DIE FEIER DER HEILIGEN JAHRE IN ROM. Kunstwerke, Brauchtum und Anekdoten
Vorträge mit Dr. Thomas Kieslinger und Prof. Dr. Manuela Annibali im Haus Sankt Ulrich, Augsburg am Donnerstag, 26. Juni 2025
Am Hochfest der Apostel Peter und Paul lief das Heilige Jahr 2025 gleichsam auf seine Mitte zu, ist doch die Wallfahrt zum Petersgrab das zentrale Element jeder Heilig-Jahrpilgerfahrt. Vieles im Heiligen Jahr prägt insbesondere das Lebensbeispiel des Apostels Petrus, der für jeden Katholiken als ein zutiefst menschlicher Anker gläubiger Identität vorgestellt wird. In den Schuhen des Fischers folgt der jeweilige neue Petrus, der Papst und Bischof von Rom. Grund genug im Akademischen Forum in Kooperation mit der Görres-Gesellschaft sich aus einer weiteren Perspektive mit dem Heiligen Jahr auseinander zu setzen.
Am Abend setzte Dr. Thomas Kieslinger jedoch zunächst auseinander, welchen Effekt aus verschiedenen Gründen nicht gefeierte Heilige Jahre auf die Gläubigen machten und konzentrierte sich dabei auf das 19. Jahrhundert. Von der napoleonischen Besetzung Roms bis zum Ende des Kirchenstaats und dem Kulturkampf war die römisch-katholische Kirche Ereignissen ausgesetzt, die sie als Institution schwer erschütterten. Dr. Kieslinger stellte diese Vorgänge orientierend dar und nahm durch zahlreiche zeitgenössische Dokumente und Berichte die Teilnehmenden regelrecht mit auf eine Zeitreise. Dabei zeigte sich, wie wichtig die Jubeljahre für die katholische Identität waren und wie sie als Mittel der Glaubensverkündigung und Bindung an den Nachfolger Petri gestaltet wurden. Was heute oft wenig beachtet wird, wurde einst schmerzlich vermisst oder intensiv mitvollzogen, wobei die jeweilige Persönlichkeit des amtierenden Papstes die Jubeljahre entscheidend prägte.
Prof. Dr. Manuela Annibali aus Rom absolvierte den Postgraduiertendiplomstudiengang der Päpstlichen Universität Gregoriana „Geschichte und Kunst der Jubeljahre“ und konnte als Mitarbeiterin der Dombauhütte St. Peter aus dem vollen schöpfen. Sie ermöglichte vor dem geistigen Auge eine Pilgerfahrt "Zum Grab des Fischers" und gab detaillierte und kundige Einblicke in die Kunst- und Frömmigkeitsgeschichte und führte detailliert in die Baugeschichte des Petersdomes ein. Insbesondere die Verehrung der vera icona, des Schweißtuchs der Veronika, das seit wohl über Tausend Jahren im Petersdom verehrt wird, war für viele Teilnehmende ein novum.
Vortragsstationen waren insbesondere:
Vom Obelisken auf dem Petersplatz, der ein historischer Zeuge des Martyriums Petri ist, durch die Heilige Pforte über die Bronzestatue des Apostelfürsten hin zum Grab des Fischers, das von dem majestätischen, kürzlich restaurierten Baldachin Berninis geschützt wird.
Das Petrusgrab birgt eine faszinierende archäologische Entdeckung, die zusammen mit anderen wissenschaftlichen Forschungen, die auf das Heilige Jahr 2025 durchgeführt wurden, präsentiert wird.
Eine Überraschung war der besondere Bezug zur Stadt Augsburg im Zusammenhang mit der allerersten Öffnung der Heiligen Pforte in der Vatikanbasilika: Einzig über ein Gemälde des Augsburger Malers Hans Burgkmair, Der Petersdom (1501) in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Augsburg haben wir eine Vorstellung von der Gestaltung der ersten Heiligen Pforte in Altsanktpeter.
Schließlich berichtete Prof. Annibali noch von den festlichen Illuminationen mit Öllichtern und Fackeln, zuletzt 1950, der Petersdomfassade und Kuppel, die bereits Johann Wolfgang von Goethe auf einer Romreise in helles Erstaunen versetzt hatte. Der Großvater Annibalis war als vatikanische Facharbeitskraft, als sog. Sampietrino bei der Beleuchtung beteiligt.