1521 — Fuggerei — 2021. Stiftungen als Akt religiöser Selbstvorsorge
Tagung in Kooperation mit der Katholischen Akademie in Bayern und den Fuggerschen Stiftungen am Freitag, 24. Juni 2022
Die Fuggerei in Augsburg ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die von Jakob Fugger dem Reichen im Jahr 1521 gestiftete Reihenhaussiedlung wird bis heute aus dem Stiftungsvermögen unterhalten. Die Jahreskaltmiete beträgt 0,88 Euro sowie die Verpflichtung zu täglich drei Gebeten für den Stifter und die Stifterfamilie Fugger.
Als Vorprogramm zur Tagung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit an einer Führung durch die Fuggerei teilzunehmen. Der Administrator der Fuggerei, Wolf Dietrich Graf von Hundt erläuterte die Geschichte und das Verständnis der Fuggerei: „Man arbeitet bei den Fuggerschen Stiftungen für den Zweck, nicht für das Geld.“
Im Anschluss daran konnten die Teilnehmer die Räume des Seniorats, die für gewöhnlich nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind, besichtigen sowie die Anlage der Fuggerei mit Sozialraum, Museum und einer Modellwohnung.
Am Nachmittag begann im Haus Sankt Ulrich schließlich eine Tagung zu mittelalterlichen und neuzeitlichen Stiftungen.
Professor Dr. Dietmar Schiersner von der PH Weingarten und Stiftungsarchivar der Fuggerei, beschrieb in seinem Vortrag Stiftungen, die vor der Gründung der Fuggerei bereits bestanden und zum Modell für die Fuggerei wurden. Ein wesentlicher Aspekt war dabei die Grundintention, in Not geratene Arbeiter und Handwerker vor dem Prekariat zu schützen. Hier galt von Anfang an der Kerngedanke: „Fördern und Fordern“ sowie „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Professor Dr. Stefan Ihli, Rottenburg, stellte in seinem Vortrag das rechtsgeschichtliche Verständnis und die gegenwärtige Rechtslage für Stiftungen im BGB, im Bayerischen Stiftungsrecht und im Recht der Katholischen Kirche (CIC) vor.
„Stiftungen in religiösem Kontext: Ein Beitrag zur Ökonomisierung des Befreiungshandelns Gottes?“ lautete der Vortrag von Professorin Dr. Gerda Riedl, Augsburg. So waren es überwiegend religiöse und persönliche Beweggründe, wenn reiche Bürger sich durch Stiftungen ihr Seelenheil im Jenseits „erkaufen“ wollten. dies führte auch zu einer gewissen Ökonomisierung des Religiösen.
Anhand von drei Beispielen (Cusanus-Stift in Bernkastel-Kues, das von Jean Rolin gestiftete Hotel Dieu in Beaune, Die Grablegekapellen der Familie Fugger in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg) zeigte Professor Dr. Wolfgang Augustyn vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, Stiftungen als eine Welt für sich auf, die unterschiedlich von religiösen, sozialen und kulturellen Aspekten bestimmt sind.
Hinweis: Die Vorträge werden in der Zeitschrift „Zur Debatte“ der Katholischen Akademie in Bayern im Herbst 2022 veröffentlicht. (www.kath-akademie-bayern.de)