MUT IN ZEITEN DER RESIGNATION
Abendveranstaltung mit Prof. Dr. Boglarka Hadinger im Akademischen Forum am Montag, 4. März 2024
Seit geraumer Zeit ist es allerorten verstärkt zu spüren: irgendwann hat sich eine allgemeine Erschöpfung breit gemacht. Die Anforderungen und ständigen Neuerungen, der schnelle Wandel, politische Krisen und Veränderungen, die Verdichtung von Lasten und Leistung setzen uns zu. Zu dieser allgemeinen Stimmung kommen oft genug persönlichen Probleme hinzu. Viele Menschen erleben als Folge davon ein Grundgefühl von Passivität und Resignation. In solchen Zeiten braucht es Mut. Es braucht Mut, sich den Herausforderungen zu stellen und wieder eine positive Grundhaltung für das eigene Leben zu finden.
Zu Beginn Ihres Vortrages verdeutlichte Dr. Hadinger vor den 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Haus Sankt Ulrich in Augsburg was Mut eigentlich ist und was mit Resignation gemeint ist. So ist Mut nicht nur Angstfreiheit sondern wesentlich eine innere Haltung. Resignation bedeutet im eigentlichen Wortsinn: ich nehme meine Unterschrift zurück. Ich distanziere mich von einer Situation, Person oder einer Entwicklung.
Die Zeit der Veränderung beginnt mit der Wahrnehmung, dass etwas nicht in Ordnung ist: „Die Nöte der Zeit werden Euch zeigen, was zu tun ist,“ sagt Adolf Kolping. Viktor Frankl drückt es so aus: „Das Gefühl der Sinnlosigkeit ist nichts Krankhaftes, vielmehr Zeichen geistiger Mündigkeit“. Kollektive Angst, Aggression und Resignation sind Vorboten von Wendezeiten. Sie signalisieren, dass jetzt eine gesellschaftliche Kurskorrektur nötig ist. Solche Zeiten, so schmerzhaft sie auch sind, gebären mutige Menschen und Fortschritte, die wieder Sinn in das gemeinsame Leben bringen.
Am Beginn einer jeden Entwicklungskrise steht eine Verneinung: „So will ich nicht mehr leben!“ Dies kann die eigene Person, eine Beziehung, eine Institution oder unsere Lebenswelt meinen. Entwicklungskrisen verlieren ihre Bedrohung, wenn wir sie als solche identifizieren. Dann werden sie zu einer Aufgabe, die auf unsere Lösung wartet.
Heute stehen wir kollektiv inmitten einer radikalen Entwicklungskrise: Alte Ziele, bisherige Lösungsstrategien tragen nicht mehr, neue sind (noch) nicht oder nur für wenige vorstellbar in Sicht. So entsteht Chaos und Zerrissenheit zwischen den alten Tendenzen und dem akuten Veränderungswunsch. Als Folge werden die Menschen frustriert, aggressiv oder depressiv oder resigniert.
Aus der Verneinung „so nicht“ soll eines Tages ein einladendes Ziel werden. Einladende Ziele sind realisierbar und stellen eine lebensfreundliche Kurskorrektur dar. Einladende Ziele sind Sinn-ziele.
Sind diese Sinn-ziele erkannt, stellt sich die Frage: „Was ist jetzt meine Aufgabe?“ Für manche Menschen liegt die Aufgabe im Umgang mit der eigenen Person oder in der Familie. Für andere im Einsatz für eine bessere Welt. Die Frage ist sehr persönlich und kann nur persönlich beantwortet werden.
Hier können oft erfahrende Mitmenschen hilfreich sein, die bei der Umsetzung der Veränderung und bei der Suche der Zielfindung begleiten. Es sind drei Schritte, die eine Veränderung einleiten: den Schmerz der gegenwärtigen Situation erkennen. Wissen, dass man frühere Krisen gut gemeistert hat. Ein Ziel, einen Sinn für ein neues Leben finden und daran arbeiten – „so will ich leben!“ Anhand exemplarischer Beispiele zeigte die Referentin Wege aus Zeiten der Sinnkrise auf und wie Sinnziele das Leben verändern können.