Dreifachjubiläum in Fischen

Bischof Bertram: „Wir sind global katholisch“

04.10.2021 12:29

Mit den Worten „Die Welt ist zu Gast in Fischen“ wandelte Pater Joshy Palakunnel den bekannten Slogan der Fußball-WM 2006 für das Dreifachjubiläum am Sonntagabend in Fischen um. Der Abschluss der Renovierung an der Pfarrkirche St. Verena, 900 Jahre Prämonstratenser und 350 Jahre Frauenkapelle wurden mit einem Festgottesdienst begangen, den Bischof Dr. Bertram Meier mit zahlreichen Festgästen und Gläubigen feierte. Verbunden mit einem besonderen Dank an die 17 indischen Prämonstratenser für ihren pastoralen Dienst in Deutschland bemerkte der Bischof: „In der Weltkirche gibt es keine Ausländer. Wir sind global katholisch.“

Die indischen Prämonstratenser kamen zur 900 Jahrfeier ihres Ordens nach Fischen. Bischof Bertram bedankte sich für ihren wertvollen Dienst (Fotos: Sabine Verspohl-Nitsche / pdsf).

Ein eindrucksvolles Bild bot sich den Fischingern und Gästen am Sonntagabend, als zu den Klängen der Musikkapelle Fischen Bischof Bertram, Dekan Karl-Bert Matthias, Pater Joshy, Diakon Andreas Martin, die indischen Priester des Prämonstratenserordens und zahlreiche Ministranten in die Pfarrkirche einzogen. Der Festgottesdienst wurde musikalisch vom Kirchenchor unter der Leitung von Thoms Kroll (Orgel) gestaltet.

In seiner Predigt erinnerte sich Bischof Dr. Bertram Meier an seine „Lehrjahre“ in Fischen. Als junger Student habe er unter dem damaligen Pfarrer Alois Haas sein Gemeindepraktikum absolviert, während seines Promotionsstudiums in Rom sei er als Urlaubsvertretung ins südliche Allgäu gekommen. Wenn er nun als Bischof an diesen Ort zurückkehre, spüre er den Mutterboden, der für einen Seelsorger wichtig sei. Diesen Mutterboden des Glaubens hätten Heilige aus drei Epochen in Fischen gelegt. Das seien Verena, Namenspatronin der Pfarrkirche, Norbert, der Gründer des Prämonstratenserordens, und Maria, die Namensgeberin der Frauenkapelle. Diese sei mit ihrer berühmten Pietà niemals leer, viele Gruppen beteten hier täglich den Rosenkranz, zeigte sich Bischof Bertram beeindruckt vom tiefen Glaubensleben der „Fischinger“ und betonte „Gebet ist der Atem der Kirche“.  Mit einer besonderen Bitte wandte er sich sodann an die Gläubigen in Fischen: „Hören sie nicht auf zu beten. Die Kirche ist kein Verein, der sich ständig neuen Ordnungen und dem Zeitgeist anpasst. Die Kirche ist eine Gründung von Jesus Christus. Wenn wir meinen, sie unter dem Druck demokratischer Mehrheitsverhältnisse anpassen zu müssen, dann ruinieren wir uns selbst.“ Jesus lasse sich nicht unterkriegen, „aber er braucht uns, damit wir seinen Leib, die Kirche, pflegen, erhalten und weiter aufbauen“, so Bischof Dr. Bertram Meier.

Die Namenspatronin der Pfarrkirche, die Heilige Verena, habe in der Antike als Ägypterin im Tross der Thebäischen Legion die Soldaten umsorgt und gepflegt – daher werde sie oft mit Kamm und Krug dargestellt. In ihr werde ein Programm für das Leben der Pfarrei und im Verhältnis zur Kommune erkennbar, erinnerte der Bischof. Fischen lebe vom Tourismus. Viele kämen hierher, um aufzuatmen und sich „aufmöbeln“ zu lassen. „Pflegen sie die Gastfreundschaft und kümmern sie sich um die Gäste, die hier nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Herberge für die Seele suchen“, wandte sich der Bischof an die Gläubigen. Bei den beiden indischen Patres, Pater Joshy und Pater Joe, könnten die Menschen auftanken, die beiden gäben ihnen sozusagen als Tankwarte „Sprit“ oder „Spirit“ für die Seele, betonte er humorvoll. Schon bei seiner Visitation im Jahr 2016 habe er festgestellt, dass die beiden Prämonstratenser von den Fischingern sehr gut aufgenommen worden seien. „Nur so macht Seelsorge auch Spaß“, richtete er sich an die Versammelten und versprach den indischen Missionaren, dass er in diesen schweren Zeiten für ihre Familien in der Heimat beten werde.

Eine besondere Ehre wurde Pater Joshy zuteil, der vom Bischof als neues Mitglied des Priesterrats ernannt wurde. Der Priesterrat repräsentiert alle Priester des Bistums und unterstützt und berät den Bischof als „Senat“ bei der Leitung der Diözese.

Anschließend folgten Ansprachen des Kirchenpflegers Bernhard Graf, der einen Rückblick über die 490.000 Euro teure Kirchenrenovierung gab, und des Bürgermeisters Bruno Sauter. Sauter zeigte sich dankbar und froh über die gute Zusammenarbeit von Kirche und Kommune. Gern habe die Gemeinde die Renovierungskosten deshalb bezuschusst, denn Kirche sei Beispiel christlichen Glaubens und Wahrzeichen der Gemeinde, bemerkte der Bürgermeister.