DIE GABE DER UNTERSCHEIDUNG. Kriterien für das geistliche Leben

13.03.2019 16:11

Studiennachmittag mit Marianne Schlosser im Akademischen Forum am Freitag, 1. März 2019

Prof. Dr. Marianne Schlosser, Universität Wien

 

 

Wenn Gott den Menschen berührt ...

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ (Johannes 14, 1). Auf der Grundlage der Heiligen Schrift arbeiteten die Kirchenväter und die spätere Theologie an einer Lehre von der „Unterscheidung der Geister“. Die dabei gestellten Fragen lauteten: Wie kann man beurteilen, aus welchem Geist heraus jemand spricht? Wie kann ich in mir selbst gute Anregungen von bloßen Einbildungen unterscheiden?

Professorin Dr. Marianne Schlosser, die seit 2004 an der Universität Wien Theologie der Spiritualität lehrt und das gleichnamige Institut leitet, stellte in ihrem ersten Vortrag „Unterscheidung als Charisma und Auftrag“ verschiedene Kriterien vor, mit denen der Wahrheitsanspruch einer Lehre, das Zusammenleben und die unterschiedlichen Meinungen in einer Gemeinde sowie das persönliche geistliche Leben reflektiert werden können. Ziel ist dabei: Klarheit in den Aussagen und für die Lebensgestaltung zu gewinnen.

Leitlinien aus der Geschichte christlicher Spiritualität anhand ausgewählter Texte war das Thema einer zweiten Vortragseinheit, die die Praxis geistlicher Unterscheidung in den Blick nahm. Zahlreiche Texte aus zwei Jahrtausenden zeigen, mit welcher Vorsicht und Differenziertheit Kriterien zur geistlichen Entscheidung entwickelt und weitergegeben wurden. Sie sind auch für das geistliche und spirituelle Leben heute sehr bereichernd und erhellend. Im Mittelpunkt standen dabei Texte von: Frühe Mönchsväter (Apophtegmata Patrum), Catarina von Siena (1347-1380), Jean Gerson (1363-1429), Bernhard von Siena (1380-1444), Hans Urs von Balthasar.(1905-1988).

 

Literaturhinweis: Schlosser, Marianne (Hg.), Die Gabe der Unterscheidung. Texte aus zwei Jahrtausenden, EOS Verlag Sankt Ottilien 2015.