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Predigt bei der Maiandacht auf der Insel Wörth im Staffelsee
im Rahmen des Ulrichsjubiläums am 5. Mai 2024

Uns umgibt eine „Wolke von Zeugen“

05.05.2024 20:00

Liebe Schwestern und Brüder, wir stehen heute hier, weil auch unser Bistumspatron, der heilige Bischof Ulrich, hier auf dieser Insel stand – wie es uns Herr Professor Paulus vorhin so anschaulich schilderte.

Dafür feiern wir Jubiläen und halten Gedenktage, dass wir innehalten und uns unserer Wurzeln vergewissern. Gerade in einer so aufgeregten und teils von Angst, teils von Langeweile und Sinnentleertheit geprägten Zeit ist es gut und richtig, sich zu besinnen und vergewissern, das Woher und Wohin zu überdenken, um mit neuer Zuversicht unseren ganz persönlichen Lebensweg weiterzugehen.

Der heilige Ulrich war ein großer Verehrer der Muttergottes und er vertraute auf ihre Fürsprache, besonders in Kriegsgefahr. So bat er auch die Ordensfrauen des von ihm gegründeten Stiftes St. Stephan inständig darum zu beten, dass die Stadt und das Bistum Augsburg vor den Ungarn errettet werde, während er selbst die Verteidigungsstrategie ausarbeitete und alle Maßnahmen überwachte. Der heilige Ulrich hat das Wort des sterbenden Herrn am Kreuz, das wir so eben gehört haben, ernst genommen: Er wusste, wie wertvoll es ist, eine Mutter im Himmel zu haben, zu der man seine Zuflucht nehmen kann!

Es lohnt sich auch, das Leben Mariens zu meditieren, und sich die wenigen Worte, die uns das Evangelium von ihr überliefert, zu eigen zu machen: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort; (…) ich bin ein Knecht des Herrn, dein Wille, Herr, geschehe an mir“ und: „Was Er, Jesus Christus, euch sagt, das tut!“

Die himmlische Glückseligkeit der Muttergottes besteht darin, allen zu helfen, die sie darum bitten. Sie gehört zu der uns umgebenden „Wolke von Zeugen“, von der der Verfasser des Hebräerbriefes (Hebr 12,1) spricht, und die uns nie im Stich lässt, weil sie auch ihren Sohn nicht im Stich gelassen hat, sondern ausharrte unter dem Kreuz. Unbeirrbar und wider alle vordergründige Vernunft vertraute sie in scheinbarer Ausweglosigkeit und abgrundtiefer Trostlosigkeit darauf, dass Gottes Macht selbst den Tod überwindet. Und sie wurde nicht enttäuscht: Sie, die ihren toten Sohn im Schoß hielt, wurde zur Verkünderin seiner Auferstehung und zur Beterin um den Heiligen Geist, zusammen mit den Jüngerinnen und Jüngern ihres Sohnes.

Lassen wir uns von ihrem Beispiel inspirieren, trauen wir ihr viel, ja alles zu – wie die Dichterin Hilde Domin in ihrem Gedicht „die Heiligen“, von denen sie schreibt: „(…) Sie verstehen zu leiden, das haben sie bewiesen. (…) Doch sie sind müde auf den Podesten zu stehn und uns anzuhören. Sie sind wund vom Willen zu helfen, (…).“

Ja, sie sehnen sich danach zu helfen - die Heiligen, tun wir ihnen den Gefallen und bitten wir sie ausdauernd und inständig um ihren Beistand – heute und in Zukunft!