Geschichte der Diözesan- und Pastoralbibliothek

Unter der Bezeichnung „Diözesan- und Pastoralbibliothek“ gibt es unsere Bibliothek seit dem Jahr 1994. In diesem Jahr wurde der Bestand der Bischöflichen Ordinariatsbibliothek im Fronhof mit dem Bestand der Pastoralbibliothek im Haus St. Ulrich räumlich und organisatorisch unter dem neuen Namen zusammengeführt. Bis zum Jahr 1994 hatte also jede der Bibliotheken ihre eigene Geschichte, die im Folgenden kurz zusammengefasst ist.

 

1. Bischöfliche Ordinariatsbibliothek

Gründung

Die Vorgängereinrichtung der Bischöflichen Ordinariatsbibliothek war bis 1803 die Domstiftsbibliothek. Deren Bestand fiel durch die Säkularisation an den bayerischen Staat. 1817 wurde die Bischöfliche Ordinariatsbibliothek für die Mitarbeiter der Diözesanverwaltung gegründet.

 

Personal

Erster Bibliothekar war Pater Placidus Braun – er übergab der Bibliothek Bücher aus dem Kloster St. Ulrich u. Afra, in dem er vorher tätig war. In den Jahren 1828 - 1891war jeweils ein Domvikar zugleich Bibliothekar. Danach standen Archiv des Bistums und Bischöfliche Ordinariatsbibliothek bis zum Jahr 1989 unter der Leitung des Archivs. Im Jahr 1989 erhielt die Bischöfliche Ordinariatsbibliothek Fachpersonal des gehobenen und mittleren Bibliotheksdienstes.

 

Bestandsgeschichte

Die Bestandsgeschichte der Bischöflichen Ordinariatsbibliothek ist in großen Teilen eine Geschichte von Schenkungen, wie beispielsweise Bücher von Pater Ämilian Hafner dem letzten Abt von St. Mang. 1822 wurde die Bibliothek von Domkapitular Karl Aloys Nack (1751 - 1821) dem Bestand eingegliedert ebenso wie die Bibliothek von Generalvikar Joseph Ignaz Lumpert (1751 - 1821).

 

Bestandsumfang

Der Bestand umfaßt circa 25.000 Titel, darunter 32 Inkunabeln (Standort Archiv) , einige Frühdrucke und circa 8.500 Titel mit Erscheinungsjahr vor 1900. An Besonderheiten sind ein Bestand an Bruderschaftsbüchern der Diözese Augsburg, Dissertationen aus dem 17./18. Jahrhundert, „Jesuitica“ des 18. Jahrhunderts und eine Sammlung von Schriften der Aftermystiker aus der Diözese Augsburg hervorzuheben.

 

Räumlichkeiten

Bibliothekssaal Bischöfliches Ordinariat

Räumlichkeiten der Bibliothek vor dem ersten Weltkrieg sind nicht mehr erhalten. In den 50er Jahren erfolgte der Anbau eines zweistöckigen Bibliothekssaales an den Domkreuzgang. 1992 mußte der Bibliothekssaal geräumt werden, da dieser dem neu zu errichtenden Diözesanmuseum angegliedert werden sollte. In den Jahren 1992 - 1994 lagerten die Bücher in Umzugskartons im Archiv des Bistums.

 

 

 

 

Bibliothekssaal Ordinariat bei Museumsneubau

1994 wurde die Bischöfliche Ordinariatsbibliothek mit der Pastoralbibliothek im Haus St. Ulrich unter einer Leitung zusammengeführt. Dabei wurde eine neue Kompaktregalanlage im Magazin Haus St. Ulrich für Bestände ab 1900 eingerichtet. Die Altbestände verblieben im Magazinraum des Bischöflichen Ordinariats.

 

 

 

 

2. Pastoralbibliothek

Gründung

Im Auftrag von Bischof Dr. Josef Stimpfle erfolgte von Anfang 1976 bis Ende 1976 der Aufbau der Pastoralbibliothek im Haus St. Ulrich. Erste Bibliothekare waren Theo Sprang (bis 1980) und seine Assistentin Fr. Bauernfeind. Am 20. Dezember 1976 wurde die Bibliothek im Rahmen eines Festaktes durch Bischof Dr. Josef Stimpfle im Beisein zahlreicher Gäste, eingeladen durch Domkapitular Max Ziegelbauer, eingeweiht.

 

Ziele

Von Anfang an war ein systematischer Ausbau in Anlehnung an den Bedarf der Abteilungen des Hauses geplant: „Unsere Pastoralbibliothek soll die Theologie der Praxis der Kirche, ihrer Verkündigung und Liturgie, ihrer Organisation und Disziplin, ihres missionarischen Einsatzes und gesellschaftlichen Dienstes, ihres karitativen und pädagogischen Wirkens – neben den nötigen Standardwerken der theologischen Lehre - umfassen“ sicherte Bischof Stimpfle in seiner Ansprache zur Eröffnung der Bibliothek zu.

