DIE ABTEI ST. ULRICH UND AFRA. Kirche und Klostergebäude im Wandel ihrer Geschichte
Abendvortrag im Rahmen des Ulrichjubiläums 2023/2024 im Akademischen Forum am Dienstag, 26. September 2023
Das Thema bewegt die Menschen. Und so fanden sich 100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Haus Sankt Ulrich ein, um den Vortrag von Professor Dr. Wolfgang Augustyn über die Geschichte der ehemaligen Abtei St. Ulrich und Afra zu hören. Und sie wurden nicht enttäuscht: mit eindrucksvollem Bildmaterial konnte Professor Augustyn das Publikum in seinen Bann ziehen.
In einem ersten Teil stellte Professor Augustyn die Gründung des Klosters und die Baugeschichte der Basilika vor. Die Basilika steht auf einem spätantiken Gräberfeld an der nach Süden führenden Römerstraße Via Claudia vor den Mauern der antiken Stadt. Über der Grabstätte der Märtyrerin Afra (+ um 304) erbauten Gläubige wohl schon in spätrömischer Zeit eine kleine hölzerne Kirche. Es folgten fünf weitere Neubauten bis zum heute vorhandenen spätgotischen Bau von 1467/1603. Diese Kirchen entstanden aus Wallfahrten zur Verehrung der heiligen Afra († 304). Der Augsburger Bischof Ulrich wurde 973 in der Nähe Afras beigesetzt. Seit 1012 wurde die heilige Stätte vom Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra Augsburg betreut. Die Unterkirche mit den Grufträumen der Heiligen Ulrich und Afra wurde 1962 gestaltet. Augustyn zählte namhafte Künstler auf, die durch die Zeit die Kirche ausstatteten und so zu einem einzigartigen Prachtbau machten.
Um die Basilika St. Ulrich und Afra befanden sich die weitläufigen Anlagen und Gebäude des Benediktinerklosters St. Ulrich. Der Klosterbezirk reichte ursprünglich bis weiter südlich an die heutige Straße Am Eser heran. Nach langem Ringen des Klosters um die Unabhängigkeit vom Augsburger Bischof erfolgte 1643 die Erhebung zur Reichsabtei. Die Säkularisation 1803/1806 brachte das Ende der Reichsabtei. Die Klostergebäude fielen an den bayerischen Staat, der sie für militärische Zwecke nutzte und baulich veränderte. Im Zweiten Weltkrieg wurden wesentliche Teile der als Kaserne genutzten Klostergebäude zerstört. In den folgenden Jahrzehnten verfielen aufgrund komplizierter Eigentumsverhältnisse die noch erhaltenen Bereiche zunehmend. Auf diesen Fundamenten errichtete die Diözese Augsburg 1972 bis 1975 das Tagungshaus Sankt Ulrich.
Heute ist im Südosten nur noch die Ruine einer mittelalterlichen Kapelle zu sehen, deren Anfänge bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen. Diese Godehardskapelle gehört zu den ältesten Kirchenbauten im bayerischen Schwaben.