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Nachruf

Pfarrer i.R. P. Franz Kratzel SAC verstorben

10.09.2026 12:14

Der Pallottinerpater und langjährige Pfarradministrator von Althegnenberg Franz Kratzel ist am Dienstag, 25. August, im Alter von 90 Jahren verstorben. Er wurde am 14. Juni 1936 in Černá Voda/Schwarzwasser geboren und am 14. Juli 1963 zum Priester geweiht. Der Gemeinschaft der Pallottiner gehörte er seit dem 1. Mai 1959 an. Seine Mitbrüder würdigen ihn als Seelsorger "mit ganzem Herzen".

+ Pfarrer i.R. P. Franz Kratzel SAC ( 1936-2026) (Foto: Pallottiner)

Franz Kratzel wurde am 14. Juni 1936 in Černá Voda/Schwarzwasser (Sudentenland) als jüngster von drei Söhnen des Landwirts Franz sen. und seiner Gattin Wilhelmine, geborene Altmann, geboren. Hier wurde er vier Tage später in der Pfarrkirche getauft. Seit seinem sechsten Lebensjahr besuchte er die ersten drei Klassen der Volksschule, bis die Familie im Mai 1946 ausgewiesen wurde. Die Familie gelangte über das Auffanglager „Muna“ in Niklasdorf schließlich mit einem Flüchtlingszug nach Sinsheim in Baden, wo die Familie in Elsenz eine neue Heimat fand. Franz Kratzel besuchte hier die Volksschule ab der 4. Klasse. Angeregt durch seinen älteren Bruder Berthold, der als Schüler das Gymnasium St. Paulusheim der Pallottiner in Bruchsal besuchte, wuchsin ihm selbst der Wunsch, einmal Priester und Ordensmann zu werden. Er ersuchte um Aufnahme in das St. Paulusheim, das er ab 1948 besucht. Dort legte er im März 1957 die Reifeprüfung ab. Schon kurz zuvor bat er in das Noviziat der Pallottiner eintreten zu dürfen, wie es zuvor schon sein Bruder getan hatte. Die Mitbrüder, die ihn als Schüler kannten, stellten ein gutes Zeugnis aus und bescheinigten ihm, ein ruhiger, ausgeglichener und verantwortungsbewusster Mensch zu sein. So wurde er einstimmig zum Noviziat in Untermerzbach zugelassen. Hier begann er auch mit dem Studium an der Philosophischen Hochschule der Gemeinschaft und legte am 1. Mai 1959 vor P. Provinzial Sittenauer die erste Profess ab.

Von Mai 1960 bis März 1964 studierte Franz Kratzel in Vallendar an der Hochschule der Gemeinschaft Theologie. Am 1. Mai 1962 legte er in Hofstetten die ewige Profess ab. In Vallendar empfing er im März 1963 die Diakonenweihe und am 14. Juli 1963 in der Kirche Heilig Geist in Augsburg-Hochzoll durch Weihbischof Josef Zimmermann die Priesterweihe. Es folgten das Pastoraljahr an unserem Pastoraltheologischen Institut in Friedberg und Seelsorgedienste in Kleinheubach am Main und in Mering bei Augsburg. 1965 ernannte ihn der Provinzial zum Spiritual am St. Paulusheim in Bruchsal. Diese Aufgabe versah er bis Sommer 1969. Er wechselte dann als Religionslehrer nach Bayreuth an das Richard-Wagner-Gymnasium. Zugleich wurde er dort zum Stadtkaplan in der im gleichen Jahr neuerrichteten Pfarrei Hl. Geist berufen. Hier begleitete er in einer Diasporasituation zusammen mit Pfarrer P. Josef Spieler SAC neben der Planung und Errichtung einer Kirche mit Pfarrzentrum vor allem den Aufbau des Gemeindelebens. Die kleine Hausgemeinschaft in einer Mietwohnung wurde noch durch die Pallottinerpatres Albert Doits und später Rudolf Glaser als Krankenhausseelsorger ergänzt. Die Gottesdienste fanden in den Anfangsjahren im Rokokosaal des Ordensschlosses Sankt Georgen (der zur JVA gehörte) statt. Erst 1973 konnte mit dem Kirchbau an der Hugenottenstraße begonnen und 1974 das neue Pfarrhaus bezogen werden. Schließlich erfolgte 1975 die Einweihung der Kirche.

Vor allem den Dienst in der Schule versah P. Kratzel mit großem Eifer und kreativer Freude bis 1982. Anschließend wirkte er fast zwanzig Jahre als Pfarrer für den Bundesgrenzschutz im Präsidium Süd. Von dieser Zeit hat er später oft mit strahlenden Augen erzählt. In all den Jahren war ihm das ökumenische Leben ein besonderes Anliegen, wie auch herzliche Freundschafsbande mit den evangelischen Seelsorgern zeigen, die auch seine Dienstzeit überdauerten.

Mit dem 1. Februar 2002 übernahm er als „hauptamtlicher Pfarradministrator“ die Pfarreien St. Johannes Baptist Althegnenberg, St. Andreas Hörbach und St. Peter und Paul Hochdorf im Bistum Augsburg. Das kam seinem Wunsch entgegen, in der ordentlichen Seelsorge bei den Menschen zu sein und mit ihnen in unterschiedlichen Dörfern Gemeinschaftsleben zu gestalten. Der damalige Provinzial P. Scharler würdigte ihn in einem Brief: „Als echter Pallottiner hast Du die Seelsorge den Menschen auf Augenhöhe nahegebracht“. Mit dem Eintritt in den Ruhestand als Pfarrer wechselte P. Franz Kratzel in die Seniorenstation im Haus St. Vinzenz Pallotti in Immenstaad am Bodensee. Hier war er für einige Jahre das Bindeglied zwischen den Mitbrüdern auf der Seniorenstation und denen, die im Haus St. Josef in Schloss Hersberg lebten. Von 2023 – 2026 war er daher beratendes Mitglied des Hausrats.

"Mit Pater Kratzel verlieren wir einen Mitbruder, der mit ganzem Herzen Seelsorger war", heißt es im Trauerbrief der deutsch-österreichischen Pallottinerprovinz. Vielen Menschen aus früheren Wirkungsstätten ist er bis zum Schluss verbunden geblieben. Das gilt auch für seinen Kontakt zu den sudentendeutschen Landsleuten, den er ebenso pflegte wie sein verstorbener Bruder Berthold. Seine letzte Lebensphase war mit einem deutlichen Nachlassen der Kräfte verbunden. Zu seinem 90. Geburtstag vor wenigen Wochen haben sich viele Gratulanten eingefunden oder ihm geschrieben. In den späten Abendstunden des 25. August verstarb P. Franz Kratzel in Immenstaad.

Das Requiem für P. Franz Kratzel fand am 2. September in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg statt. Seine letzte Ruhe fand er auf der Pallottinersektion des dortigen Friedhofs.

Der Herr vergelte ihm seine treuen Dienste. Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen.