Nachhaltige Unterstützung
Bischof Bertram hat in den vergangenen Tagen langjährige Projektpartner aus der Ukraine im Bischofshaus empfangen. Am Donnerstag traf er sich mit Weihbischof Volodymyr Firman aus der Erzeparchie Ternopil-Zboriv, während er an diesem Dienstag dort Teodor Matsapula begegnete, der als Bischof der Eparchie Mukatschewo zugleich Oberhaupt der ruthenischen griechisch-katholischen Kirche ist.
Die im äußersten Westen der Ukraine gelegene Eparchie Mukatschewo ist wie alle anderen Teile der Ukraine stark vom Krieg betroffen. Als westlichster Landesteil sammeln sich hier besonders viele Binnenflüchtlinge; so ist die Regionalhauptstadt Uschhorod seit Beginn des russischen Angriffskriegs von 120.000 auf über 250.000 Einwohner angewachsen. Zudem vergeht trotz der Entfernung zur Front kaum ein Tag ohne russische Raketen- und Drohnenangriffe, die oft auch gezielt auf zivile Ziele gerichtet sind. Die Eparchie Mukatschewo ist stark darin engagiert, die Geflüchteten, Kriegsgeschädigten und Hinterbliebenden pastoral wie materiell zu unterstützen. Dabei ist gerade in der sprachlichen und ethnischen Vielfalt der Region eine gute Kommunikationsarbeit vonnöten, bei der die Eparchie vom Bistum Augsburg tatkräftig unterstützt wird.
Die Eparchie Mukatschewo liegt im äußersten Westen der Ukraine und stellt kirchengeschichtlich einen Sonderfall dar, gehört die Diözese doch weder zur ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, wie sie im Rest der Westukraine verbreitet ist, noch zur katholischen Kirche im lateinischen Ritus. Das gebirgige Grenzland der Karpaten, das heute zwischen der Ukraine, Rumänien, Ungarn und der Slowakei aufgeteilt ist, wurde im 17. und 18. Jahrhundert durch die Kirchenunion von Uschhorod größtenteils katholisiert, wobei dort aufgrund der sprachlichen, ethnischen und später auch politischen Diversität der Region nie eine übergreifende kirchliche Struktur aufgebaut werden konnte. Die ruthenische griechisch-katholische Kirche, die in Europa mit dem Bischof von Mukatschewo ihren ranghöchsten Vertreter hat, unterteilt sich hier in die Eparchie Mukatschewo sowie das Apostolische Exarchat Tschechien mit Sitz in Prag, die beide direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt sind. Der 45-jährige Teodor Matsapula ist seit 2024 Bischof der Eparchie und damit das Oberhaupt der ruthenischen Kirche.
Die ukrainisch griechisch-katholische Erzeparchie Ternopil-Zboriv wiederum liegt rund fünf Autostunden nordöstlich von Mukatschewo. In ihr stehen viele Geistliche vor existenziellen Nöten. Das geringe Einkommen aktiver Priester, die meist auch verheiratet sind, reicht oft schon kaum aus. Noch prekärer ist die Situation im Ruhestand, da die staatlichen Renten für Priester nur bei durchschnittlich 60 Euro liegen und keine ausreichende soziale Absicherung bieten. Um dieser Härte entgegenzuwirken, hat die Erzdiözese einen Solidaritätsfonds eingerichtet.
Zur langfristigen Finanzierung des Fonds setzt die dortige Bistumsleitung auf ein zukunftsorientiertes Projekt: Der Aufbau eines Solarfeldes soll eine stabile, unabhängige Einnahmequelle schaffen. Durch Eigenverbrauch und die Einspeisung von umweltfreundlichem Strom werden sichere Einnahmen generiert. Zudem wird soziale Fürsorge direkt mit Nachhaltigkeit und ökologischer Verantwortung verknüpft und hilft, die durch den russischen Angriffskrieg angeschlagene Energieinfrastruktur des Landes zu stützen.
Vorangetrieben wird die Initiative von Metropolit Teodor Martynyuk, unterstützt wird er von Weihbischof Wolodymyr Firman, der bereits erfolgreich landwirtschaftliche und soziale Strukturprojekte in der Region initiiert hat. Durch die Solaranlage, die auf kirchlichem Boden aufgebaut werden soll, gelingt der Eparchie ein wegweisender Schritt: Das Projekt verbindet soziale Fürsorge direkt mit ökologischer Schöpfungsverantwortung. Man sichert die Grundversorgung der Priester und leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und Wiederaufbau.
Bereits vor Ausbruch des Krieges unterstützte das Bistum Augsburg den Bau eines Bildungs- und Pastoralzentrums der Erzeparchie am Wallfahrtsort Zarvanytsia, der ein wichtiges religiöses Zentrum für weite Teile des ehemaligen Galiziens darstellt. Neben den Gebäuden am Wallfahrtsort besitzt die Erzdiözese einen landwirtschaftlichen Betrieb mit aktuell rund 200 Nutztieren. Mit den daraus erwirtschafteten Erträgen wird die soziale und pastorale Arbeit, das Priesterseminar, die Wallfahrtsstätte und vieles mehr finanziert.
Die religiöse Situation in der Ukraine ist vielfältig und spiegelt die komplexe Geschichte der Region wider. Zahlenmäßig am stärksten vertreten ist die Orthodoxe Kirche der Ukraine, die den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel als ihr Oberhaupt anerkennt und der knapp die Hälfte der Landesbevölkerung angehört. Neben ihr existiert die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, die bis 2022 dem Moskauer Patriarchat unterstellt war, diese Verbindung mit Kriegsbeginn jedoch aufgekündigt hat. Im Westen des Landes ist als Folge der jahrhundertelangen polnischen und österreichischen Herrschaft über das Gebiet wiederum die katholische Kirche stark vertreten. Neben der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche mit ihren über drei Millionen Mitgliedern allein in der Ukraine sind dies die katholische Kirche des lateinischen Ritus mit etwa eineinhalb Millionen und die ruthenische griechisch-katholische Kirche mit geschätzt etwa einer halben Million Gläubigen. Die armenisch-katholische Kirche war einst im Raum Lemberg stark vertreten, zählt heute aber in der gesamten Ukraine nur mehr eine Handvoll Mitglieder.