des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) in der Basilika Ottobeuren
Eine Blasmusik-Symphonie: Allegro – Andante - Vivace
Liebe Mitglieder des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, liebe Schwestern und Brüder, „Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde! Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis! Halleluja.“ So lautet der Eröffnungsvers für diesen dritten Sonntag der Osterzeit.
Vor allem der zweite Satz – „Spielt zum Ruhm seines Namens!“ könnte eine wunderbare Überschrift auch für unseren heutigen Festgottesdienst sein anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, zu dem ich herzlich gratuliere. Denn es ist in der Tat so, wie der Präsident und ehemalige Staatsminister Franz Josef Pschierer in seinem Einladungsbrief an mich schrieb: Die Blasmusik ist eine „verlässliche Begleiterin von Gottesdiensten, Prozessionen und kirchlichen Hochfesten, als Klang der Gemeinschaft, als Ausdruck von Dank, Hoffnung und Zusammenhalt.“
Darum bin ich heute gerne in die Basilika nach Ottobeuren gekommen, um das großartige Engagement der vielen Frauen und Männer wie auch der Jugendlichen zu würdigen sowie für die vielerorts spürbare Verbundenheit mit unseren Pfarrgemeinden zu danken. Kirche und Musik gehören seit jeher zusammen! Von daher ein herzliches „Vergelt’s Gott“ Ihnen allen für Ihr Engagement! Durch Ihr Spiel bringen Sie vielen Menschen Freude, und Freude ist es auch, was wir in dieser österlichen Zeit empfinden dürfen. Mit Blick auf die heutigen Tageslesungen möchte ich Ihnen drei kurze Gedanken anbieten, die ich in Analogie zu einer klassischen Blasmusik-Symphonie mit den Worten überschrieben habe: Allegro (1), Andante (2) und Vivace (3).
1. Allegro – freudig mit Gott aufbrechen
Musiker auf der ganzen Welt wissen es: Der erste Satz einer Sinfonie ist oft „allegro“, also freudig und dynamisch. Dies trifft auch auf den Beginn der Kirchengeschichte zu, wie wir es in der Lesung aus der Apostelgeschichte hörten. Es war ein Teil der Pfingstpredigt des heiligen Petrus, der 50 Tage nach Ostern hinaus in die Öffentlichkeit ging, um allen Menschen zu verkünden, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist (vgl. Apg 2,14.32). In der damaligen Zeit war das durchaus lebensgefährlich. Petrus aber konnte nicht anders, weil er vom Geist Gottes ergriffen war und eine solche Freude in sich verspürte, da Jesus wahrhaftig den Tod bezwungen hatte und ihm schon mehrere Male leibhaftig erschienen war. Voller Überzeugung trat er deshalb auf, und überzeugte dadurch auch andere, so dass sich der anfangs kleinen christlichen Gemeinschaft immer mehr Leute anschlossen.
Liebe Musizierende, ist es mit Blick auf die Geschichte der Blasmusik nicht ähnlich? Wo immer wir hinschauen, waren es in den Anfängen oft nur eine Hand voll Männer oder Frauen, die begeistert von der Schönheit der Musik Instrumente in die Hand nahmen und spielten. Mit der Zeit kamen andere dazu, die sich von der Freude anstecken ließen, und so entstanden in vielen Orten Blaskapellen.
Für mich ist das entscheidende Wort „Begeisterung“. Kirche und Blasmusik leben von Menschen, die begeistert sind! Eine kirchliche Verkündigung ohne Musik wäre zwar möglich, würde aber vieles an Strahlkraft verlieren. Schon in der Bibel finden wir etliche Stellen, in denen ausdrücklich zum Singen und Spielen aufgerufen wird. Denken wir beispielsweise an den Psalm 150, der gerade jetzt in der Osterzeit oft gelesen wird, und in dem es heißt: „Lobt Gott mit dem Schall des Widderhorns, lobt ihn mit Harfe und Leier! Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte! Lobt ihn mit tönenden Zimbeln, lobt ihn mit schallenden Zimbeln!“ (Ps 150) Das klingt doch wie eine Aufzählung der verschiedenen Instrumentengruppen eines Orchesters. Alle zusammen sollen sie zur Ehre Gottes spielen!
Umgekehrt war und ist die Kirche aber auch eine wichtige Inspirationsquelle für die Blasmusik. Ich habe eingangs schon auf die verschiedenen Anlässe hingewiesen, bei denen Blaskapellen kirchliche Feiern musikalisch umrahmen. Auch lässt sich ein erheblicher Teil der Blasmusik-Literatur generell darauf zurückführen, dass Menschen aus dem christlichen Glauben heraus oder darauf Bezug nehmend ihre Werke komponierten. Ich verweise beispielhaft auf die zahlreichen Choralvertonungen.
