DIE BAYERN ... und was wir über ihre Anfänge und ihre ältesten Rechtstexte wissen sollten
Studiennachmittag zur Frühgeschichte Bayerns am Freitag, 19. Januar 2018 im Akademischen Forum
Eigentlich galt die Frühgeschichte Bayerns als fast geklärt. Doch im Licht der jüngeren Forschung ergeben sich mehr Fragen denn je. Dr. Irmtraut Heitmeier, Lehrbeauftragte am Institut für Bayerische Geschichte der LMU-München, zeigte in ihrem Vortrag „Von den Baiovaren zur Baiovaria – neue Zugänge zur bayerischen Frühgeschichte“ auf, dass die These von einer Abstammung der Bayern aus Böhmen heute nicht mehr haltbar ist. Auch kann man nicht von der Herkunft eines Volkstammes der Baiern sprechen, die bereits eine eigene Identität aufweisen konnten, sondern vielmehr von einer Gruppe verschiedenster Abstammungen, die sich im 5. Jahrhundert zum Volk der Baiern formierten und miteinander identifizierten.
Dr. Roman Deutinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zeigte in seinem Vortrag „Das Recht der Bayern: Eine Spurensuche im frühen Mittelalter“ die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Lex Baioariorum auf. Die Rechtssammlung ist der älteste in Bayern verfasste Text und das älteste Zeugnis für die bairische Sprache. Die Sammlung basiert auf einem ausgefeilten System aus Gesetzen und Strafen, die von christlichen Vorstellungen durchdrungen waren: so herrschte beispielsweise am Sonntag Arbeitsverbot. Erstaunlich und heute hochaktuell sind auch die Bestimmungen zum Kirchenasyl.
Der Studiennachmittag bot einen interessanten Ausflug in die Geschichte und die Anfänge Bayerns, was auch zu einer lebhaften Diskussion mit den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern führte.