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Predigt anlässlich des 50jährigen Bestehens des Freundeskreises Oberschönenfeld e. V.
in der Abteikirche Oberschönenfeld am 14. Juni 2026

„Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag!“

14.06.2026 16:52

Liebe Frau Äbtissin Gertrud, liebe ehrwürdige Schwestern, sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde der Abtei Oberschönenfeld, liebe Schwestern und Brüder in Christus, „die Ernte ist groß!“ – dieser Ausruf des Herrn gilt heute so wie vor 2000 Jahren.

Selbst wenn aktuelle Umfragen und Studien offenbaren, dass „nichts fehlt, wo Gott fehlt“ (Jan Loffeld), bin ich als Seelsorger überzeugt: Es ist dem Menschen ins Herz geschrieben, dass er geliebt werden will, nicht nur für einen kurzen Moment, sondern als ein unverwechselbares, einzigartiges Lebewesen. Schon bei kleinen Kindern lässt sich beobachten, wie sehr sie sich buchstäblich sonnen in der Aufmerksamkeit umstehender Erwachsener. Wir brauchen es, gesehen zu werden und Ansehen zu haben; sonst verkümmern wir wie eine Pflanze, die aus der Sonne genommen und ins Dunkel gestellt wird!

Das heutige Evangelium könnte, so meine ich, zu unserem festlichen Anlass nicht besser passen. Geht es in ihm doch darum, zu sehen, was not-wendig ist, um helfend und heilend anzupacken und so einen Weg für Licht und Leben, für Freude und Zuversicht zu bahnen - für ein Miteinander, in dem christliche Gemeinschaft, wie sie hier in Oberschönenfeld lebendig ist, gestärkt und erhalten wird. Und wirklich: die Menschen der ersten Stunde, die Initiatorinnen unter den Schwestern und allen, die ihnen freundschaftlich verbunden waren, bewiesen 1976 großen Weitblick. Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag des Freundeskreises!

Ich glaube, man darf lange suchen, in unserem an Klöstern reich gesegneten Bistum einen Freundeskreis mit einer vergleichbar langen Geschichte zu finden. Zu einer Zeit, in der noch die Aufbruchsstimmung des Konzils nachwirkte, gehörte nämlich Mut und Realitätssinn dazu, sich für eine Zukunft zu wappnen, die mit weniger finanziellen, aber vor allem schwindenden personellen Ressourcen auskommen muss. Der Freundeskreis fungierte daher, so stelle ich mir vor, von Anfang an als ein zentrales Bindeglied zwischen den Zisterzienserinnen der Abtei und jenen Kooperationspartnern, die im Laufe der Jahre gewonnen werden konnten, um diesem kulturell und geistesge­schichtlich bedeutsamen Ort in all seiner inneren Vielfalt für die nächsten Generationen zu bewahren. Solch ein Unterfangen ist immer ein Wagnis und keiner konnte vor 50 Jahren mit Sicherheit sagen, ob es gelingt.

Umso dankbarer dürfen wir heute auf all die schauen, die sich während fünf Jahrzehnte das Wort des Herrn nicht zweimal sagen ließen: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ Und: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“ (Mt 10,7.8b) Doch darf dieser Satz nicht einseitig verstanden werden: Denn am Leben Jesu selbst lässt sich ablesen, wieviel an Einsatz, Schweiß, ja an Leid und Not auf den Menschen wartet, der die Botschaft vom Reich Gottes weitergibt und einsteht für das Gute, auch und gerade dann, wenn alles dagegen spricht und aussichtslos erscheint.

Die Nachfolge Jesu ist kein lebenslanger Spaziergang durch grüne Wiesen und fruchtbare Felder, wie wir sie zu dieser Jahreszeit draußen erleben dürfen. Wer als Christin und Christ die Entscheidung für den Herrn bewusst trifft, allen voran die Schwestern, die sich in den Gelübden gebunden haben, um ganz für den Herrn da zu sein, - der weiß, dass Durststrecken und Wüstenzeiten zu einem solchen Leben dazugehören! Ja, es ist nicht ausgeschlossen, dass man sogar über Jahre hin geistige und körperliche Krisenzeiten erlebt, die an die Substanz gehen können. Wer unsere Evangeliumspassage weiterliest, erfährt, dass sich bereits die ersten Christen darüber nur allzu sehr im Klaren waren.

Schließlich dauerte es fast drei Jahrhunderte, bis aus der Graswurzelbewegung im Verborgenen, die immer wieder massive Verfolgungswellen erdulden musste, ein religiöses Massenphänomen mit staatlicher Anerkennung wurde. Manche Kirchenhistoriker, aber auch schon die kritischen Zeitgenossen von damals erkannten in der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion jenen geschichtlichen Moment, in dem es sich von seinem biblischen Ursprung zu entfernen begann.

Dass solch eine Deutung nicht völlig von der Hand zu weisen ist, zeigt nicht zuletzt die Geschichte des zisterziensischen Reformzweiges: Robert von Molesme, der mit Gleichgesinnten sich vor über 900 Jahren in Citeaux niederließ, und Bernhard von Clairvaux, der dort mit einer großen Gruppe von Freunden eintrat, wollten wie viele Reformerinnen und Reformern vor und nach ihnen ad fontes, zu den Quellen des Evangeliums, zurückkehren. Dafür kehrten sie der Welt den Rücken: nicht um eine heile Gegenwelt zu schaffen, sondern um ein leuchtendes Beispiel wahrer Gottes- und Nächstenliebe zu geben und so die Erinnerung wachzuhalten an die Verheißung, die - wie wir in der Lesung gehört haben - bereits Mose vom Herrn erhielt: „Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“ (Ex 19,5b-6)

Welch ein Anspruch – selbst jenseits von Ordensleben und Kloster fast ungeheuerlich! Regt sich Widerspruch, Abwehr und Protest in uns? Ja, das darf es auch, denn tatsächlich ist es nicht aufrichtig, so zu tun, als wäre die Anerkenntnis eines Schöpfergottes und das Eingestehen unserer Geschöpf­lichkeit und all dessen, was an großen und kleinen Unzulänglichkeiten damit verbunden ist, ein Kinderspiel. Sie geht uns, salopp gesagt, gegen den Strich und das ist gut so: Weil wir nur so spüren, wieviel wir Gott wert sind!

Liebe Mitglieder des Freundeskreises der Abtei Oberschönenfeld,

niemand hat die ehrenamtlichen Stunden, die seit der Gründung des Vereins geleistet wurden, gezählt; niemand hat die Kreativität und den Ideenreichtum, der in 50 Jahren zugunsten der Abtei eingesetzt wurde, gewogen; niemand weiß um das finanzielle Opfer so vieler, die sich in Glauben und Gottvertrauen entschieden, einen Beitrag zum Erhalt dieses geistlichen Ortes zu leisten – niemand, außer Gott selbst!

Doch wir alle können unser Bewusstsein für diese selbstlose Unterstützung schärfen und nun in der gemeinsamen Eucharistie, der Liturgie der Dank­sagung, all derer gedenken, der Lebenden und der Verstorbenen, die hier als Apostelinnen und Apostel, als vom Herrn Beauftragte, aus innerem Impuls heraus tätig wurden und mitwirkten, dass Sein Reich lebendig bleibt in den „Herzen und Hirnen“ der Menschen, die hier den Trost der Sakramente, der baulichen und landschaftlichen Schönheit suchen. Ad multos annos!