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DAS BUCH HOSEA UND DAS SCHICKSAL JESU VON NAZARET

04.04.2023 12:21

Studiennachmittag zur Einstimmung auf die Karwoche am Freitag, 31. März 2023

Prof. Dr. Franz Sedlmeier

Mehrfach greifen die neutestamentlichen Schriftsteller Worte aus dem Hoseabuch8 (8. Jh. v. Chr.) auf, wohl in der Absicht, Jesu Leben, sein Wirken und seine Passion tiefer zu verstehen. Mit zwei Vorträgen vermittelte Professor Franz Sedlmeier, der bis 2020 Alttestamentliche Wissenschaft an der Universität Augsburg lehrte, ein innerbiblisches Gespräch, wie von Hosea aus die Auferstehung Jesu und die Auferstehungshoffnung der Christen zu verstehen ist.

 

„Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf.“ (Hos 6,2). Das Volk Israel hatte sich zunehmend von Gott abgewendet (Gottesvergessenheit) und verehrt in Baal-Kulten eine nichtige Gottheit. Gott wirbt um sein Volk und will es zur Umkehr bewegen. Doch alles Bemühen ist hoffnungslos. Gott zieht sich zurück (Abwesenheit Gottes). Mit dieser Abkehr Gottes entsteht ein neuer Raum der Gottsuche, der Sehnsucht nach Gott: „Raum meiner Eigentlichkeit“. In dieser Zeit reift eine neue Beziehung zu Jahwe, die mit einer Auferweckung vom Tod gleichgesetzt wird.

„Tod, wo sind deine Seuchen? Unterwelt, wo ist dein Stachel? Meine Augen kenn kein Mitleid.“ (Hos 13,14): Jahwe hat alle Macht und kann auch den Tod besiegen und vernichten. Hos 13, 14 ist daher ein hartes Gerichtswort gegenüber dem Tod.

Ausführlich erörterte Sedlmeier anhand der Textstelle Hos 11 („Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. Je mehr ich sie rief, desto mehr liefen sie von mir weg…“), wie Jahwe um sein Volk ringt, wie er mit väterlicher und mütterlicher Fürsorge sich um sein Volk gekümmert, wie er es erwählt und aus Ägypten herausgeführt hat. Doch das Volk verweigert sich. Gott plant ein Gericht für Israel, kehrt aber schließlich selbst um (Jahwes Umkehr). Sein Herz „stülpt sich um“, aus Zorn und Gericht wird ein „Herzensumsturz“ für die Barmherzigkeit. Hosea zeigt schließlich Gott als den Heiligen, dessen Göttlichkeit sich in seinem Erbarmen zeigt.

Dieses Heilswort Gottes, das einen Neubeginn ankündigt soll sich dann im Jesus Christus erfüllen. Gott selbst beschreibt sich „wie der grünende Wacholder“ und kann dem Volk zusagen: „Von mir her findet sich deine Frucht“. Von Gott her gestaltet sich jedes fruchtbare Wirken, auch das in Jesus Christus. So kann auch das Kreuz zum „Heilig Kreuz, du Baum der Treue … keiner so an Früchten reich“ werden.