BÜCHER, GLAUBE, BILDUNG
Der Heilige Ulrich und die Klosterbibliothek von St. Gallen im 10. Jahrhundert
Abendvortrag mit Dr. Christina von Berlin im Akademischen Forum zu Gast und in Kooperation mit dem Diözesanmuseum St. Afra vom 24. Oktober 2024
Die Ausbildung des jungen Ulrichs in Sankt Gallen im Spiegel der Handschriften, die aus der Zeit bis heute in der Klosterbibliothek in St. Gallen erhalten sind, war Thema des Vortrags von Dr. Christina von Berlin.
Frederic-Joachim Kaminski verwies in einführenden Worten auf den traditionell engen Bezug von Glaube und Bildung und den großen Einfluß, den die St. Gallener Zeit von ca 900 bis 908 auf die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des späteren Kämmerers, Augsburger Bischofs, Reichsfürsten, königlichen Berater und Heiligen gehabt haben dürfte.
Eindrucksvoll präsentierte von Berlin die Handschriften, die im Rahmen der Ausbildung Ulrichs verwendet worden sind, wohl auch von ihm benutzt werden konnten und von Prachtbänden, die zu seiner Zeit zwar im Bestand der Bibliothek waren, aber wohl eher nicht in die Hände der Schüler gelangten.
Diese Betrachtung gab einen Eindruck der vielschichtigen Ausbildungsinhalte, des herausragenden Niveaus von St. Gallen als Ausbildungsstätte und der europäischen Dimension, die der Bücherbestand an Hand der europäischen Verflechtungen, die sich aus der Herkunft der Werke erkennen lassen, widerspiegelt.
Der älteste Bücherkatalog, der zwischen 860/865 entstand, enthält, sorgsam nach Fachgebieten geordnet, insgesamt 294 Eintragungen mit 426 Titeln.
Beim Ungarnüberfall 926 wurden wohl ein paar Handschriften vernichtet, der Großteil konnte aber in Sicherheit gebracht werden.
Sowohl der Stiftsbezirk wie auch die darin sich befindliche Stiftsbibliothek sind seit 1983 UNESCO- Weltkulturerbe. Dokumente und Bücher des Stiftsarchives und der Stiftsbibliothek wurden 2017 ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.