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HEILIGES JAHR 2025: PILGER DER HOFFNUNG

04.12.2024 16:41

Abendveranstaltung im Akademischen Forum zur Geschichte und theologischen Bedeutung der Heiligen Jahre am Dienstag, 3. Dezember 2024.

Die Referenten: Dr. Rainer Florie und Prof. DDr. Thomas Marschler

Anlässlich des bevorstehenden Heiligen Jahres 2025 veranstaltete das Akademische Forum der Diözese Augsburg einen Themenabend. Im Mittelpunkt standen dabei geschichtliche und liturgisch-rituelle Aspekte sowie theologische Überlegungen zu Heiligen Jahren.

In einem ersten Vortrag referierte Dr. Rainer Florie, Lehrstuhlvertreter für Liturgiewissenschaft an der Universität Augsburg und Liturgiereferent im Bistums Augsburg, über die Geschichte der Heiligen Jahre und die Entfaltung liturgischer Riten, die im Umfeld der Heiligen Jahre entstanden.

Die Idee der Heiligen Jahre geht auf Papst Bonifaz VIII. zurück, der für das Jahr 1300 ein besonderes, zunächst nur für die Römer gedachtes Pilgerjahr ausrief. Ursprünglich als Jahrhundertereignis gedacht, wurde es zunächst im Abstand von 50, dann 33 Jahren und schließlich 25 Jahren begangen. Biblisches Vorbild für ein Heiliges Jahr ist das sogenannte Jubeljahr aus dem Alten Testament (Levitikus 25), in dem die Schulden alle 50 Jahre erlassen wurden.

Dr. Rainer Florie zeigte anhand einzelner historischer Beispiele auf, welche wechselvolle Geschichte diese Heiligen Jahre begleitete: So musste bereits 1350 das Heilige Jahr ohne Papst Clemens VI. stattfinden: von Avignon aus entsandte er lediglich einen Legaten nach Rom. 1400 wurde der Ritus mit einer Heiligen Pforte eingeführt und 1450 wird erstmals der Name „Heiliges Jahr“ verwendet. Ab 1475 fanden Heilige Jahre alle 25 Jahre statt. In den Jahren der Aufklärung kamen nur noch wenige Pilger nach Rom. Erst im 20. Jahrhundert wurden Heilige Jahre wieder im großen Stil begangen.

Professor DDr. Thomas Marschler, Dogmatiker an der Universität Augsburg, führte in seinem Vortrag zunächst aus, dass Pilgerreisen nach Jerusalem die ersten Jahrhunderte bestimmte. Mit zunehmenden Konflikt im Heiligen Land verlagerte sich die Wallfahrt von Jerusalem nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus.
Mit dem Besuch bestimmter Kirchen in Rom verband man bereits früh eine Ablasspraxis, die sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzte: Beichte, Kommunionempfang, Gebet, Abkehr von Sünde. Zusätzlich entfaltete diese Praxis dann weitere spezifische Bedingungen: Besuch einer päpstlichen Basilika und weiterer Kirchen, Gebete, Werke der Nächstenliebe, Spenden.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Bedingungen für einen Ablass immer weiter ausgedehnt, bis Papst Paul VI. die Ablasspraxis im 20. Jahrhundert mit dem Verständnis eines vollkommenen und unvollkommenen Ablass neu ordnete.