DAS SCHÖNE FINDEN UND LIEBEN -
Vortrag Wolfgang Frühwald über den Glauben Friedrich Schillers
Was ist das für ein Gott, an den Friedrich Schiller glaubte? Der Dichter sprach von Vorsehung, von Schönheit und von dem, "der richtet droben über den Sternen". Auf Einladung des Akademischen Forums suchte der Germanist Prof. Wolfgang Frühwald nach dem, was in den Augen des Dichters "die Bestimmung des Menschen" ist. Der Schauspieler Dieter Goertz rezitierte die besprochenen Textstellen.
Als Schiller in Jena seine Antrittsvorlesung in Universalgeschichte hielt, sei neu in seiner Auslegung der Schöpfungsgeschichte das "ungemein positive Menschenbild" gewesen, "geprägt vom Vertrauen in die moralische Kraft der Vernunft", so Frühwald. Schiller habe die grundlegende Vermutung geäußert, "dass der Mensch aus der ursprünglichen Einheit des Lebendigen" kommt. Madame de Staël schrieb über ihre Begegnung mit Schiller im Winter 1803: "Er lebte, sprach und handelte, als ob es auf der Welt keinen bösen Menschen gäbe." Die Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit scheint deutlich in Schillers "Räuber" auf, wenn im fünften Akt Franz Moor fragt: "Richtet droben einer über den Sternen öd, einsam, taub ist´s droben über den Sternen - wenn´s aber doch etwas mehr wäre?"
Den Zuhörern wieder in Erinnerung gerufen wurde bei dem Vortrag der Schluss von Schillers "Lied von der Glocke": "Soll eine Stimme sein von oben / Wie der Gestirne helle Schar, / Die ihren Schöpfer wandelnd loben ".
"Schiller muss sich heimisch gefühlt haben in Kants Gedankenwelt", führte Prof. Frühwald aus. Während seiner Krankheit ab 1791 habe Schiller intensiv Kant gelesen. Von jetzt ab sei der Dichter als "Sänger des Ideals ins Bewusstsein des Menschen getreten", überzeugt davon, "dass es in der Welt etwas Besseres geben muss", eine "göttliche Verantwortung", etwas, "was das Menschliche übersteigt".
Der Glaube von Schiller, so Frühwald, sei ein "ästhetischer Glaube". Demzufolge sei die Bestimmung des Menschen, "das Schöne zu suchen, es manchmal zu finden, es zu lieben und seinen Verlust zu beklagen". Frühwald: "Das ist gelebte, tätige Humanität."
Gerlinde Knoller, in: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 19. März 2009, Seite 40