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Glück – Illusion oder Lebensziel?

30.05.2017 18:50

Ottobeurer Studienwoche und Akademisches Forum befassten sich vom 25. bis 28. Mai 2017 mit dem Glück als Grundfrage menschlicher Existenz

v. li.: Prof. Dr. Mathias Binswanger (Olten), Prof. Dr. P. Emmanuel Bauer OSB (Salzburg) und Prof. Dr. Ralf Miggelbrink (Duisburg-Essen)

 

 

Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher?
Was können wir tun?

 

Professor Mathias Binswanger, Wirtschaftswissenschaftler an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, zeigte zu Beginn der Ottobeurer Studienwoche in seinem Vortrag empirische Forschungsresultate auf: Glückerleben in verschiedenen europäischen Ländern, Glück und wirtschaftliche Entwicklung, Glück und Einkommen bzw. sinnhafte Tätigkeit. Aber: Warum rennen die Menschen stets einem höheren Einkommen hinterher, obwohl sie mehr Einkommen nicht glücklicher macht und sie eigentlich lieber weniger Stress und mehr Zeit hätten? Es sind die „Tretmühlen“ in die die Menschen fallen. Binswanger zeigte schließlich in seinem Vortrag verschiedene Möglichkeiten bzw. Strategien auf, diesen zu entgehen.

Professor P. Emmanuel Bauer OSB von der Universität Salzburg referierte am Freitag und Samstag über das Verständnis von Glück und das glückliche Leben in der Philosophiegeschichte: Unterscheidung von eutychia und eudaimonia, das Verständnis bei Heraklit, Demokrit, Aristoteles, Seneca/Stoa und schließlich bei Epikur.

In einem zweiten Vortrag stellte Bauer die Frage, ob der Mensch wirklich seines eigenen Glückes Schmied ist. Der Mensch muss etwas tun für sein Glück und das richtige Lebensmaß für sich finden (Flow-Kanal zwischen Herausforderung und Fähigkeit). Was viele Menschen als glückliches Leben empfinden ist oft nur Zufriedenheit. Letztlich sind es die Glücksblockaden von Angst, Habgier oder Narzissmus, die uns hemmen. Anhand von vier Beispielen zeigte Bauer schließlich auf, was der Einzelne zu seinem Glück tun kann: eigene Möglichkeiten entdecken  und diese mit Entschiedenheit und Hingabe leben, präsent sein und der kontemplativen Dimension (Stille) im Leben Raum geben.

Unser Fragen nach Gott und dem Glück zeigte in einem letzten Vortrag der Studienwoche Professor Ralf Miggelbrink von der Universität Duisburg-Essen in drei Schritten auf. Glück in der Gegenwart Gottes, wie es die hochmittelalterliche Philosophie und Theologie verstand: die Haltung der eudaimonia, der tugendhafte Mensch, Welt als Ort der Bewährung.

Das ferne Glück unter den Bedingungen der Transzendenz Gottes: Wie kann der Mensch angesichts der Welt überhaupt glücklich sein? Schließlich Glücksperspektiven der gegenwärtigen Theologie: Erlebnisperspektive des Selbstbewusstseins; Unverfügbarkeit der Glückserfahrung; Gabecharakter des Glücks; Wachsamkeit gegenüber Glück.