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Prozession durch die Augsburger Innenstadt

Fronleichnam: „Die Eucharistie fordert zur Entscheidung heraus“

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“. Bischof Dr. Bertram Meier forderte heuer die Gläubigen in seiner Predigt dazu auf, den Glauben nicht zu einer Privatsache zu machen, sondern ins öffentliche Leben hinauszutragen, weil die Gesellschaft die Stimme der Kirche benötige. Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst im Dom fand die traditionelle Prozession durch die Innenstadt statt, bei der an vier Stationen der Sakramentale Segen gespendet wurde.

Vom Dom aus zogen die Gläubigen am Fronleichnamstag in Prozession die Maximilianstraße entlang. (Fotos: Leander Stork / pba)

„Jede und jeder von uns soll im eigenen Leben, im Beruf und Stand für die Mitmenschen ein anderer Christus sein. Wir alle sind Repräsentanten Christi“, so der Bischof am Beginn seiner Predigt. Aber die sakramentale Weihe schaffe hier keinen Automatismus. Um Christus zu repräsentieren, brauche der Geweihte nicht nur ein Dokument, sondern den „Ausweis der Glaubwürdigkeit“. Heute werde zudem auch klar, dass die Repräsentanz Christi Transparenz und Konsequenz erfordere. Bischof Bertram: „Nur so sind wir Christi Visitenkarten – und jeder, der uns trifft, soll spüren, dass er eine gute Adresse hat.“ Ein anderer Christus für die Menschen zu sein bedeute, sich der Vollmacht der Kinder Gottes, Kraft ihrer Salbung und Sendung durch Taufe und Firmung, bewusst zu sein und den anderen Liebe zu erweisen. Ein anderer Christus für die Mitmenschen zu sein heiße aber auch, Denken, Reden und Tun auf das ewige Ziel hin auszurichten.

Fronleichnam als Glaubensdemonstration

Eine große Abordnung der Dommusik begleitete Gottesdienst und Prozession.

Jesus selbst wisse, was die Menschen bräuchten. Aber er belasse es nicht dabei, die Massen mit Brot zu versorgen. Er nehme vielmehr den Hunger der Menschen zum Anlass, um ihren Hunger nach dem ewigen Leben zu wecken. „Der göttliche Pädagoge speist Tausende, um sie auf das lebendige Brot hinzuweisen, das vom Himmel gekommen ist, sein Fleisch, das er hingibt für das Leben der Welt“, so der Bischof. Die Eucharistie fordere aber zur Entscheidung heraus. Deshalb zeigte er sich auch über die rege Teilnahme der Gläubigen an dem Fest begeistert: „Schön, dass wir öffentlich Fronleichnam feiern können. Dieses Fest ist mehr als Folklore, es ist auch keine Militärparade, sondern eine Glaubensdemonstration. Danke für dieses starke Zeugnis.“

Gleichzeitig rief er dazu auf, sich angesichts von Missbrauch und Vertrauenskrise nicht ins Private zurückzuziehen. „Die Gesellschaft von heute – die Menschen mitten in ihren Ängsten um Krieg, Inflation und Rezession – braucht die Stimme der Kirche(n)“, so seine Meinung. Die Politik allein schaffe es nicht, die Krisen zu lösen.

Gläubige begleiten die Monstranz durch die Innenstadt

Auf dem Domplatz endete die Prozession mit dem Segen des Bischofs.

An der ersten Station auf dem Rathausplatz beteten die Gläubigen „für unseren Ort und seine Bewohner“. In den Fürbitten gedachte die Gemeinde außerdem den Verantwortungsträgerinnen und -trägern sowie der Eheleute und Familien. Vor dem großen Herkulesbrunnen stand die Station unter der Überschrift „für die Schöpfung, für unser Volk und alle Völker der Erde“. Nach Evangelium, Lobpreis und Fürbitten erteilte Weihbischof Florian Wörner den Segen mit der Monstranz. Mit Blick auf die St. Moritzkirche betete die Gemeinde an der dritten Station „für die Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen“. Der Abschluss erfolgte wie gewohnt auf dem Domplatz mit dem Gebet für Kirche und Gläubige. Das große „Te deum“ beendete die Prozession, die auch von einer großen Musikkapelle und Fahnenabordnungen sowie Studentenverbindungen, Ordensmitgliedern und Priesterseminaristen begleitet worden war.  Die gesangliche Gestaltung oblag den Domsingknaben sowie dem Bläserensemble der Dommusik. Erstmal wirkten auch die Sängerinnen der neugegründeten Mädchenkantorei am Gottesdienst mit. Wie bereits in den vergangenen Jahren übernahmen Mitglieder der muttersprachlichen Gemeinden einzelne Lektorendienste und trugen auf Kroatisch, Portugiesisch, Ungarisch, Polnisch Italienisch und Syrisch-Aramäisch einzelne Bitten vor.

Verschiedene Fahnenabordnungen und Studentenverbindungen waren ebenfalls vor Ort.
Am Rathausplatz betete Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger für die Entscheidungsträger in der Stadt.
Wie gewohnt begleitete auch heuer die Musikkapelle Haldenwang die Prozession.