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16.05.2013 15:33

48. Ottobeurer Studienwoche vom 9. bis 12. Mai 2013 beleuchtet den Umgang der Kirche mit ihrer Geschichte

Die Referenten (v. li. oben im Uhrzeigersinn): Prof. Dr. Martin Thurner, Prof. dr. Manfred Weitlauff, Prof. Dr. Gerd Häfner, Prof. Dr. Peter Neuner.
HEILIGE UND UN-HEILIGE KIRCHE

Ottobeuren (16. Mai 2013). „Wenn die Kirche etwas Reales ist, dann ist sie, wenn ihre Glieder Sünder sind und als Sünder Glieder bleiben, eben selbst sündig. Dann ist die Sünde ihrer Kinder Makel und Befleckung des heiligen, geheimnisvollen Leibes Christi selbst. Die Kirche ist eine sündige Kirche – das ist eine Glaubenswahrheit, nicht eine primitive Erfahrungstatsache. Und das ist eine erschütternde Wahrheit.“ Diese durchaus provokanten Sätze schreibt der große Theologe Karl Rahner in den Jahren 1947/48. Die Erfahrung, dass die Kirche heilig und sündig zugleich ist, zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte. Dabei geht es nicht um anonyme Strukturen, sondern um Menschen, die in der Kirche und für die Kirche wirken bzw. gewirkt haben, um Priester, Ordenschristen, Bischöfe, Päpste und nicht zuletzt auch Laien.

In vier Vorträgen befasste sich die Ottobeurer Studienwoche, die in Kooperation mit dem Akademischen Forum der Diözese Augsburg stattfand, mit unterschiedlichen Aspekten zu diesem Thema: Prof. Dr. Martin Thurner, Universität München, veranschaulichte in seinem Vortrag „Freiheit, Liebe, Erlösung.“ Motive der Kirchenkritik durch die Jahrhunderte. Am Beispiel des heiligen Franziskus und den verschiedenen kirchlichen Bewegungen seiner Zeit zeigte Prof. Dr. Manfred Weitlauff, München, auf, wie die Armutsbewegung im 13. Jahrhundert kirchliche Machtpositionen in Frage stellte. Prof. Dr. Gerd Häfner von der Universität München stellte die sog. historisch-kritische Exegese des 20. Jahrhunderts und deren langen Weg der Anerkennung durch das kirchliche Lehramt vor. Mit dogmatischen Überlegungen zum Begriff der „heiligen“ Kirche schloss die Studienwoche mit einem Vortrag von Prof. Dr. Peter Neuner, München.