Bischof Bertram besucht Caritas-Volksküche

Im Gespräch mit ukrainischen Flüchtlingen: "Mir ist wichtig zu wissen, wie es ihnen hier bei uns geht"

23.06.2022 16:54

Augsburg (pca). Jeden Tag kommen bis zu 40 Flüchtlinge aus der Ukraine zum Caritas-Haus in Augsburg. Frauen mit ihren Kindern wie auch vereinzelt Männer treffen sich dort, weil sie dort gemeinsam Mittagessen können. An diesem Donnerstag nun suchte Bischof Dr. Bertram Meier das Gespräch mit den Flüchtlingen. „Mir ist wichtig zu wissen, wie es ihnen hier bei uns geht“, sagte er.

Bischof Bertram nahm sich für das Gespräch mit ukrainischen Flüchtlingen sehr viel Zeit. Die Migrationsberaterin der Caritas Lilli Martel (li.stehend) und Antonova Alla, selbst Flüchtling, halfen bei der Übersetzung. (Foto: Caritas Augsburg / Bernhard Gattner)

Bischof Bertram nahm sich mehr als eine Stunde Zeit für die Flüchtlinge und setzte sich mit an den Mittagstisch. Am Ende des Austausches zeigte er sich tief bewegt. „Das geht zu Herzen, was sie erzählen.“ Ihn berühre es auch zu spüren, wie sehr die Angst um ihre Angehörigen, ihre Männer, Brüder und Freunde, die in der Ukraine zurückgeblieben sind, sie umtreibt. „Man merkt deutlich, sie brauchen nicht nur ein Dach über den Kopf, sie brauchen auch ein Dach für ihre Seele.“ Lilli Martel, Migrationsberaterin der Caritas, und Antonova Alla, selbst Flüchtling aus der Ukraine, halfen bei der Übersetzung.
 
Zu Beginn des Gesprächs herrschte große Zurückhaltung bei den Flüchtlingen. Um das Eis zu brechen erzählte der Bischof von seiner Reise in die Ukraine vor erst drei Wochen. Die Flüchtlinge spürten die Wertschätzung für ihr Land und ihre Landsleute. Und so fingen sie an von sich zu reden. Mehrere Frauen betonten, wie dankbar sie seien für die freundliche Aufnahme in Deutschland durch die Menschen hier wie auch die Kirche und dafür, dass sie zu dem Caritas-Mittagstisch kommen können. „Wir sind unendlich dankbar dafür“, sagten sie. Und sie wünschten sich gleichzeitig, dass noch mehr kommen können.
 
Die, die bei deutschen Familien untergekommen sind, erzählten begeistert von ihren Gastfamilien, aber auch davon, dass sie gerne mit ihren Kindern und ihrer Familie in eigene Wohnungen ziehen wollen. „Es ist schon eine große Belastung für die Gastfamilien, ständig Fremde bei sich zu haben“. Einer Frau, die nur unter Tränen mit dem Bischof sprechen konnte, sagte, dass sie wohl nicht so schnell zurückkehren könne. Sie stamme aus dem Donbass-Gebiet.
 
Eine Familie erzählte von ihrer Trauer über die in Mariupol getöteten Eltern und davon, wie sie es noch gerade geschafft hatten, aus der Stadt herauszukommen. Eine junge Frau, die mit ihrem kleinen Sohn in Augsburg bei einer Familie wohnt, sprach über ihre Angst und ihre Sorge um ihren Mann, der in Kiew zurückgeblieben ist, und davon wie sehr sie sich darum bemüht, all das von ihrem Sohn fernzuhalten. „Für die Kinder bräuchten wir Betreuungsplätze, sie sollen unbeschwert spielen können“, wünschte sich die Mutter. Als Bischof Bertram das Caritas-Haus verließ, bat ihn die junge Frau: „Beten Sie für unser Land.“ „Das tue ich jeden Tag“, antworte er ihr.