DIES IST DIE NACHT ... Der Exodus Israels und die Feier der Osternacht
Studiennachmittag im Akademischen Forum am Freitag, 7. April 2017
EINE NACHT DER BEFREIUNG UND ERLÖSUNG
Die Tage zwischen Gründonnerstag und Ostern („Triduum paschale“) bilden den Höhepunkt des Kirchenjahres und es sind Tage mit tiefer Symbolik. Im Mittelpunkt steht die Erzählung von der Befreiung Israels aus ägyptischer Sklaverei, die in ihrer Gegensätzlichkeit fasziniert und gleichzeitig skandalös wirkt: die Feier des Paschamahles und der Tod der Erstgeburt ‒ die Errettung am Schilfmeer und die Vernichtung der Ägypter durch die Wasserfluten ‒ der Weg durch die Wüste voller Hoffnung und die Verzweiflung ...
Professor Franz Sedlmeier von der Universität Augsburg erklärte in zwei Vorträgen die politisch-historischen Zusammenhänge und das theologische Verständnis um den Exodus des Volkes Israels. So ist die Erzählung der Pesach-Nacht zur Zeit des Babylonischen Exils entstanden (Priesterschrift um 550 v. Chr.) um die Israeliten vom Glaubensabfall zu bewahren und das Vertrauen auf Jahwe zu stärken. Die Befreiung von den Ägyptern und die Errettung im Schilfmeer sind dramatische Erzählungen, die im Gedächtnis Israels tief verwurzelt sind und durch die Feier des jährlichen Pesach-Mahles lebendig bleiben. Die bleibende Botschaft: auch in wiederholter Bedrängnis darf das Volk Israel auf Gott vertrauen.
In einem weiteren Vortrag stellte Dr. Robert Schmucker, Referent am Akademischen Forum, den Bezug zur Feier der christlichen Osternacht her. So wird bis heute die enge Verbindung von Exodus und Osternacht durch die Lesung der alttestamentlichen Texte und durch den Vortrag des österlichen Exsultet zum Ausdruck gebracht: „Dies ist die Nacht ...“ des Überganges von Trauer zur Freude, von Dunkel zum Licht, von Unterdrückung zur Befreiung, vom Tod zum Leben. Mit Tod und der Auferstehung Jesu wurde die Exodus-Erzählung auf Jesus Christus hin heilsgeschichtlich neu gedeutet und eingeordnet.