GLAUBE UND MACHT. Der Dreißigjährige Krieg in Dillingen und im Bistum Augsburg

08.11.2018 18:13

Veranstaltung des Akademischen Forums in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung Dillingen und der Pfarreiengemeinschaft Dillingen am Mittwoch, 7. November 2018 in Dillingen

 

Die Referenten: Bistumshistoriker Domkapitular Dr. Thomas Groll und Dr. Walter Ansbacher vom Verein für Augsburger Bistumsgeschichte

 

 

Das Bistum Augsburg und das „schwäbische Rom“ im Dreißigjährigen Krieg

Vor 400 Jahren am 23. Mai 1618 begann der 30jährige Krieg, der eine Welle von Gewalt entfesselte, die über ganz Europa rollte. Jede Ortschaft in Schwaben und Umgebung erlebte ihre eigene Geschichte von Hunger, Krankheit und Not, von Raub und Totschlag. In zwei Vorträgen wurde diese Zeit vor dem geistigen Auge wieder lebendig. Über 80 Personen waren zu dieser Abendveranstaltung in das Pfarrzentrum St. Ulrich gekommen.

Der Augsburger Bistumshistoriker Domkapitular Dr. Thomas Groll zeigte in seinem Vortrag auf, wie sich der Krieg auf das Bistum und die Bischofsstadt Augsburg auswirkte. Nachdem sich die Kriegshandlungen in den Süden verlagerten eroberte 1632 Gustav Adolf Schwaben. Die Reichsstadt ergab sich kampflos, 300 katholische Geistliche wurden der Stadt verwiesen und Stiftskirchen wurden als Ersatz für 1629 abgebrochene evangelische Kirchen protestantisch. 1635 wurde die Stadt nach langen Blockaden, die Not, Hunger und Seuchen verursachten, an die bayerische Armee übergeben. Die genannten Kirchen wurden den Katholiken zurückgegeben, während die Evangelischen ihre Gottesdienste im Hof des Anna-Kollegs feiern mussten. Ein Rezess von 1649 zum Westfälischen Frieden schrieb endlich die Parität für Augsburg fest und bestimmte, dass alle städtischen Stellen doppelt besetzt werden mussten.

„Die bischöfliche Residenz- und Universitätsstadt Dillingen im Dreißigjährigen Krieg“ war Thema von Dr. Walter Ansbacher (Verein für Augsburger Bistumsgeschichte). Das sogenannte „schwäbische Rom“ wurde unter schwedischer Besatzung kaum geplündert. Die von Jesuiten geleitete Universität, die zunächst sogar unter dem Schutz Gustav Adolfs stand, musste sich dann aber aufgrund eines Gerüchtes, es würde sich ein großer Schatz in ihr befinden, vor den Begehrlichkeiten des schwedischen Gouverneurs schützen. Mutig stellten sich die verbliebenen Jesuiten den Versuchen des Gouverneurs, an die vermeintlichen Schätze zu gelangen, in den Weg. Dennoch hatten Universität und Stadt Verhaftungen, Gefangenschaft, Bezahlung von Lösegeldern und wiederholte Plünderungen zu erleiden. Selbst nach dem Abzug der Schweden belasteten tausende Soldaten noch viele Jahre lang Stadt und Bürgerschaft.