Theologische Abendveranstaltung im Akademischen Forum am 6. März 2012 mit Professor Langenhorst über die Frage nach Gott im Leid
„Hiob hat niemals gelebt, weil er immer lebt“
„Ich habe mich bemüht, aufrichtig und gut zu leben. Nun bin ich krank. Warum lässt Gott mich leiden?“ Die Klage über ein ungerechtes Schicksal ist uns vertraut. Wo ist Gott, wenn wir leiden? – Wie können wir uns im Leiden sinnvoll verhalten? Wie funktioniert Trost?
Diese Fragen wurden in dem gut besuchten Vortrag von Professor Langenhorst, Universität Augsburg, anhand der Person des alttestamentlichen Hiobs den Hörern nahe gebracht und erörtert. „Hiob hat niemals gelebt, weil er immer lebt“, lautet eine jüdische Überlieferung. Das Buch Hiob, eine Lehrdichtung mit pädagogischem Ziel, bündelt menschliche Grunderfahrungen mehrerer Jahrhunderte.
Der gottesfürchtige Hiob, ein Ideal, wird vom Satan herausgefordert: „Wir wollen sehen, ob er seinen Glauben behält, wenn wir ihm alles wegnehmen!“ Hiobs sprichwörtlich gewordene Antwort nach zahllosen Schicksalsschlägen lautet zunächst: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen.“
Hiob hat Freunde, die ihm helfen wollen, aber die Trostbegegnungen scheitern. Sie suchen eine Erklärung für sein Schicksal in seinem Leben. Eine problematische Denkweise, die auch heute noch verbreitet ist: „Das ist eine Strafe für begangenes Unrecht.“ – „Jeder verdient sein Schicksal.“ – „Jeder ist seines Glückes Schmid.“ Der Hinweis auf die Eigenverantwortlichkeit klärt aber nicht die Frage nach unverschuldetem Leid. Hiob nennt deswegen seine Freunde „Lügentüncher“: sie übermalen die Wahrheit. Hiob ringt mit Gott und rebelliert gegen Gott.
Gott erscheint, geht aber nicht auf die Anklage ein, sondern verweist auf die Schöpfung, die nach eigenen, oft nicht nachvollziehbaren Gesetzen funktioniert. Das Leben ist unberechenbar. Die Menschen sind in der Welt unverfügbaren Chaosmächten ausgesetzt, die Gott am Zügel hält. Er zeigt sich mächtiger. Das Buch Hiob will nicht vertrösten, es zeigt Gott als letzten Grund der Hoffnung im Leid auf.