Kirche und Blasmusik haben demnach eine Gemeinsamkeit, insofern beide einer inneren Freude entspringen, die sie auf ihre je eigene Weise weitertragen möchten.
Soweit zum fröhlichen Auftakt „allegro“. Eine Sinfonie besteht aber nicht nur aus einem Satz, sondern mündet in der Regel in einen etwas ruhigeren Part, was mich zu meinem zweiten Gedanken führt.
2. Andante – auf dem Weg nicht die Freude verlieren
„Andante“ ist die Ansage, wenn das Thema vorgestellt wurde und sich das Tempo nun verlangsamt. Vielleicht kann man auch hier eine Art Parallele zwischen Blasmusik und Kirche sehen, insofern die anfängliche Begeisterung im Laufe der Jahre an Kraft zu verlieren droht. Wohl alle Musiker kennen das Gefühl, zeitweise keine Lust mehr darauf zu haben, die Stücke ordentlich zu üben oder zur Probe zu kommen. In der Kirche ist es eher der Gottesdienstbesuch, der leider vielerorts nachlässt. Dabei kommt es in der Musik wie beim Glauben auf eine gewisse Beständigkeit an. Wer nicht übt, verliert die Fähigkeit, gut zu spielen! Und wer nicht betet, verliert die Verbindung zu Gott, der unserem Leben Sinn und Ziel geben will! Das heutige Evangelium bietet uns dazu das Bild von Petrus, der fischen geht und nichts fängt. Erst nachdem Jesus ihm auf dem See erscheint und sagt, wo er die Netze auswerfen soll, fängt er so viele Fische, dass er sie kaum mehr einholen kann.
Die darin enthaltene Botschaft an uns heute: Ohne Gott wird vieles von dem, was wir tun, fruchtlos bleiben. Wir irren umher und verlieren nicht selten das Wesentliche aus dem Blick! Zugleich berauben wir uns selber jener inneren Freude, die Jesus uns schenken will. Besonders schön ist das ausgedrückt in dem nahezu idyllischen Bild vom Lagerfeuer am Ufer mit den gebratenen Fischen: Gottes Sohn lädt uns ein, zu ihm zu kommen, und mit ihm zu speisen (vgl. Joh 21,12). Er stiftet Gemeinschaft und möchte, dass es uns gut geht.
Aus diesem Grund bitte ich Sie, auch weiterhin bei kirchlichen Veranstaltungen zum Lobe Gottes zu spielen, der für unser aller Seelenheil gestorben ist und als Auferstandener seine Hand reicht. Wenn wir IHM folgen, wird die Freude in uns nicht verloren gehen, womit ich zu meinem letzten Gedanken komme.
3. Vivace – Leben in und mit Gott
Das Finale einer Blasmusik-Sinfonie ist meist triumphal und wird vom Tempo her gerne auch mal mit „Vivace“ – „lebhaft“ bezeichnet.
Leben, ja mehr noch ein Leben in Fülle (vgl. Joh 10,10): das ist es, was Jesus uns schenken will. Wie im letzten Satz einer Sinfonie oft das Hauptthema nochmals anklingt und festlich auskomponiert ist, können wir in Gott gleichsam den Urgrund aller Freude erkennen. Von Geburt an bis zum Tod begleitet er uns in den Höhen und Tiefen des Lebens. Vor allem in schweren Zeiten, wenn wir nicht mehr weiterwissen und nach Hilfe suchen, kommt er uns wie damals den Jüngern auf dem See entgegen und zeigt uns den Weg.
Viele Menschen durften das erfahren, und gerade die Musik kann hier ein wertvolles Bindeglied sein. So haben es einige von Ihnen sicherlich auch schon erlebt, dass es Momente beim Spielen in einer Musikapelle geben kann, wo man innerlich ergriffen ist, weil es so schön klingt. Das mag uns eine leise Ahnung davon geben, wie schön es erst bei Gott sein wird, der uns aber auch in diesem Leben bereits unsichtbar umgibt. Etwas poetischer formulierte es die Schriftstellerin Bettina von Arnim: „Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist die Musik.“
Man kann also zu Gott beten oder eine Verbindung aufbauen, wenn man bewusst für IHN spielt, und den Herrn mit und durch die Musik ehrt, so wie es auch die Engel in der Bibel tun. Probieren Sie das mal aus: Betend spielen, oder auch, spielend beten! Sie werden sehen, das macht etwas mit Ihnen, und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie dabei erfahren können, wovon wir in der Lesung aus dem 1. Petrusbrief gehört haben: Gott ist wie ein Vater für uns, der uns liebt, und auf den wir alle Tage hoffen können (vgl. 1 Petr 1,17.21).
Allegro – Andante – Vivace: Möge SEINE Freude in uns bleiben und zum Grundton unseres Lebens werden! „Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde! Spielt zum Ruhm seines Namens!“