„So will ich mein Kreuz weiter tragen…“
Liebe Schwestern und Brüder! In der Heiligen Woche begleiten wir Jesus auf den letzten Stationen seines irdischen Lebensweges. Heute feiern wir seinen triumphalen Einzug in Jerusalem. Am Donnerstag lädt er uns in den Abendmahlssaal ein, und am Karfreitag gedenken wir seines Leidens und Sterbens. Warum tun wir das? Was ist der Sinn unseres Feierns?
Was in dieser Woche geschieht, ist der tiefste Inhalt unseres Lebens. Den Sinn unseres Daseins finden wir weder in Florida noch auf Mallorca, sondern darin, als Jünger Christi in seine Fußstapfen zu treten: „Mir nach, spricht Christus, unser Held ...!“ (GL 461) Die Heilige Woche zeigt uns: Auch das Leben eines Christen ist spannend - im wahrsten Sinn des Wortes. Es muss die Spannung aushalten zwischen Bangen und Hoffen, zwischen Angst und Freude, zwischen Tod und Leben. Dazu gehört das Kreuz. Ohne Karfreitag kein Ostern, ohne Kreuz keine Auferstehung.
Lassen wir dazu heute den seligen Pater Rupert Mayer zu Wort kommen: „Am Kreuz kommt niemand vorbei, sei es nun groß oder klein, und die es nicht tragen wollen, sind unglückliche Menschen.“ Der Jesuit wusste, wovon er sprach: Denn sein Leben war ein jahrelanger Kreuzweg.
Infolge seiner Verwundung im Ersten Weltkrieg hatte er täglich Schmerzen bis zum Lebensende. Als „Apostel der Nächstenliebe“ von München trug er das Kreuz mit den Armen und Obdachlosen, die in Scharen zu ihm kamen - oft unverstanden von seinen Oberen. Als Zeuge des Glaubens nahm er willig das Kreuz der Bespitzelung, der Bedrohung, der Gefangenschaft, der ungerechten Verurteilung, ja des Konzentrationslagers auf sich. Das drückendste Kreuz aber waren für ihn die viereinhalb Jahre Internierung in Ettal, wo er nicht mehr für den Glauben kämpfen, sondern nur noch leiden konnte. Diese viereinhalb Jahre waren für ihn die lange Karwoche seines Lebens. Wie es in seinem Inneren aussah, verraten folgende Worte:
„Seitdem bin ich lebend ein Toter, ja dieser Tod ist für mich, der ich noch so voll Leben bin, viel schlimmer als der wirkliche Tod, auf den ich schon so oft gefasst war.“ Und im gleichen Bericht fährt er fort: „So will ich das Kreuz weiter tragen.“
Liebe Schwestern und Brüder!
Pater Rupert Mayer hat das Kreuz getragen. Er hat es weder verdrängt noch evakuiert. Aber das Kreuz hat auch ihn getragen - durch die Dunkelheit hindurch, in das Licht des Ostermorgens. Die Seligsprechung ist das Siegel der Kirche darauf, dass Pater Rupert Mayer eingegangen ist in das österliche ewige Leben.
„Am Kreuz kommt niemand vorbei, sei es nun groß oder klein, und die es nicht tragen wollen, sind unglückliche Menschen.“ Folgen wir dem kreuztragenden Herrn heute, in dieser Heiligen Woche, in unserem täglichen Leben, und beten wir nach, was uns Pater Rupert Mayer vorgebetet hat:
Herr, wie Du willst, soll mir gescheh’n
und wie du willst, so will ich geh’n,
hilf deinen Willen nur versteh’n.
Herr, wann du willst, dann ist es Zeit,
und wann du willst, bin ich bereit,
heut und in alle Ewigkeit.
Herr, was du willst, das nehm‘ ich hin,
und was du willst, ist mir ein Gewinn,
genug, dass ich dein Eigen bin.
Herr, weil du’s willst, drum ist es gut;
und weil du’s willst, drum hab‘ ich Mut.
Mein Herz in deinen Händen ruht.
Amen.