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„HIER STEHE ICH ...“ Martin Luther aus katholischer Sicht

28.09.2016 17:08

Studiennachmittag im Akademischen Forum am Freitag, 23. September 2016

Prof. Dr. Josef Freitag, Universität Erfurt

 

 

 

Eine katholische Standortbestimmung ...

„Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!“ Dass Martin Luther diese Worte vor dem Reichstag in Worms gesprochen haben soll, ist eine Legende. Und doch beschreiben sie eindrucksvoll den Zwiespalt eines Menschen, der für seine Überzeugung gerade steht: allein Gottes Wort und die eigene Vernunft sollen Maßstab für den Glauben sein. Der Konflikt mit dem Lehramt der katholischen Kirche ist unausweichlich. Was aber treibt den Christenmenschen, Mönch und Theologieprofessor Martin Luther an? Welche theologischen und spirituell-mystischen Quellen prägten seinen Glauben? Wie und wohin wollte er die katholische Kirche verändern?

Auf diese Fragen gab Professor Josef Freitag, Dogmatiker an der Universität Erfurt und gefragter Gesprächspartner im ökumenischen Dialog, Antwort. In seinem Vortrag zeigte er den Weg des jungen Luther in die Klostergemeinschaft der Augustiner-Eremiten in Erfurt auf, seine Zweifel und Fragen sowie seine spirituell-mysthische Prägung durch Augustinus, Bernhard von Clairvaux und Ignatius von Loyola. Im Mittelpunkt seiner theologischen Entwicklung stand die Heilsfrage: „Wie finde ich einen gerechten Gott?“

Ein zweiter Vortrag „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ beleuchtete die großen Schritte der Annäherung und Aussöhnung, die katholische und evangelische Christen in den letzten Jahrzehnten aufeinander zugegangen sind. Viele missverständliche und verdächtige Sichtweisen konnten in regionalen wie nationalen ökumenischen Gesprächen, aber auch auf Weltebene mit einem neuen Verständnis beleuchtet werden – auch der Blick auf den Reformator selbst. Ein wichtiger Punkt war das Zweite Vatikanische Konzil, das die Sicht auf andere Kirchen und kirchliche Gemeinschaften weitete und zur Grundlage für ein neues Miteinander wurde: Alle stehen unter einem Christus.