Abendveranstaltung des Akademischen Forums am 24. Januar 2012 mit dem Archäologen und Theologen Jürgen Zangenberg
JOHANNES DER TÄUFER WAR KEIN MITGLIED VON QUMRAN
Der Archäologe und Theologe Jürgen Zangenberg widerlegt falsche Vorstellungen von Qumran
Augsburg (25. Januar 2012). Welche Verbindungen hatte Johannes der Täufer zu Qumran? War er selbst Mitglied dieser Gemeinde? Wie soll man sich diesen Johannes vorstellen? Fragen über Fragen, die der Archäologe und Theologe Jürgen Zangenberg von der Universität Leiden in einem spannenden Vortrag vor rund 200 Zuhörer zu beantworten versuchte.
Auf der Grundlage der wenigen Aussagen des Neuen Testamentes hatten sich gerade um die Person Johannes des Täufers vielerlei Mythen im Laufe der Geschichte gebildet. „Johannes war ein Einzelgänger, der alle Tabus jener Zeit brach und er war in jedem Fall eine charismatische Persönlichkeit, der die Menschen aus Judäa und Jerusalem anzog.“
Seine sozialkritisches Auftreten und seine prophetische Predigt von der Umkehr begann er ca. 29/30 n. Chr. Überwiegend hielt er sich in der Wüste von Peräa auf der östlichen Seite des Jordan auf. Eine nähere Verbindung zur Siedlung Qumran am Nordwestufer des Toten Meeres schließt Zangenberg grundsätzlich aus. Überhaupt müsse Qumran heute ganz anders gedeutet werden, als es noch der Leiter des ersten Grabungsteams vermutete: Qumran war kein Essener-Kloster mit einer zölibatären Sekte, die das Endgericht Gottes erwartete. Diese These widerlegen auch die archäologischen Funde weiblicher und kindlicher Skelette in Qumran. Auch die These, die „Rollen von Qumran“ seien eine Art Bibliothek der Siedlung gewesen, ist nicht haltbar. Eher sei die Vermutung richtig, dass die Höhlenfragmente Reste von Schriften sind, die die Essener vor den Römern um 68 n. Chr. in Sicherheit brachten.