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„ICH WERDE NICHT STERBEN, SONDERN LEBEN.“ (Ps 118). Die Psalmen Davids und die Sendung Jesu

25.03.2024 15:35

Studiennachmittag zur Einstimmung auf die Feier der Heiligen Woche am Freitag, 22. März 2024

Prof. Dr. Franz Sedlmeier lehrte bis 2020 an der Universität Augsburg Alttestamentliche Wissenschaft

Jesu Einzug in Jerusalem ist begleitet von Liedern und Lobgesängen. Und bereits die ersten Christen deuten die letzten Lebenstage Jesu im Lichte alttestamentlicher Psalmen, die bis heute in der Karwoche gesungen und gebetet werden. Der Alttestamentler Professor Dr. Franz Sedlmeier legte an diesem Studiennachmittag im Haus Sankt Ulrich anhand von drei Psalmen Davids das Sterben, den Tod und die Auferstehung Jesu aus.

Psalm 118 ist dabei der am häufigsten zitierte Psalm im Neuen Testament. Der Psalm ist eine Dankerzählung und erinnert an die Rettung durch Gott am Schilfmeer und auf bestimmten Wegstationen des Volkes Israels, die manche Bedrohung und schmerzliche Lebensprozesse überstehen ließen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben …“ (Ps 188,17).

Psalm 31 wurde vom Evangelisten Lukas Jesus als letztes Wort am Kreuz in den Mund gelegt: „In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ (Ps 31,6). Es ist dies kein verzweifelter Ruf sondern vielmehr ein letztes tiefes Gottvertrauen, das hier zum Ausdruck kommt. Ähnlich lässt sich auch dieser Gedanke beim Tod des Apostels Stephanus finden, der betet: Nimm meinen Geist auf! (Apg 7,49) Der Psalm selbst gliedert sich in Klage, Dank und Lobpreis und ist ein Gebetsweg aus der Enge der Not in die Weite („er stellt die Füße auf weiten Raum“ Ps 31,9). Gott soll handeln und zu neuer Stärke verhelfen. Der Evangelist Lukas macht mit diesem Zitat am Kreuz Jesus zum Psalmenbeter.

Psalm 30 wird seit dem 5. Jahrhundert in der Osternacht vorgetragen und zeigt die Wende vom Weinen zum Jubel. So wird der Psalm zu einem Danklied der erlösten Christen, die den Sieg über den Tod feiern: „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ (Ps 30,12). Gott wird zum Retter aus der Not und dem Todesreich – Gott selbst verwandelt Trauer in Freude – Gott gibt neuen Zugang zum Leben.