Ein Bündel voller Hoffnung
Augsburg (IBA). „Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“, heißt es im Evangelium nach Lukas. Mit dem Wickelkind war der Sohn der Gottesmutter Maria, das Jesuskind gemeint. In Anlehnung an die Überlieferung des Lukasevangeliums kam seit dem dritten Jahrhundert das so genannte „Fatschenkind“ auf. „Fatsche“ rührt von dem lateinischen Wort „fascia“ – „Die Binde“ oder „das Wickelband“. Fast vergessen ist der Weihnachtsbrauch des „Kindelwiegens“, der bis in das 19. Jahrhundert gepflegt wurde. Hierzu wurde ein „Fatschenkind“ zunächst in eine Krippe gelegt, die in der Kirche aufgestellt war. Während Kinder vor dieser Krippe tanzten, wurde das wächserne Jesuskind von Arm zu Arm gereicht oder in der Krippe gewiegt. Mit dieser Prozedur sollte die Menschwerdung Jesu Christi durch seine Geburt an Weihnachten besonders anschaulich werden, und die Hoffnung der Menschen auf Rettung durch dieses kleine Wesen demonstriert werden.
Im Mittelalter war es üblich, Novizinnen Jesusfiguren zu schenken. Diese Figuren waren wie alle Babys seit dem 14. bis mindestens in das 19. Jahrhundert bis auf die Arme fest mit Binden eingeschnürt, also „gefatscht“. Kostbar gekleidet und in Glaskästchen aufbewahrt dienten diese Puppen zur persönlichen Jesusverehrung in der Klosterzelle. Da in der damaligen Zeit Ordensschwestern in der Regel ab ihrem Eintritt ins Kloster jeder Kontakt zu ihren Elternhäusern untersagt war, galt das Jesuskind in der Form des „Fatschenkindes“ als so genanntes „Trösterlein“. In der Diözese Augsburg ist eine Auswahl vielfältiger historischer Fatschenkinder im Dominikanerinnenkloster Maria Medingen ausgestellt. Auch die dort besonders verehrte Mystikerin Margareta Ebner (1291-1351) war in Besitz eines „Trösterleins“. Dieses befindet sich am Altar in der Margaretenkapelle, wo sie begraben ist.