Start des Projekts „SchöpfungsGarten“ im Rahmen des Blühpakts Bayern
Herzlichen Dank Ihnen, Herr Staatsminister, für Ihr Grußwort und für die Wertschätzung, die Sie darin auch der katholischen Kirche gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Es freut mich sehr, dass ich heute gemeinsam mit Ihnen das Projekt SchöpfungsGarten im Rahmen einer Pflanzaktion auf den Weg bringen darf - stellvertretend für alle Mitbrüder der Freisinger Bischofskonferenz
Dabei kann ich Ihnen versichern: Als Katholischer Kirche ist uns der Erhalt der Artenvielfalt ins Stammbuch geschrieben. Dieses Bewusstsein unter allen Christinnen und Christen wachzuhalten und mutig dafür einzutreten, ist mir persönlich ein großes Anliegen.
Hier im Garten des Exerzitienhauses wächst und gedeiht bereits sehr viel, auch wenn manches jahreszeitlich bedingt schon wieder verblüht ist. Nachher werden wir eine Blühwiese besichtigen, die schon vor einigen Jahren angelegt wurde.
Mit dem Einsatz für die Artenvielfalt erinnern wir auch an das Vermächtnis von Papst Franziskus. Papst Leo XIV. hat es bekräftigt, als er vor einem Jahr das Messformular „Für die Bewahrung der Schöpfung“ eingeführt und im vergangenen September das Nachhaltigkeitsdorf „Borgo Laudato sí“ auf dem Gelände seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo eröffnete.
Die Bewahrung der Schöpfung hat zutiefst mit unserer menschheitlichen Sehnsucht nach dem Garten Eden, dem Paradies, zu tun. Sie hat in der biblischen Erzählung des Buches Genesis ihren Niederschlag gefunden. Dort kommt klar zum Ausdruck: Die Schöpfung ist nicht unsere Herrschaftsdomäne, sie ist das Werk und bleibt das Eigentum Gottes. Als Menschen sind wir aufgerufen, die Erde zu bebauen und zu behüten.
Das bedeutet mehr als bloße „Blühwiesenromantik“, es ist Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Schöpfer, wie sie seit dem 4. Jahrhundert im Sanctus als Teil des Hochgebetes in der Eucharistiefeier ins Wort gebracht wird: „Heilig, heilig, heilig, Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.“
Dieses christliche Bekenntnis zum dreieinen Gott stammt im Wortlaut allerdings aus dem Propheten Jesaja (Jes 6,1-4) und gehört bis heute zu den zentralen Lobpreisungen im Judentum. Traditionell stellte sich der Beter beim Aussprechen des kadosch, kadosch, kadosch dreimal leicht auf die Zehenspitzen, um auszudrücken, dass er sich mit diesem Bekenntnis den Engeln im Himmel annäherte.[1]
Schöpfungsverantwortung darf kein Lippenbekenntnis bleiben, sie muss sich in der Aktion konkretisieren: Deshalb beteiligen wir uns sehr gerne am Blühpakt Bayern, gerade hier im Exerzitienhaus St. Paulus, wo Menschen zusammenkommen, um sich auf ihr Woher und Wohin zu besinnen, Stille und Orientierung suchen und den Kompass ihres Herzen wieder auf Christus ausrichten wollen.
In Leitershofen darf Schöpfung wachsen: Im nächsten Jahr wird es hier auf dem Gelände erstmals einen Sensenkurs geben. Es sind dafür außer körperlicher Arbeit - und wahrscheinlich Blasen an den Händen - auch spirituelle Impulse und inhaltliche Akzente geplant. Dieses Angebot versteht unser Fachbereich „Kirche und Umwelt“ in Zusammenarbeit mit dem Exerzitienhaus bewusst als weiteren Baustein im Rahmen unserer Blühpakt-Allianz. - Ich danke daher Dir, lieber Christian, stellvertretend für alle, die vor Ort für das geistliche und leibliche Wohl der Gäste sorgen, sehr herzlich.
In Christus hat, so glauben wir, der Schöpfer seine Schöpfung erneuert. Wir stehen in seiner Nachfolge. Gerade haben wir dies beim kurzen Gang hierher nachvollzogen: Wir sind, entlang des Kreuzweges an der Auferstehungskapelle vorbei, einen Weg vom Dunkel ins Licht gegangen, vom Tod zum Leben.
Es hat also eine tiefe spirituelle Bedeutung, wenn nun in Zusammenarbeit mit der Gärtnerei Hartmann hier dieser Schöpfungsgarten entstehen soll – u. a. mit heimischen Stauden, einem Sandarium, einer Benyes-Hecke. So entsteht neuer Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel, aber auch ein Ort zum Aufatmen und zum Stillwerden der Seele, wie es sich der biblische Beter ersehnt:
„Herr, mein Herz überhebt sich nicht, nicht hochmütig blicken meine Augen, ich gehe nicht um mit großen Dingen, mit Dingen, die mir nicht begreiflich sind. Vielmehr habe ich besänftigt, habe zur Ruhe gebracht meine Seele. Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir.“ (Ps 131,1-2)
Wenn wir also heute beginnen, den Schöpfungsgarten zu bepflanzen, dann möge dies heilsam sein, für alles Leben, gerade der kleinsten und unscheinbarsten Wesen, denen Gott Atem und Wachstum gibt, - und: das Projekt hier möge große Strahlkraft in unser ganzes Bistum hinein entfalten!
Lassen Sie uns nun, Herr Staatsminister, zum Spaten greifen und gemeinsam unseren bescheidenen Beitrag für mehr Artenvielfalt leisten!
[1] Vgl. Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz – Sanctus (aufgerufen 12.06.2026)