstrengung zwar, aber das war uns allen vorher klar.“ Er räumte ein, dass die Vorbereitung des umfangreichen, pfiffig gemachten Pilgerheftes und die Choreographie all der Veranstaltungspunkte mit so vielen Möglichkeiten zum Mitmachen für die Mädchen, Buben und Jugendlichen eine gewaltige Anstrengung erforderte: „Das Leitungsteam hat mit der Vorbereitung im Januar 2021 begonnen. Die Arbeitsgruppen sind seit September am Werk gewesen.“

Wo die nächste Familienwallfahrt der Diözese hingehen wird? „Das haben wir noch gar nicht diskutiert, da kann ich noch nichts sagen. Aber ich werde das mit dem Bischof mal in einer ruhigen Minute besprechen. Ich fühle mich tatsächlich in Assisi sehr wohl, aber die Frage ist, ob wir da ein drittes Mal in Folge hinfahren. Rom wäre eine Möglichkeit, ist aber natürlich von der Stadt her ein ganz anderes Setting.“

Bischof Bertram Meier freut sich über die große Teilnehmerzahl und sieht in Franziskus ein echtes Vorbild auch für heutige Christen.

Als großer Fan von Assisi, Klara und Franziskus, der auch heute so viel zu sagen hat, outete sich Bertram Meier. „Franziskus ist ausgestiegen, um einzusteigen in die Kirche. Er wollte die Kirche erneuern – aber nicht außerhalb der Kirche, sondern innerhalb der Kirche“, sagte der Bischof. Auch mit seinem Verständnis der Schöpfung sei Franziskus ein großes Vorbild. In spiritueller Hinsicht habe er die Hinwendung zur Menschlichkeit mit der entscheidenden Frage nach dem tiefen Sinn des Lebens bis hin zum Tod schlüssig zusammengebracht, also Kreuz und Krippe vereint. Nicht zuletzt könne er mit seinem Verständnis von Armut in einer Zeit, in der Krieg und wirtschaftliche Entwicklung ein Ende des Immer-Mehr einfordern, ein Signal setzen mit seiner Aufforderung: „Leute, versucht auch einmal, solche Krisen als Geschwister zu bewältigen!“

Vom Verlauf der Pilgerreise zeigte sich der Augsburger Oberhirte rundum angetan. „Ich bin höchst zufrieden! Fast 500 Leute, das ist eine Superzahl! Wenn ich mit anderen Bischöfen darüber gesprochen habe, dann gab es Bewunderung, dass wir im Bistum so viele Menschen zusammengebracht haben, trotz Corona und Krieg.“

Am Samstag in aller Früh machen sich die Wallfahrer aus der ganzen Diözese auf den Heimweg. Angesichts der Fülle an Eindrücken und Erlebnissen dürfte die Reise, wenn auch im Bus, wie im Flug vergehen.

Text und Fotos: Johannes Müller / Katholische SonntagsZeitung