 

Bestand / Benutzung

Den Grundstock der Bibliothek bildete sich aus Schenkungen von: Dr. Albin Senft, Dr. Ferdinand Reithmayer, der Bibliothek der Deutschen Katholischen Jugend und des Katholischen Landvolks.

In den 80er Jahren erfolgte auf der Grundlage der „Regensburger Systematik Theologie“ eine Umsystematisierung des gesamten Bestands. Die Bibliothek verstand sich als Präsenzbibliothek und war in der Ausbauphase auf circa 25.000 Bände geplant.

 

Verwaltung

Nach Ausscheiden von Theo Sprang 1980 wurde die Bibliothek durch das Sekretariat des Seelsorgeamts unter Leitung von Domkapitular Max Ziegelbauer, ab 1984 unter Leitung von Domkapitular Dr. Bernt, betreut. Zeitweise erfolgte eine Unterstützung durch studentische Hilfskräfte und Personal des Hauses. Seit Dezember 1994 steht der Bibliothek und seinen Nutzern fest angestelltes Fachpersonal zur Verfügung.

 

3. Diözesan- und Pastoralbibliothek

1994 bis heute

Im Dezember 1994 erfolgte die Fusion von Bischöflicher Ordinariatsbibliothek und Pastoralbibliothek in „Diözesan- und Pastoralbibliothek“ sowie die Zusammenführung der Bestände (ca. 70.000 Bde.). Im Jahr darauf wurde der gesamte Bestand der Pastoralbibliothek mittels ISBN-Selektion und Import im gemeinsamen EDV-Katalog nachgewiesen. Bis Mitte der 90er-Jahre war die Bibliotheksleitung auch zuständig für die Betreuung (Zusammenführung und Pflege) der ehemaligen Kapitelsbibliotheken der Diözese, die dann der Bibliothek des Priesterseminars angegliedert wurden. Im Zuge von Renovierungsarbeiten im Haus St. Ulrich zog das Bibliotheksbüro 2006 in den Bibliothekssaal um, und die Bibliothek konnte sich durch einen teilweisen Um- und Ausbau benutzerorientierter präsentieren. 2007 wurde der ehemalige Zettelkatalog, der einen Großteil des Bestands der Ordinariatsbibliothek nachwies, mittels eines Projekts gescannt und in den sog. "Imagekatalog" überführt. Dies erlaubt heute einen besseren Zugriff auf die Altbestände und verbesserte Recherchemöglichkeiten.

 

Literaturangaben

  • Abgabe von Belegexemplaren an die Bischöfliche Ordinariatsbibliothek, in: Amtsblatt für die Diözese Augsburg, 104.1994, S. 355
  • Handbuch der bayerischen Bibliotheken, 2. Neubearb. Aufl., 1983, S. 42/43
  • Haupka, Susann: Augsburg, Diözesean- und Pastoralbibliothek ; Augsburger Friedensgemälde, Kupferstich 1704. - In: Schätze als Alltag / Jochen Bepler (Hrsg.). -Regensburg, 2001. - S. 90 - 91
  • Kirchliche Bibliotheken in der Sendung der Kirche, DBK, 2003
  • Kraft, Benedikt: Die Handschriften der Bischöflichen Ordinariatsbibliothek in Augsburg, Augsburg, 1934
  • Mangold, Birgit: Katalog der Kapitelsbibliothek Lindau / erstellt von Birgit Mangold. - Augsburg : [Bischöfliche Ordinariatsbibliothek], 1994. - 37, 29, 41 S.
  • Ruland, Anton: Geschichtliche Notizen über die ehemalige Domstiftsbibliothek zu Augsburg, in: Archiv für die Geschichte des Bistums Augsburg, 1856, S. 1-142
  • Schwegele, Engelbert: Diözesan- und Pastoralbibliothek, in: Handbuch der Historischen Buchbestände in Deutschland / Hrsg. v. Bernhard Fabian, Hildesheim : Olms, 2003
  • Schwegele, Engelbert: Die Kapitelsbibliotheken der Diözese Augsburg / von Engelbert Schwegele. - In: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte. - 28.1994, S. 230 - 251
  • Schwegele, Engelbert: Der Katalog der Kapitelsbibliothek Aichach / Engelbert Schwegele. - [Augsburg] : [Bischöfliche Ordinariatsbibliothek], 1992. - 24, 21, 25 S.
  • Thummerer, Hilda: Die Bischöfliche Ordinariatsbibliothek Augsburg, in: ABI-Technik, 1987, Nr. 2, S. 162