BAUCH ODER KOPF? - Oder wie treffen Sie ihre Entscheidungen?
Bei einer Abendveranstaltung des Akademischen Forums am 25. September 2009 im Haus St. Ulrich referierte Dr. Tobias Haupt, Managementtrainer in München, über „Intuition“. Für die einen ist sie die Intelligenz des Unbewussten, für andere eine belächelte Gefühlswelt. Die zahlreichen Teilnehmer ließen sich über die Fragen „Wie funktioniert eigentlich Intuition? Welche Verlässlichkeit hat sie? Wo sind ihre Grenzen?“ informieren.
Wenn schwierige Entscheidungen anstehen, sind viele Menschen hin und her gerissen, ob sie besser auf ihren Verstand oder auf ihr Gefühl hören sollen. Wie funktioniert Intuition und wie allgegenwärtig und wichtig ist sie im Alltag? Kann sie dem rationalen Abwägen überlegen sein?
Intuition galt im abendländischen Denken einmal als sicherste Form der Alltagserkenntnis, wohingegen sie heute oft belächelt wird, gerade bei kognitiv sehr leistungsfähigen Personen. Wesentliche Aspekte der Intuition sind zum einen die Begabung, auf Anhieb eine gute Entscheidung zu treffen, ohne die zugrunde liegenden Zusammenhänge explizit zu verstehen und die schnelle Einsicht in Zusammenhänge und ihre Erkenntnis ohne bewusste rationale Schlüsse. Zum anderen ist es die Fähigkeit, Eigenschaften und Emotionen eines Menschen in Sekundenbruchteilen komplex zu erfassen. Intuition ist somit die zentrale Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und zur angemessenen Reaktion bei großer Komplexität der zu verarbeitenden Daten. Sie führt sehr oft zu optimalen Ergebnissen.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass man mit der Intuition manchmal zu besseren Entscheidungen kommt als mit dem bewussten Verstand. Das Unbewusste sei in der Lage, weitaus mehr Informationen zu berücksichtigen als das Bewusstsein, das zwar sehr präzise ist, jedoch mit nur wenigen Informationen klar kommt.
Zusammenfassend lauten die wichtigsten Funktionsmechanismen der Intuition:
Weniger ist mehr: Man sollte den Informationsüberschuss beseitigen, egal wie – durch partielle Ignoranz, Vergessen oder Konzentration auf ein Merkmal.
Das Beste zuerst: Eingeübte motorische Fähigkeiten und Erfahrung wirken wie Informationsausschaltung. Durch Routine gewinnt man Zeit, die beste Option zu wählen; das ist beispielsweise sehr wichtig beim Sport, im Kampfeinsatz und bei Notoperationen.
Es geht schneller: Schnelligkeit ist in diesem Zusammenhang ein Qualitätsmerkmal und verbessert tendenziell die Trefferquote und damit die Richtigkeit von Entscheidungen.
Die „Intelligenz des Unbewussten“ stoppt die Aufnahme überflüssiger Datenmengen, sobald das erste wichtige Kriterium erkannt ist. Die zugrunde liegende Regel funktioniert auch in anderen Bereichen: Sobald man die erste beste Frau (oder den ersten besten Mann) gefunden hat, halte man sich an sie (ihn) und man höre auf weiterzusuchen, sonst kommt man nicht mehr dazu, eine funktionierende Ehe aufzubauen.
Intuition ist sinnvoll bei ungenügender Informationslage und eingeschränkten Vorkenntnissen. Intuition konzentriert sich auf einen Faktor, und zwar den wichtigsten. Die Intelligenz des Unbewussten besteht darin, diesen auf Anhieb herauszufinden. Alle übrigen Daten und Informationen werden ausgeblendet; die Entscheidung wird sehr schnell getroffen. Die Schnelligkeit der Entscheidungsfindung ist ein Qualitätsmerkmal der Intuition und erhöht die Trefferquote.