VERTREIBUNG AUS DEM PARADIES. Im Spiegel von Thanatos und Eros auf italienischen Friedhöfen
Vortragsabend im Rokokosaal der Regierung von Schwaben, Fronhof 10, Augsburg vom Donnerstag, 27. April 2023, 19.30 Uhr
Prof. Dr. med. Alexander Bosse, Ärztliche Direktor em. am Institut für Pathologie des Klinikums Stuttgart Katharinenhospital stellte die Sepulkralkunst der Friedhöfe von Mailand, Genua und Bologna, die aufgrund ihrer Größe und Monumentalität als Nekropolen bezeichnet werden, vor. Als Deutung und Orientierung dieser besonderen Skulpturen bot Theologe Frederic-Joachim Kaminski in einem einleitenden Vortrag den christlichen Auferstehungsglauben an.
Die vorgestellten Nekropolen gehören zu den bemerkenswertesten Totenstädten Europas. Wie in einem Freilichtmuseum versammeln sich hier die Kunstepochen der letzten 150 Jahre und zeigen auf eindrückliche Weise den Gestaltungswillen über unsere Hoffnung und Trauer der Vergänglichkeit.
Die divergierenden Vorstellungen vom Tod als Ende des hiesigen Lebens zum einen und als Beginn eines neuen ewigen Lebens zum anderen, finden ihren Ausdruck in mannigfaltiger Formensprache und Todessymbolik an den Grabmälern.
Die griechischen mythologischen Götter des Lebens und Liebens, des ewigen Schlafes und des Todes (Eros, Hypnos und Thanatos) werden mit all ihren Attributen zum zentralen Element. Die geflügelte Jünglingsgestalt mit der zur Erde gesenkten Fackel, die das Verlöschen des Lebens anzeigt, hat sich aus der geflügelten Figur des Eros entwickelt und wir zum Todesgenius.
Die These zur Deutung der prächtigen, intim familiären, körperbetonten und tief anrührenden Grabskulpturen an diesem Abend ist: Das Ringen von Eros und Thanatos bestimmt das menschlichen Leben, doch kommt ihm im christlichen Glauben der schöpferische Eros Gottes zur Hilfe, in dessen Licht der Tod nurmehr zum Übergang wird.