BONAVENTURA. Lehrer der Weisheit - Die geistlichen Sinne
Vortragsabend mit Prof. Dr. Marianne Schlosser, Wien, über den großen mittelalterlichen Theologen im Akademischen Forum am Donnerstag, 13. Februar 2025
Strahlkraft über das Mittelalter hinaus
Zusammen mit Thomas von Aquin gilt Bonaventura (beide gestorben 1274) unbestritten als „Leuchte“ unter den theologischen Lehrern - nicht nur des Mittelalters. In ihm verbinden sich zu einer außergewöhnlichen „Symphonie“ ein wacher Geist und apostolischer Eifer, theologischer Scharfsinn und Liebe zur Kirche, tiefe Erkenntnis der Glaubensgeheimnisse und geistlich-mystische Erfahrung, in deren Zentrum die Person Jesu Christi steht.
In einer gut besuchten Veranstaltung des Akademischen Forums der Diözese Augsburg mit dem Titel „Bonaventura: Lehrer der Weisheit – Die geistlichen Sinne“ stellte die Referentin, Dr. Marianne Schlosser, Professorin für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien, in einem ersten Vortrag das bewegte Leben Bonaventuras, sein profiliertes Verständnis von Theologie und damit verbunden sein Bild vom Menschen und dessen Berufung vor.
Als Minderbruder hatte sich Bonaventura für ein Leben im Stil des Evangeliums entschieden; als Professor der Theologie war er bestrebt, Studium und Wissenschaft als einen Weg der Erkenntnis und zugleich des Wachstums in der Liebe zu erweisen, als einen Weg zur Heiligkeit und als einen wichtigen Dienst für die Mitgläubigen.
Als Ordensoberer und Seelsorger widmete er sich mit Hingabe der Unterweisung seiner Brüder und Schwestern in Fragen des geistlichen Lebens.
So wurden seine Werke weit über die franziskanische Familie hinaus zu einer Quelle der Inspiration für Theologen (z.B. Romano Guardini und Joseph Ratzinger), vor allem aber für zahllose Menschen, die „Sehnsucht haben nach Erleuchtung für ihren Geist und nach Feuer für ihr Herz“.
In einem zweiten Vortrag standen schließlich einige seiner mystagogischen Werke im Mittelpunkt. Anhand dieser Schriften wurde die geistliche Lehre Bonaventuras vor allem zu den geistlichen Sinnen ausgebreitet. Mit der Ausformung dieser geistlichen Sinne gilt es Christus immer mehr kennen zu lernen, zu lieben und nachzuahmen. So findet der Mensch auch die Mitte seines Lebens und kann der Geschichte Gestalt geben.
Diesen Weg zu Gott beschreibt Bonaventura:
»Wenn du dich nun danach sehnst zu wissen, wie dies (nämlich die mystische Gemeinschaft mit Gott) zustande kommen könne, befrage die Gnade, nicht die Wissenschaft; die Sehnsucht, nicht den Verstand; den Seufzer des Gebets, nicht die Wißbegierde des Lesens; den Bräutigam, nicht den Meister; Gott, nicht den Menschen; den Schleier, nicht die Klarheit, nicht das Licht, sondern das Feuer, welches das Sein entflammt und in die abgründigen Tiefen Gottes hineinführt, weil es den Menschen in delikater Weise salbt und glühende Empfindungen weckt … Treten wir also in die Dunkelheit ein, bringen wir die Sorgen, die Begierden und die Trugbilder zum Schweigen; gehen wir mit dem gekreuzigten Christus von dieser Welt zum Vater, damit wir, nachdem wir ihn gesehen haben, mit Philippus sagen: Das genügt mir« (Itinerarium mentis in Deum VII, 6)