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1700 JAHRE KONZIL VON NIZÄA. Synodalität in der Alten Kirche und die Fernwirkungen der Konzilslehre

05.06.2025 18:30

Vorträge von Prof. Dr. Matthias Simperl und Prof. Dr. Gerda Riedl im Haus Sankt Ulrich, Augsburg mit einem Beitrag der der Schola des Collegium Orientale, Eichstätt am Donnerstag, 5. Juni 2025

Mit über 120 Teilnehmenden war gerade der theologisch anspruchsvollste Teil der Heilig-Jahr-Beiträge des Akademischen Forums, zu der Veranstaltung in Kooperation mit der Görres-Gesellschaft, 2025 der bisher erfolgreichste.

 

1700 Jahre Ökumenisches Konzil von Nizäa, einer der Höhepunkte im Heiligen Jahr, wurde mit Vorträgen von Frau Prof. Dr. Riedl und Prof. Dr. Matthias Simperl gewürdigt. Beide haben sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Qualifikationsschriften intensiv mit dem Konzil auseinandergesetzt. Die Fülle aus der geschöpft werden konnte, zeichnete die Vorträge deutlich aus und wurde mit gespannter Aufmerksamkeit und reger Anteilnahme belohnt.

Als ökumenisches Zeichen sang die Schola des Collegium Orientale aus Eichstätt liturgischen
Gesang in byzantinischer Tradition, darunter insbesondere das Große Glaubensbekenntnis. Die sieben Studierenden fanden ein Publikum, das empathisch und regelrecht begeistert auf den gesanglich anspruchsvollen Einblick aus dem liturgischen Leben des Collegium Orientale reagierte.

 

Frederic-Joachim Kaminski gab einen Überblick zu der weltkirchlichen Würdigung des Konzilsjubiläums und beobachtete, dass Rom, aber auch Vertreter zahlreicher Kirchen auf die verbindende ökumenische Kraft des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses, katholischerseits zudem auf das Beispiel gelebter altkirchlicher Synodalität mitten im Prozess des Wandels der katholischen Kirche hin zur Form der Synodalität, abgehoben wurde.

 

Prof. Dr. Matthias Simperl legte aus kirchenhistorischer Perspektive dar, dass weder Deutung, noch Würdigung des Konzils von Nizäa 325 von Anfang an dem feierlich enthusiatischen Bild entsprachen, das sich heute darstellt. Ein Blick auf die historischen Ereignisse zeigte, dass das Synodengeschehen von einer Vielzahl von Kon flikten und höchst unterschiedlichen Interessen bestimmt war. Der
Vortrag thematisierte die Vorgeschichte dieser Kon flikte genauso wie Lösungsstrategien und nahm schließlich in den Blick, wie Teilnehmer rückblickend Ablauf und Ergebnisse der Synode bewerteten. Dabei zeigte sich:
Eine einheitliche Wahrnehmung gibt es nicht, zur Erfolgsgeschichte wurde die Synode erst mit dem Abstand einiger Jahrzehnte. Der elanvolle, mit leidenschaft für das Fach präsentierte Vortrag wird den Reaktionen aus dem Publikum nach lebhaftes Interesse für die Kirchengeschichte geweckt haben.

 

Frau Prof. Dr. Riedl verstand es die Teilnehmenden Schritt für Schritt mit hinein in die theologische Dimension des Konzils von 325 zu nehmen. Klar verständlich legte sie dar, um was es damals ging, um nichts Geringeres als das christliche Glaubensverständnis. Dabei machte sie begreiflich, welche nachvollziehbaren Überlegungen und Überzeugungen die inhaltliche Auseinandersetzung des Konzils bestimmten. Damit wurde auch sehr deutlich wie bedeutsam diese mit dem Konzil verbundene Reifung im Glaubensverständnis bis heute für jeden Christen ist. Schließlich geht das Große Glaubensbekenntnis auf Formulierungen des Konzils von Nizäa (325 n. Chr.) und Erweiterungen durch
das zweite ökumenische Konzil in Konstantinopel (381 n. Chr.) zurück. Es birgt die Kurzfassung dessen, was einen Christen wirklich ausmacht: biblisch verbürgt, lehramtlich-konziliar verbrieft und gesamtchristlich konsensfähig. Das Große Glaubensbekenntnis stiftet in seinem Bekenntnis zum dreieinen Gott und seiner Heilsgeschichte mit den Menschen zwischen Schöpfung, Erlösung und Vollendung die spezi fische Identität des christlichen Glaubens und steht für einen gelingenden Gottesbezug aller Christen ein. Das Große Glaubensbekenntnis, so Riedls Resumee, formuliert unüberbietbar klar, was Christen ausmacht und zeigte außerdem, wie gespannt ein breites Publikum sich mit auf eine anspruchsvolle Glaubensreise nehmen läßt.