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CRUX - Von der Anstößigkeit des Kreuzes

27.02.2025 14:00

Themenabend am Mittwoch, 26. Februar 2025 mit Prof. Dr. Jan-Heiner Tück im Akademischen Forum

Prof. Dr. Jan-Heiner Tück

Es war offensichtlich: das Thema „Über die Anstößigkeit des Kreuzes“ beschäftigt die Menschen. Und so waren auch an diesem Vortragsabend im Haus Sankt Ulrich in Augsburg eine große Zahl an Interessierten gekommen. Der Referent Professor Dr. Jan-Heiner Tück, Dogmatiker an der Universität Wien, zeigte in einem ersten Vortrag auf, wie die öffentliche Präsenz des Kreuzes provoziert und mit einer teilweise einseitigen missverständlichen Deutung gesehen wird: Steht das Kruzifix nicht für ein sadistisches Gottesbild und glorifiziert die schauderhafte Gewalt gegen einen Unschuldigen? Ist es in der Geschichte nicht allzu oft triumphalistisch missbraucht worden? Zugleich macht es sichtbar, was gerne verdrängt wird: Leid und Verlassenheit, Hass und Gewalt, Sterblichkeit und Tod.

Tatsache ist, dass im Namen der weltanschaulichen Neutralität und der religiösen Toleranz Kreuze zunehmend aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Unbehagen macht sich breit. Nur kein Kreuz in öffentlichen neutralen Gebäuden. Nur kein Kreuz auf dem neuen Stadtschloss, dem Humboldt-Forum in Berlin. Nur kein Kreuz im Friedenssaal von Münster beim G7-Treffen. Nur keine Kreuze auf Berggipfel. Und schon gar nicht am Wegesrand….

Tück plädierte dafür, dass das Kreuz neu in der Öffentlichkeit diskutiert und interpretiert werden muss. In christlicher Sicht ist das Kreuz österliches Zeichen des Heils und der Überwindung des Todes. In seinen Ausführungen gab er dem Phantomschmerz über das leise Verschwinden des christlichen Symbols eine produktive Wendung. Durch unterschiedliche Werke aus Theologie, Philosophie, Kunst und Literatur kann die rettende und versöhnende Kraft des Kreuzes wieder neu sichtbar gemacht werden.

Dies führte er in seinem zweiten Vortrag näher aus. Tück beleuchtete die Dramatik des Kreuzes im Gespräch mit einer antiken Tragödie von Euripedes. In seinem Werk Alkestis (438 v. Chr.) steht das stellvertretende Sterben eines Menschen für einen anderen im Mittelpunkt und mündet in der Befreiung eines Toten aus den Fesseln der Unterwelt. Eindrucksvoll zeigte Tück parallele Linien zum Sterben und Tod Jesu auf und wie die Hoffnung auf Erlösung und Befreiung im Tod eine urmenschliche Sehnsucht ist. Dies gilt es heute wieder mehr in den Mittelpunkt der Lebensdeutung zu rücken.